St. Lucia und St. Vincent St. Lucia

Törn: St. Lucia und St. Vincent / Karibik

Windward Islands - Seite 2

Bodo Müller am 21.03.2019

Bei der Einfahrt kommt uns ein Schlauchboot entgegen und lotst uns zu einem freien Liegeplatz in der Capella Marina Marigot Bay. Es gibt Strom, Wasser, Diesel, Supermarkt, Bäckerei, Restaurants und mehrere Pools im dazugehörigen Resort. Die Anlage ist nicht nur schön, sondern auch sehr gepflegt und wird ringsum bewacht. www.marigotbay.com

Wir haben uns für diese Marina entschieden, weil wir das Boot hier für einen Tag verlassen können. Wer St. Lucia besucht, sollte seine Naturschönheiten nämlich nicht verpassen. Zwar wäre die Bucht von Soufrière weiter südlich ein besserer Ausgangsort für diese Erkundungstour, doch der Ankerplatz dort ist aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen.

Rundfahrten kann man aber auch in Marigot Bay in der Marina bestellen oder aber direkt mit den Einheimischen aushandeln, die mit Geländewagen und Kleinbussen am Hafen auf Kundschaft warten. Dauer, Ziele und Preis der Fahrt sind Verhandlungssache.

Über eine atemberaubende Küstenstraße erreichen wir nach 40 Minuten die Soufrière Bay mit ihren zwei Pitons – kegelförmigen Vulkanen, die die Wahrzeichen von St. Lucia sind. Von dort geht es zum Botanischen Garten und zu spektakulären Wasserfällen. Highlight ist der "Drive-in-Vulkan" Sulphur Springs mit seinen Schwefelquellen.

Überall raucht und blubbert es: Die Fumarolen – kochende Erdlöcher – zeugen von der Aktivität des Vulkans. In den Neunzigerjahren stürzte eine Führerin in einen dieser 170 Grad heißen "Pools". Wie durch ein Wunder überlebte die Frau – und ihr kochendes Erdloch heißt jetzt "Gabriel’s Hole". Die Sulphur Springs von Soufrière gehören inzwi-
schen zum Weltnaturerbe der UNESCO.

In der Zollstation der Marina klariert Skipperin Siegrun das Boot mit unserer kleinen Crew für den Törn in den benachbarten Inselstaat St. Vincent und die Grenadinen aus. Die Prozedur mit Formularen, Durchschlägen und Stempeln dauert eine halbe Stunde. Am Ende, als wir wieder an Bord gehen und die Leinen losmachen, interessiert sich jedoch niemand dafür, wie viele Personen und welche Waren tatsächlich auf dem Boot sind.

Nach dem Ausklarieren darf man sich noch 24 Stunden in den Hoheitsgewässern aufhalten – ohne jedoch an Land gehen zu dürfen. Wir fahren entspannt an der Westküste von St. Lucia nach Süden, sehen Soufrière und die Pitons jetzt aus einer völlig anderen Perspektive und lassen die Insel schließlich im Kielwasser zurück.

Auf der 23 Seemeilen weiten, offenen Seestrecke nach St. Vincent bekommen wir die ungebremste Kraft des Atlantiks als Breitseite von Backbord zu spüren. Der Passat schickt uns sechs Beaufort. Wo der Ozean auf das Karibische Meer trifft, ist die See aufgewühlt. Der Powercat rollt ordentlich in den zwei Meter hohen Wellen, bleibt aber treu auf Kurs.

Nach zweieinhalb Stunden haben wir St. Vincent an Backbord und die See beruhigt sich schnell. Der Nordteil der Insel ist weitgehend unbesiedelt. Selten sieht man ein Hausdach aus der tropischen Bergwelt ragen. Nur Wasserfälle schimmern silbern glänzend in den Bergen.

Die Wallilabou Bay an der Westküste erreichen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit. Dort müssen wir einklarieren. Unser Basisleiter hatte uns – ohne den Grund zu nennen – jedoch dringlich davor gewarnt, dort auch zu übernachten. Die Warnung hat nichts mit historischen Piraten oder mit dem Film "Pirates of the Caribbean" zu tun, der hier gedreht wurde, sondern mit einem sehr realen, tragischen Ereignis: dem tödlichen Überfall auf eine Segelyacht, der sich 2016 hier ereignete.

Seite 2 / 5
Bodo Müller am 21.03.2019
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren