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Karibik: British Virgin Islands

Torsten Moench am 10.03.2015

Das Paradies hat einen Namen: Mit dem Motorkatamaran entdeckten wir die Inselwelt der British Virgin Islands – die Britischen Jungferninseln.

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British Virgin Islands

Ein Paradies für sich: Mit dem Charterboot von The Moorings auf Karibiktörn durch die British Virgin Islands

Karibik. Allein das Wort lässt die Augen von Wassersportlern aufleuchten. Endlose Palmenstrände, traumhafte Buchten und türkisfarbenes Wasser soweit das Auge reicht. Den einprägsamen Bildern aus der Schokokugel-Werbung kann sich niemand verschließen, denkt er an die geheimnisvolle Inselwelt jenseits des Atlantiks.
Und doch; einen Schönheitsfehler hat das Revier im Auge des gemeinen mitteleuropäischen Motorbootfahrers: Prallgefüllte weiße Segel allerorten und kein ein-ziges Motorboot lassen den Reklame-Betrachter zweifeln, ob es in der Karibik überhaupt Motorboote gibt und ob Jack Sparrows Heimatrevier aus "Fluch der Karibik" Motorbootfahrern wohlgesonnen gegenüber steht.

Dieses zu ergründen, starteten wir Ende April zu einem einwöchigen Törn durch die "Inseln über dem Wind", wie die britischen Jungferninseln auch genannt werden. Gegen Abend erreichen wir unseren Ausgangshafen in Road Town auf Tortola. Hier, in der exquisiten The Moorings-Charterbasis nehmen wir unser "Expeditionsfahrzeug", eine Leopard 39, die bei Moo-rings in der Charterversion "393 PC" heißt, bei inzwischen völliger Dunkelheit in Empfang. "Hull Number Six in Slip Number Four" lautet die knappe Ansage der karibischen Rezeptionsdame.

Unsere dreiköpfige Crew, bestehend aus Fotograf Basti, Deckshand Rebecca und mir, setzt sich voller Vorfreude in Bewegung. "Hull Number Six" gehört mit ihren 16 000 Betriebsstunden sicher nicht zu den jüngsten Booten der The Moorings-Flotte, mit knapp 40 Fuß Länge wohl aber zu den handlichsten. Frisch geputzt und mit laufender Aircon (Klimaanlage) liegt sie an versprochener Stelle. Die ursprünglich noch für diesen Abend geplante Proviantierung im nächstgelegenen Supermarkt wird zugunsten einer 25-Dollar-Pizza im Charlies, benannt nach dem The Moorings-Gründer Charlie Cary, auf den nächsten Morgen vertagt. 

Tag 1: Kirt und die "Willy T."

Pünktlich um 8 Uhr steht Boat-Instructor Kirt am Heck unseres Bootes. Auf karibischem Englisch, dessen Wortschatz offensichtlich nur eine geringe Schnittmenge mit meinem Schulenglisch aufweist, erklärt Kirt in rund 30 Minuten alle wesentlichen Funktionen des elf Meter langen Bootes. "Okay?" Klar, alles O. K. – ich weiß ja, wo das Handbuch liegt.

Anschließend geht’s zum Captain’s Briefing in eine Art Schulungsraum mit Karten und Bildschirmen an den Wänden. Dort steht Kirts Kollegin Ursula vor rund 30 angehenden Karibik-Kapitänen – meist amerikanischer Herkunft – und erklärt die navigatorischen Besonderheiten des Reviers. Auffällig: Außer mir scheint sich niemand Notizen zu machen. Stattdessen Verständnis signalisierendes Kopfnicken nach jedem zweiten Satz.

Zwei Stunden später ist es dann soweit. "Hull Nr. Six" liegt dank Rebecca und Basti, die sich zwischenzeitlich vom kostenlosen The Moorings-Shuttle zu Bobby’s Marketplace haben chauffieren lassen, frisch proviantiert und seeklar zum Auslaufen bereit. In Schleichfahrt manövrieren wir aus dem Inner Harbour heraus und gehen kurz darauf auf Südkurs Richtung Norman Island.

