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Törn: Kattegat und Skagen / Dänemark

Hjertestarter

Christian Tiedt am 23.02.2018

Das lässt das Herz höher schlagen: Kattegat und Skagerrak im Sommer. Teil 1: Von Aalborg über Skagen nach Kristiansand

Fotostrecke: Von Aalborg nach Skagen

Wo Dänemark im Norden endet, treffen die Elemente aufeinander: Wie ein schmaler Keil ist die Spitze Jütlands geformt,  ein sandiger Dorn in der Flanke des Meeres – genau an jener Stelle, wo Nordsee und Ostsee zusammentreffen. Kein Wunder, dass es um jenes störende Stückchen Land herum zu jeder Jahreszeit rauh zugehen kann.

Andererseits gehören der Westwind und die donnernde Brandung zu dieser wilden Ecke Europas einfach dazu. Sie lassen das Herz wieder schlagen. Man spürt, dass man lebt. Hjertestarter heißt einer der größten Hits der dänischen Rockband Nephew, in dem es um genau dieses Gefühl geht. Das passt ziemlich gut.

Wir bekommen diese wiederbelebende Kraft zu spüren, als wir mit dem Cruising Club der Schweiz im vergangenen Jahr um Mittsommer herum zwei Wochen lang zwischen Dänemark und Norwegen auf Törn sind.

Für die fünfköpfige Crew an Bord der "Rolling Swiss 2" bekommt der Begriff "Sommerfrische" jedenfalls eine völlig neue Bedeutung. Denn es bläst ordentlich. Doch dafür wäscht der Wind den Himmel rein und lässt alles in eigenem Licht erscheinen – Dünen, Fels und Meer.

Der erste Teil unseres Reisetagebuchs führt von Aalborg über das Kattegat und die Insel Læsø bis nach Skagen, bevor wir den großen Schlag über das Skagerrak nach Kristiansand in Angriff nehmen. Der weitere Verlauf durch die Schärenwelt der norwegischen Südküste und über den Oslofjord bis nach Oslo selbst folgt dann in der Mai-Ausgabe von BOOTE.

24. JUNI: Von Aalborg nach Hals 

Beim Frühstück im Scandic-Hotel sind wir komplett: Skipper Marc, Isabelle und Christoph bilden die Schweizer "Abordnung", dazu kommen Morten und ich, die beiden Nordlichter. Erste Einschätzungen zum geplanten Routenverlauf, die Windprognose kennt jeder. Ob es mit Læsø klappt? Für das Skagerrak werden wir ein Wetterfenster brauchen. Trotzdem Vorfreude und große Erwartungen. Wenn’s nicht so früh wäre, könnte man anstoßen...

Mit dem Taxi geht es zum Vestre Lystbådehavn von Aalborg. Weht schon ganz gut! Taschen an Bord, Kabinen beziehen und dann zum Einkaufen: Mit zwei vollen Einkaufswagen klappern wir zurück zur "Rolling Swiss 2". Nachdem alles seefest verstaut ist, gibt’s ein schnelles Briefing für unsere erste Etappe nach Hals, und um 14.20 Uhr erwachen die beiden Diesel unserer Trader 42. Los geht's!

Bei W4 und zerrissenem Himmel legen wir ab und drehen eine Runde vor der Eisenbahnbrücke, bevor sie sich öffnet und wir dem Limfjord mit dem Wind von achtern nach Osten folgen können. Der verläuft einmal quer durch den Norden Jütlands, so, dass das Panorama im Norden genau genommen zur zweitgrößten Insel Dänemarks gehört – Vendsyssel-Thy. Unser Ziel ist der kleine Fährort Hals am östlichen Ausgang des Fjords.

Aalborg zieht vorbei: ein neues Wohnquartier und etwas Industrie, rostige Kräne, dann die Aquavitfabrik, ein großer Block aus rotem Ziegel. Doch bald schließen sich sandige Ufer an, dahinter Tannenwald, Wiesen und Sommerhäuser.

Folgen dem Tonnenstrich – die Ecken außerhalb des Fahrwassers sind zum Teil sehr flach. Nach gut zwei Stunden erreichen wir Hals, das Kattegat ist schon zu sehen. Der nüchterne aber nicht ungemütliche Hafen ist gut belegt mit Seglern und Motoryachten, Fischern und Lotsen. Draußen warten die beiden Eisbrecher "Isbjørn" und "Danbjørn" an dicken Trossen auf den Winter. Wir finden gerade noch einen Platz am Kopfende des Gästestegs.

Hals ist ein aufgeräumter Ferienort mit adretten Blumenkästen und sauberen Fassaden. Ein Supermarkt, ein paar Restaurants und Cafés, nichts Spektakuläres. Die  Grillterrasse am Hafen wird von anderen Gastliegern gut genutzt. Gönnen uns ein Eis mit guf, unglaublich süßem Schaum in knalligem Rosa. Eine dänische Spezialität, wie man uns versichert...

Die gesamte Törnreportage über das Kattegat lesen Sie in der März-Ausgabe von BOOTE, die es seit dem 21. Februar 2018 im Handel gibt. Abonnenten natürlich schon eher.

Christian Tiedt am 23.02.2018