Jussarö Jussarö

Törn: Finnische Südküste (Teil 1)

Reif für die Inseln - Teil 3

Christian Tiedt am 06.12.2017

Auf nach Örö! Den Tipp bekommen wir im Hafenbüro von Nagu, als wir nach einem schönen Zwischenstopp auf dem Weg nach Hanko fragen: "Den Anleger auf der Insel gibt es erst seit dem vergangenen Jahr. Es ist wunderschön dort!" Den Verlauf des Fahrwassers und die noch neue Betonnung auf dem letzten Teil der Ansteuerung zeichnet man kurzerhand mit sicherem Strich auf unserer Seekarte ein. 

Der Generalkurs ist Südost: Im leichten Slalom wedelt unsere Kurslinie um eine Kardinaltonne nach der anderen, Richtfeuerlinien – bezeichnet durch gestaffelte Paare rot gestrichener Tafeln mit senkrechten gel­ben Balken – kommen voraus in Sicht und verschwinden wieder im Kielwasser. Eng wird es noch einmal zwischen den größeren Inseln Sorpo und Järmo, wo es bei der schmalen Durchfahrt von Pargas Port auch einen größeren Gasthafen gibt.

Danach öffnet sich der Blick auf die weite, funkelnde Wasserfläche des Gullkrona fjärds, durchsetzt von kleinen und kleinsten Schären, die oft nicht viel mehr tragen als ein paar krumme Kiefern, eine stählerne Bake oder einen der alten kummel, weiß angemalte Steinmale, die früher der Orientierung und einfachen Navigation dienten.

Der südliche Teil des Schärenmeeres, auf den die "Rolling Swiss 2" nun ihren Bug richtet, ist als Nationalpark ausgewiesen.

Auf eine Fläche von 500 Quadratkilometern kommen 2000 Inseln aller Größen, mit weiteren 8000 in unmittelbarer Nachbarschaft. Seeadler und Ringelrobben sind hier ebenso zu Hause wie Holzapfel und Blutroter Storchschnabel. Ein grandioses Naturgebilde aus Granit und Gneis, glatt gehobelt von den Gletschern der Eiszeit, von Ostseewellen umspült. Noch immer hebt sich das Land langsam wieder, befreit von seiner Millionen Tonnen schweren Last, und lässt die Felsen um mehrere Millimeter jährlich aus dem Meer wachsen.

Endlich tauchen voraus im Nebel schattenhafte Konturen auf – und Masten! Wir sind also genau dort, wo wir laut Plotter auch sein sollten: vor dem Inselhafen von Örö. Als wir am Kopfende des langen Schwimmsteges die Leinen über die Klampen legen, brennt die Sonne schon wieder unschuldig vom blauen Himmel herab.

Seite 3 / 5
Christian Tiedt am 06.12.2017