Schon kurz nach Verlassen des Hafens wird klar, dass der stetige 4–5-Bf-Südost-Wind eine nicht unangenehme, aber durchaus beachtenswerte Dünung aufbaut. See von vorn nimmt unser 40-Fuß-Katamaran erstaunlich gelassen, und Spritzwasser erreicht nur selten den im "zweiten Stock" gelegenen Fahrstand.

Nach einer knappen Stunde passieren wir an Backbord Pelican Islands mit den vorgelagerten Indians, einer roten Felsformation in Menschengestalt. Kurz darauf kommt unser Tagesziel The Bight in Sicht. Highlights hier sind die Pirates-Bar sowie das Partyschiff "William Thornton", kurz "Willy T." genannt. Die "Willy T." ist ein zur Bar umfunktionierter, fest verankerter Schoner, auf dem es bis tief in die Nacht laut zugeht, entsprechender Dinghi-Verkehr inklusive. Wer es also ruhiger mag, sollte sich eher in die nordöstliche Ecke der Bucht und in Sichweite der Pirates-Bar verholen.

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The Bight ist gut geschützt und bietet exzellente Ankergründe auf 10 bis 15 m Tiefe. Wir entscheiden uns dennoch für eine der weißen Overnight-Moorings. Grundsätzlich gilt: Wer übernachten will, sollte immer nach den weißen Bojen Ausschau halten und möglichst nicht nach 16 Uhr einlaufen, um noch eine gute Auswahl an Liegeplätzen vorzufinden. Diese Bojen werden von professionellen Fir-men gewartet und bieten die bestmögliche Sicherheit. Hinzu kommt, dass einem das Gerödel mit dem Ankergeschirr erspart bleibt. Die Preise für eine Übernachtung liegen auf den gesamten BVIs zwischen 30 und 35 Doller, die meist gegen frühen Abend per Dinghi abkassiert werden – einfacher geht es nicht.

Apropos Service: In nahezu jede Bucht kommt früher oder später ein so genanntes Deliverance-Boat. Diese schwimmenden Tante-Emma-Läden bieten eine Auswahl an Eis, Getränken und den wesentlichen Dingen des täglichen Bedarfs. Darüber hinaus kann man bei ihnen für einen Doller pro Sack seinen Müll loswerden. Die maritimen Einzelhändler sind dabei alles andere als aufdringlich. Ganz anders also, als man es aus anderen Revieren gewohnt ist.

Tag 2: Deadman’s Bay und 15 Mann auf des toten Manns Kiste

Gegen 6 Uhr des nächsten Tages kommt Bewegung ins Schiff. Fotograf Basti nutzt das riesige Vordeck des Katamarans bei Sonnenaufgang als Open-Air-Trainingsgelände für seine (angeblich) 200 Kniebeugen und 60 Liegestütze.

Nach dem anschließenden Frühstück verlassen wir The Bight und nehmen Kurs auf Peter Island. Als sogenannten Day-Stop wählen wir die rund acht Meilen entfernte Deadman’s Bay mit der vorgelagerten Mini-Insel Dead Chest. Glaubt man der Überlieferung, hat hier das aus der Schatzinsel-Verfilmung bekannte Piratenlied „15 Mann auf des toten Manns Kiste“ seinen Ursprung. Wobei mit der „Kiste" aus dem Lied die Insel Dead Chest gemeint war.

Der Versuch, der hier im 17. Jahrhundert ausgesetzten 15 Seeleute, die halbe Meile nach Peter Island schwimmend zu überwinden, endete aufgrund des vorherigen Alkoholkonsums im Desaster und gab der Bucht ihren Namen; dem sie nach unserer Meinung auch heute noch gerecht wird. Außer einem filmreifen Palmenstrand, der jedoch den Gästen des ortsansässigen Hotels vorbehalten ist, gibt es für Bootsleute hier nur wenig zu entdecken. Nach einem ausgiebigen Badestopp geht’s mit Ostkurs weiter Richtung Cooper-Island.

Auf der offenen Passage zwischen Peter- und Cooper-Island sind wir für kurze Zeit dem Südost-Passat ohne Landabdeckung ausgesetzt und bekommen erstmals Ge-legenheit, die Fahreigenschaften unseres Katamarans bei seitlicher See und einem Meter Wellenhöhe kennenzulernen. Auch hier zeigt sich "Hull Nr. Six" ausgesprochen gutmütig. Zwar neigt sie sich im Seegang kurz zur Seite, bekommt aber sofort Auftrieb, sowie der Lee-Rumpf stärker eintaucht.

