Hanöbucht Hanöbucht

Törn: Schwedische Südküste

Die Hanöbucht: Felsenfest - Seite 2

Christian Tiedt am 03.10.2016

König Karls Hafen

Karlskrona trägt den Namen ihres Gründers, Karl XI. Viel Bleibendes hat der Monarch, der von 1660 bis 1697 regierte, zwar nicht hinterlassen, doch das Kriegsglück zur See war Schweden damals ab-handen gekommen, und Land (und König) hatten einen Ruf als Herrscher der Ostsee zu verlieren. Also erging eine Ordre der Krone zum Bau eines Kriegshafens. Und auch wenn es inzwischen kaum noch eine nenneswerte Flotte gab, war ihre neue Heimat sehr gut gewählt.

Karlskrona liegt auf der Nordseite einer Bucht, die zur offenen See hin von vier großen bewaldeten Schären abgeriegelt wird. Nur die mittlere der allesamt sehr schmalen Durchfahrten ist für tiefgehende Schiffe passierbar. Auch uns führt das Hauptfahrwasser nun zwischen diesen beiden Inseln hindurch, Aspö an Backbord und Tjurkö an Steuerbord. Ein weiteres Hindernis für übereifrige Angreifer verrät nur die Seekarte: An der engsten Stelle wurde ein Sperrwall aufgerichtet, der bis dicht unter die Wasseroberfläche reicht. Zum Glück ist die kaum zwei Kabellängen weite Lücke durch zwei befeuerte Seezeichen eindeutig gekennzeichnet.

Dahinter öffnet sich die yttre reden, die Außenreede, mit dem markanten Leuchtfeuer "Godnatt", einem wuchtigen Festungsturm, dem kurzerhand ein winziges Laternenhaus aufs Kupferdach gesetzt wurde.

Vom Terminal auf der Insel Verkö an Steuerbord voraus kommt uns eine große Fähre entgegen. Wir halten uns nach Backbord, schlängeln uns zwischen ein paar Schären hindurch und gehen nur wenige Minuten später gleich am ersten, nach Nordosten weisenden Schwimmsteg der Karlskrona stadsmarina längsseits. Der Sportboothafen gehört zu den größten und am besten ausgestatteten im Revier. Die Gebühr von 260 Kronen (28 Euro) für unsere 13 Meter lange Trader wird am Steg kassiert. www.karlskronastadsmarina.se

Als die Russen auf Grund liefen

Von der Marina kommt man zu Fuß in einer Viertelstunde zum Stortorget, dem zentralen Platz. Zwei prachtvolle Barockkirchen bestimmen die Kulisse, die gerade aufstrebende Fredrikskyrkan und die Trefaldighetskyrkan mit Säulenfront und Kuppel – nur zwei der Baudenkmäler, die der Stadt auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geholfen haben. In den Straßen rund um den Platz findet man Restaurants und Cafés für wirklich jeden Geschmack.

Schon bei halbwegs warmem Wetter spielt sich, typisch für Skandinavien, das meiste auf der Straße ab. Mediterranes Lebensgefühl im hohen Norden!

Zum steinernen UNESCO-Erbe gehört natürlich auch örlogsbas, die alte Flottenbasis aus Zeiten Karls XI., über die noch immer das bronzene Abbild seines Admirals Hans Wachtmeister wacht. Das alte Trockendock liegt zwar längst verwaist da, das Areal wird jedoch noch immer von Marine und Küstenwache genutzt. Hauptattraktion ist allerdings der moderne Bau des Marinmuseum, dessen Ausstellung viele Aspekte der schwedischen Seefahrtsgeschichte beleuchtet – von den segelnden Linienschiffen aus der Zeit König Karls bis zum Kalten Krieg, vor dessen Bedrohungen auch das neutrale Schweden nicht geschützt war.

So etwa im Oktober 1981, als das Unterseeboot "S-363" der Baltischen Rotbannerflotte nur unweit vor Karlskrona auf Grund lief.

Ein Fischer bemerkte den Havaristen, der darauf von der schwedischen Marine umzingelt wurde. Die Sowjets wollten von Spionage nichts wissen und gaben einen Navigationsfehler als Ursache an. Boot und Besatzung wurden schließlich freigegeben. Zweifel blieben jedoch, zumal ähnliche "Fehler" danach weiter passierten. www.marinmuseum.se

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Christian Tiedt am 03.10.2016