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Törn: Schwedische Südküste

Die Hanöbucht: Felsenfest - Seite 3

Christian Tiedt am 03.10.2016

Im Irrgarten aus Felsen

Über den Västra fjärden und durch die Drehbrücke von Hasslö führt unser Kurs der Küste folgend weiter nach Westen. Der Wind ist in alter Frische zurück und bläst über die tiefblaue Ostsee. Wer den Kopf rausstreckt, hat schnell rote Wangen. Doch in Lee, im Schutz der Schären, herrscht Sommer.

Kaum ein Felsen, der keine Hütte mit Liegestühlen davor hat, oder einen Bootssteg, von dem Kinder baden.

Über rund 30 Seemeilen windet sich das Fahrwasser durch diesen felsigen Irrgarten. Ohne Plotter muss man genau aufpassen und Fernglas und Karte jederzeit zur Hand haben, um die Schwimmstangen, Baken und stählernen Türmchen voraus genau zu bestimmen und nicht vom rechten Weg abzukommen. Zum Teil liegen die mit Kiefern, Flechten und trockenem Gras bewachsenen Felsbuckel so dicht wie im Boköfjärden, südlich der Insel Tärnö.

Karlshamn kündigt sich schon von weitem an: ein hoher verruster Schlot am westlichen Ufer des Flusses Mieån dient als unverkennbare Landmarke.

In der Umgebung gibt es zwar mehrere Häfen im Grünen, doch wir entscheiden uns für den Anleger im Zentrum. Also runden wir die Bastionen der Festungsinsel Kastellholmen und laufen in den Fluss ein, links metallglänzende Industrieanlagen mit verschlungenen Rohranlagen, rechts die hellen Putzfassaden der Hamngatan mit patinagrünen Turmspitzen dahinter.

Ostseefestival in Karlshamn

An den Schwimmstegen des Stadthafens (www.karlshamn.se) ist noch genau ein Platz für uns frei. Purer Zufall, denn ebenso zufällig beginnt an diesem Abend das jährliche "Östersjöfestivalen", bei dem Karlshamn für ein langes Wochenende zum Besuchermagneten für die ganze Region wird – und da sind Liegeplätze heiß begehrt. Riesenrad und Rummel vor dem Rathaus, Rockbands live am Hafen, dazu viel zu essen und noch viel mehr zu trinken. Erleuchtete Pavillons, surround sound auf der Flybridge, rechts eine Azimut, links eine Sunseeker: schon wieder wie am Mittelmeer! Und eigentlich sind wir ganz froh darüber, denn ansonsten fallen die Attraktionen Karlshamns im Vergleich mit Karlskrona doch eher bescheiden aus.

Hinüber nach Hanö

Das Gebiet der geschützten Schärenküste verlassen wir nun, eine längere Seeetappe steht an, in einigem Abstand zur Küste, hinuter nach Simrishamn. Doch vorher muss Zeit sein für einen Zwischenstopp auf der Insel, die der ganzen Bucht den Namen gab: Hanö. Etwa zehn Seemeilen sind es von Karlshamn auf einem rechtweisenden Kurs von 190 Grad, bis wir die Nordwestspitze der auffällig hohen Insel runden und in ihren kleinen Hafen einlaufen. Empfangen werden wir von roten Holzhäusern (Café, Minimarkt, Inselmuseum) und den steif knatternden Flaggen der Ostseeländer – Schweden, wie aus dem Bilderbuch!

Der beste Platz an der Pier ist zwar für den Ausflugsdampfer reserviert, der vom Festland aus Hanösund kommt, aber gemütlich ist es auch so.

Zur Bevölkerung von Hanö gehört neben den wenigen Dutzend Insulanern noch eine kleine Schar von Feriengästen. Wer wie wir nur wenige Stunden zur Verfügung hat und gerne den vollen Überblick hat, macht sich an den Aufstieg zur höchsten Spitze der Insel, wo auf 60 Metern über dem Meer der weiße Feuerträger von Hanö fyr thront. Der Weg hinauf führt zunächst durch den kleinen Ort – wo man sich am Wegesrand mit frischgebackenen Waffeln stärken kann – und weiter durch Mischwald, der sich schüchtern an den Hang duckt, bis zur kahlen Kuppe hinauf. Hier soll sich das stärkste Leuchtfeuer der Ostsee drehen.

So hell, dass es der Sage nach sogar einen leibhaftigen Drachen geblendet und zum Absturz gebracht haben soll, der bis dahin jede Nacht zwischen Hanö und Tärnö hin- und hergeflogen war.

Nur gut, dass jetzt Tag ist, und wir die Aussicht genießen können. Die Schären im Norden sind zu sehen, Karlshamn und der Weg, den wir gekommen sind. Im Westen, ganz nah, die Halbinsel Listerlandet. Und dahinter, als blauer, gewellter Streifen, die Küste Schonens. 30 Seemeilen sind es noch bis Simrishamn. In ein paar Stunden schon könnten wir dort am Strand liegen. Zeit zum Aufbruch!

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Christian Tiedt am 03.10.2016
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