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Bahamas: Abaco Islands

Rainer Bergmann am 31.07.2008

Die Abaco-Inseln und ihre Geschichten: Wir gehen mit dem Charterboot auf Entdeckungsreise und erfahren einiges über die Lebensart der Bewohner.

Auf Abnehmer der hochprozentigen „Tomoka“-Ladung musste McCoy nicht lange warten. Wein, Bier, Gin, Whisky und andere „geistige Getränke“ wechselten nachts die Besitzer. Und die Dunkelheit verschluckte die kleinen, schnellen Schmuggelboote und bewahrte sie vor dem Zugriff der Coast Guard.

Und Trick Nummer 2: Die Möglichkeit der Coast Guard, auch außerhalb der drei Meilen US-registrierte Schiffe und Yachten zu beschlagnahmen, zerstörte McCoy durch die britische Registrierung seiner Yacht auf den Bahamas.

Obwohl die US Coast Guard sehr bald Häfen und Seegebiet innerhalb der 3-Meilen-Zone kontrollierte, setzte sie ein gewisser US-Captain William S. McCoy dennoch trickreich matt. McCoy betrieb im amerikanischen Jacksonville Werft und Motorbootservice. Er galt als intimer Kenner der Reviere zwischen Florida und den Bahamas. Trick 1: Mit seinem Schoner „Tomoka“ ging er außerhalb der 3-Meilen-Zone vor Anker.

Lässt man die Piraten-Ära zunächst außer Betracht, so spielte sich die wildeste und wohl auch weithin bekannteste Schmuggelzeit während der Prohibition ab, als US-Präsident Herbert Hoover im Januar 1920 die „Trockenlegung“ der USA verfügte. Damit hatte die Coast Guard den Schwarzen Peter; denn schlecht ausgerüstet sollte sie nun den Alkoholschmuggel über See verhindern. Doch zunächst gewannen, wie so oft auch beim Indianerspiel, die Bösen mit dem größeren Erfindungsreichtum.

Und immer boten die Abacos mit menschenleeren Buchten und vorgelagerten Riffen eine ideale Versteckbasis und Zwischenstation für dunkle Geschäftemacher, wobei stets die Bevölkerung der Bahamas legal oder illegal wirtschaftlich profitierte.

Etwa 60 Jahre später konnte letztlich auch der später ermordete Don Aronow, legendärer Werftchef in Fort Lauderdale, nicht verhindern, dass die kolumbianische Mafia seine pfeilschnellen und vom Radar bei rauer See kaum auszumachenden Cigarettes als Rauschgift-Transporter missbrauchte – offenbar tut sie das bis heute.

Nutzten im 17. Jahrhundert Piraten die Überlegenheit schneller Segler für ihre Raubzüge, schlugen 200 Jahre später Alkoholschmuggler mit kraftvollen Booten der Staatsmacht ein Schnippchen, als die USA während der Prohibitionszeit „trockenfielen“. Zum allgemeinen Leidwesen der Coast Guard; denn zu dieser Zeit bauten Sportbootwerften wie ChrisCraft, Gar Wood oder Hackercraft auch Rennboote, die die sogenannten „Bootleggers“ für ihre illegalen Geschäfte zweckentfremdeten.

Schnelle Schiffe, aber noch schnellere Boote spielten seit jeher in der Geschichte der Bahamas eine bedeutende Rolle. Doch selten auf Seiten „der Guten“.

McCoy, übrigens selbst Abstinenzler, gilt als Erfinder der legendären „Rum Row“ zwischen den Bahamas und den USA, einer illegalen, kurzen (See-)„Straße“, auf der unbeschreiblich hohe Gewinne winkten. Ein 6-Flaschen-Karton Cognac, auf den Bahamas für 8 Dollar eingekauft, erzielte auf der Rum-Straße bereits stolze 65 Dollar, um in den USA mit bis zu 700 % Aufschlag seine Abnehmer zu finden.

Rainer Bergmann am 31.07.2008