Auf Cooper Island angelangt,  machen wir in der Manchioneel Bay an einer der Mooring-Bojen vor dem Cooper Island Beach Club fest. Vom Ankern mit eige-nem Geschirr ist hier dringend abzuraten. Seegras verhindert zuverlässigen Halt des Ankers, sodass die 30 Doller für die Over-night-Mooring (ausnahmsweise an der Bar zu zahlen) gut angelegt sind. Die Manchioneel Bay zählt sicher zu den Hot-Spots unseres Törns.

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Der Beachclub ist modern ausgestattet, bietet eine große Auswahl an Speisen und Getränken zu zivilen Preisen und stellt einen freien WLAN-Zugang zur Verfügung. Dieses Rundum-sorglos-Paket ist es wohl auch, welches die Bucht spätestens ab 15 Uhr zur "geschlossenen Gesellschaft" werden lässt. Passend zur Happy-Hour zwischen 16 und 18 Uhr, in der man einen Painkiller für vier Dollar bekommt, sind die rund 30 Mooring-Bojen restlos belegt und später einlaufende Boote finden aufgrund des schlechten Ankergrundes keinen zuverlässigen Halt – man bleibt also unter sich.

An der Bar lernen wir Jasmin Powell kennen. Die gebürtige Engländerin lebt und studiert in Berlin und verdient sich in den Sommermonaten auf Cooper Island ihren Lebensunterhalt. Von ihr erfahren wir, dass neben den obligatorische Amerikanern, für die die BVIs quasi ihr Mallorca sind, die deutschen Bootsleute hier eine wichtige und vor allem gern gesehene Gruppe sind.

Tag 3: The Baths und das bittere Ende

Durch die Erfahrungen auf Cooper-Island alarmiert, dass frühzeitige Ankunft die besten Mooring-Plätze sichert, nehmen wir bereits gegen 8 Uhr Fahrt auf und setzen unserer Nordost-Kurs Richtung Virgin Gorda fort. Geplant ist ein 15-Meilen-Etmal vorbei an Ginger-Island, Round Rock und Fallen Jerusalem zu The Baths. In der zweiten Tageshälfte soll dann ein schöner Spot im Gorda Sound unsere heutige Ankerbucht werden.

Der Wind hat nachgelassen, sodass wir dank zehn Knoten Topspeed nach knapp einer Stunde vor den Felsformationen von The Baths eintreffen. Offensichtlich je-doch zu spät. Alle Moorings sind bereits belegt und das freie Ankern ist im ausgewiesenen Naturschutzgebiet untersagt. Nach einigen Warteschleifen wird eine Boje frei, die wir dankend von unserem Vormieter übernehmen.

The Baths bestehen im wesentlichen aus riesigen Granitbrocken, die – von Wind und Wellen geformt – kleine Bassins bilden, in denen sich das ohnehin schon 25 Grad warme Karibikwasser  nochmals deutlich erhitzt; daher der Name. Da man The Baths auch per Touristenbus oder Wassertaxi erreicht und sie offensichtlich zu den Must-Have-Seen-Objekten der meisten Karibik-Reiseführer gehören, sind sie entsprechend überlaufen und werden von uns nur für einen kurzen Fotostop besucht.

Vielversprechender scheint uns das endgültige Tagesziel, der Gorda Sound. Am nördlichen Ende von Virgin Gorda gelegen, bietet der Gorda Sound, umrandet von Riffen und kleineren Inseln, eine geschützte natürliche Ankerbucht. Obwohl der Sound über drei Zugänge erreichbar ist, sollten Charterskipper bei der Törnplanung unbedingt die nördliche Einfahrt rund ums Colquhoun Reef wählen. Nur hier sind Untiefen zuverlässig betonnt.

Wir passieren mit "Hull Nr. Six" gegen 12 Uhr die vorgelagerten Riffe und liegen etwa 15 Minuten später zwischen dem Bitter End Yacht Club und Saba Rock im östlichen Ende der Bucht. Per Dinghy geht’s zunächst nach Bitter End, welches seinen Namen der östlichsten geografischen Position der BVIs verdankt. Für Atlantiküberquerer markiert dieser Punkt das "bittere Ende", bevor es auf die Weiten des Ozeans hinausgeht.

Ausgestattet mit nahezu allem, was das Yachtie-Herz höher schlagen lässt, sind Bitter End und die angegliederten Häfen an Service und Originalität kaum zu toppen. Dicht nebeneinander liegend wechseln sich Shops, Bars und Restaurants im viktorianischen Stil ab. Kein Lärm, keine Autos, keine Menschenmassen stören das Bild der adretten Upper-Class-Community.

Glaubt man den Einheimischen, treffen sich hier im mondänen Bitter End Yacht Club Stars und Sternchen der amerikanischen Filmbranche zum entspannten Dinner, nachdem sie per Luxustender von ihren nahgelegenen Privatinseln oder Me-gayachten herüber "geshuttelt" wurden. Im Gegensatz dazu kehren wir in Crawls Pub ein und genießen den traumhaften Ausblick auf den Gorda Sound und jagende Pelikane bei einem saftigen 15-Dollar-Hamburger.

Übertroffen wird dieses Erlebnis, besser gesagt dieser Ort,  jedoch noch von Saba Rock. Als Mini-Insel liegt sie nur etwa 10-Dinghi-Minuten entfernt zwischen Bitter End und Prickly-Pear-Island. Saba Rock beherbergt eine kleine Marina, ein Hotel mit Restaurant und einige Shops, in denen es unter anderem eine erstaunliche Sammlung uralter Außenbordmotoren zu bewundern gibt. Saba Rock ist im wahrsten Sinne des Wortes surreal.

Wir konnten uns des Eindruckes nicht erwehren, uns in einer eigens für Yachties erbauten Filmkulisse zu bewegen. Jeden Moment erwartet man Humphrey Bogart, Indiana Jones oder Captain Jack Sparrow im Dinghi anladen zu sehen. Apropos Dinghi: Obwohl das Dinghy-Dock sicher Platz für mehr als 50 Boote bietet, ist es spätestens gegen 17 Uhr komplett belegt, was einige Zeitgenossen dazu bringt, statt eines Dinghis mit dem platzsparenden SUP (Stand up Paddeling) Board zum Abendessen zu erscheinen. Gemietet werden können Boards und Ausrüstung schon bei der Ankunft in der The Moorings-Charterbasis in Road Town.

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Tag 4: Pusser’s auf Marina Cay

Am Morgen des vierten Tages verlassen wir gegen 9 Uhr den Gorda Sound und laufen mit knapp 9 Knoten bei 2400 Umdrehungen auf Südwest-Kurs zurück in Richtung der BVI-Hauptinsel Tortola. Ziel ist Trellis Bay, unmittelbar am Flughafen gelegen. Den Törnführern entnehmen wir, dass man hier in diversen Läden und Su-permärkten seine Vorräte ergänzen kann.  Kehrseite der Medaille ist der Flugverkehr und die damit verbundene Lärmbelästigung. Wir bleiben nur kurz zum Einkaufen und verholen uns dann zur nordöstlich gelegenen Insel Marina Cay.

Auch dieses Eiland bietet eine Besonderheit: Eine alte rote Londoner Telefonzelle – direkt neben der Tankstelle auf der Pier. Hier startet auch die kostenlose Mini-Fähre zu den Läden in der Trellis-Bay, sodass wir uns den Shop-Stop auf eigenem Kiel hätten sparen können. Marina Cay verkörpert alles, was man von einer Karibik-Insel erwartet: Sonnenschirme aus Palmenwedeln, Strand, Riffe und glasklares Wasser laden zum Baden und Schnorcheln ein.

Im nahgelegenen Strandrestaurant mit seiner überaus freundlichen Bedienung lässt es sich vorzüglich essen und den Sundowner, üblicherweise einen Pusser’s Rum, nimmt man am höchsten Punkt der Insel in Robbs White House bei karibischer Live-Musik ein. Neben dem Restaurant und der Bar findet man an der Pier auch noch Shops, in denen es sich vorzüglich nach tollen Urlaubsmitbringseln und karibischem Schnickschnack stöbern lässt.

