Rideau Canal Rideau Canal

Reise: Rideau Canal / Kanada

Oh, Rideau!

Christian Tiedt am 06.11.2018

Weltpremiere: Der historische Kanal im Osten Kanadas ist endlich Charterrevier. Hinein ins Herz der Provinz Ontario

Die Verkaufstische auf dem Wochenmarkt von Merrickville biegen sich unter der frischen Last praller Kürbisse. Heugarben schmücken das Schaufenster von Mrs. McGarringles Delikatessenladen. Und in der Tiefkühltruhe der herrschaftlichen "Baldachin Inn" an der Ecke von St. Lawrence und Main Street, gleich gegenüber der Drehbrücke, warten die tiefgefrorenen Truthähne schon schicksalsergeben auf Thanksgiving – das Erntedankfest.

Auch die Natur bereitet sich vor und wechselt in die warmen Farben des Herbstes. Ein einzelner Ahorn am Kanalufer hat bereits Feuer gefangen, Vorbote auf den Indian Summer, jene letzte warme Phase des Jahres, wenn sich die weiten Wälder hier in flammendes Rot hüllen. Nordamerikanischer geht es eigentlich kaum.

Dann treten wir durch die viktorianische Holztür des Pubs, den uns Liam von der Charterbasis empfohlen hatte: "The Goose and Gridiron" – und mit nur einem Schritt sind wir mitten in Old England.

Dunkle Täfelung an den Wänden, dicker Teppich auf den Dielen. Aus dem Zapfhahn fließen Ale und Stout und nebenan hinter der Bleiglastür spielt man Darts. Diesen harmonischen Mix aus alter und neuer Welt findet man so nur in einem Land: Kanada.

Die Geschichte dieses Törns beginnt am Vortag mit unserer Ankunft in Smiths Falls, einer Kleinstadt mit kaum neuntausend Einwohnern im äußersten Südosten der kanadischen Provinz Ontario. Als wir mit unserem am Flughafen von Montreal gemieteten Chevy Impala auf dem Highway 15 in den Ort kommen, wirkt er zunächst wie jeder andere in der Gegend auch: weiße Wohnhäuser, gestutztes Grün, Gemeindezentrum, Walmart.

Früher soll hier eine Schokoladenfabrik im großen Stil Pralinen produziert haben, doch diese süßen Zeiten sind dahingeschmolzen. Stattdessen gibt es jetzt eine bestens gedeihende Cannabis-Plantage und das Eisenbahnmuseum: Star der rollenden Sammlung ist ein mächtiges, rußschwarzes Ungetüm von einer Dampflokomotive, genauer: die "1112" von 1912. Dazu kommen ein Schneepflug auf Schienen und der "einzige erhaltene Zahnarztwaggon Nordamerikas".

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehört (vom Ortsnamen angedeutet) auch ein Wasserfall, der schon mehr mit der besonderen Bedeutung von Smiths Falls zu tun hat: Mitten durch die Stadt fließt nämlich der Rideau River – und damit der Rideau Canal.

Rideau Canal

Denn die felsige Kante, über die der Fluss hier schäumt, wird seit beinahe zweihundert Jahren von Schleusen umgangen. Dreiundzwanzig Staustufen sind es insgesamt im Verlauf der Wasserstraße, die aus militärischen Beweggründen angelegt, aber dann auf friedlichem Weg von Freizeitskippern erobert wurde. Ein Weltkulturerbe, seit vergangener Saison zudem jüngstes Charterrevier der Welt.

Die vollständige Reise lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 14.11.18 am Kiosk gibt – Abonnenten natürlich schon eher. Oder Sie laden sich das PDF weiter unten herunter. 

Christian Tiedt am 06.11.2018