Tag 5: Love and Peace auf Jost van Dyke

Nächstes Etappenziel ist die nach dem niederländischen Freibeuter Jost van Dyke benannte westlichste Insel der British Virgin Islands. Unsere etwa 13 Seemeilen lange Route führt uns entlang der felsigen Nordküste Tortolas vorbei an der Vorzeige-Insel Sandy Cay. Feine Sandstrände laden hier zu einem Day-Stop ein, den wir aber zugunsten unseres Tagesziels – Sydneys Peace and Love Restaurant in Little Harbour – im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen.

Glaubt man den Reiseführern, geht das Peace and Love Restaurant auf eine Hippie-Kommune zurück, und angeblich wird jeder Neuankömmling in Little Harbour von Sydneys Tochter Strawberry bereits am  Steg begrüßt. Um so überraschter waren wir, als bei unserer Ankunft tatsächlich eine freundlich winkende karibische Dame auf uns zukommt, um unsere Bestellung für das bevorstehende Abendmahl entgegen zu nehmen. Dass es sich dabei tatsächlich um die legendäre Strawberry handelte, wird erst im weiteren Verlauf des Abends bei "Lobster all you can eat" für 40 Doller klar.

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Sydneys Restaurant zeichnet sich neben dem Essen durch eine urige karibische Atmosphäre aus, zu der es unter anderem gehört, dass sich die Gäste zu später Stunde selbst bedienen und ihren Getränkekonsum in einer Art Tresen-Logbuch festhalten. Abgerechnet wird dann erst zum Schluss, nicht aber, ohne sich per Filzstift oder Visitenkarte an den weiß getünchten Holzbalken des Gebäudes zu verewigen. So sollte auch heute noch ein BOOTE-Aufkleber einen der weißen Dachbalken in der Südecke des Restaurants zieren.

Tag 6: Foxy, der Painkiller und die Rückreise

Wenige Meilen westlich von Little Harbour erreichen wir Great Harbour. Aufgrund einiger Riffe am Ostufer sollte man sie möglichst mittig ansteuern. Die betonnte Fahrrinne am Westufer dient der Berufsschifffahrt. Wir nutzen das Dingi-Dock an Foxy’s Bar. Bar und Bucht sind ein Muss für BVI-Besucher. Der Grund: Great Harbour mit seinen feinen Sand-stränden, urigen Bars und skurilen Besuchern hat den Ruf das "Ibiza der BVIs" zu sein.

Im Klartext bedeutet das Parties am laufenden Band, bei denen der Painkiller, ein Longdrink bestehend aus Pusser’s Rum, Kokosmilch, O-Saft und Eis, eine große Rolle spielt. Erfunden wurde das BVI-Nationalgetränk übrigens in der Nachbarbucht White Bay in der Soggy Dollar Bar.  Obwohl auch diese Bucht sicherlich einen Übernachtungsstop wert ist, müssen wir gegen Mittag die 12 Seemeilen Rückfahrt nach Road Town, dem Heimathafen von "Hull Nr. Six", antreten. Vorbei an Great Thatch Island und Frenchmans Cay führt unsere Route entlang der Südküste Tortolas, bis wir an Backbord querab Road Town sichten.

Da das Charterboot im vollgetankten Zustand zu übergeben ist, bunkern wir an der, übrigens schlecht ausgeschilderten, Tankstelle im Inner Harbour und übergeben "Hull Nr. Six" an die Charterbasis.
Insgesamt haben wir für unseren sechstätigen Törn rund 170 Liter Diesel benötigt, was einem Verbrauch von rund 15 Litern pro Stunde und Kosten von etwa 220 Dollar entspricht.

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Ist die Karibik, und hier insbesondere die British Virgin Islands, ein Motorboot-Revier? Die Anwort ist ein klares Ja. Sowohl das Revier, die Infrastruktur, als auch die geringen navigatorischen Anforderungen sind ideal für einen ein- bis zweiwöchigen Urlaubstörn jenseits der bekannten europäischen Gewässer.

Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch, dass auch die Zuverlässigkeit mancher innerkaribischen Flugverbindungen, hier namentlich der örtlichen LIAT, jenseits europäischer Standards liegt. Flugausfälle oder Verspätungen sollte man am besten mit karibischer Gelassenheit und einem abschließendem Painkiller in der Airport-Lounge nehmen.
 

Torsten Moench am 10.03.2015