St. Lucia und St. Vincent St. Lucia

Törn: St. Lucia und St. Vincent / Karibik

Windward Islands - Seite 3

Bodo Müller am 21.03.2019

Wie aber einklarieren, wenn man die Bucht besser nicht auf eigenem Kiel anlaufen sollte? Wir steuern um die nächste Felsnase und fahren in die anschließende Keartons Bay. Dort liegt der Trans-Ocean-Stützpunkt "Rock-Side Café", der uns vom Vercharterer als sicher empfohlen wurde. Ich rufe über Kanal 68. Eine Männerstimme antwortet auf Deutsch mit kreolischem Einschlag: "Ich habe euch schon gesehen. Ich bin Orlando".

Mit seiner Hilfe legen wir uns an eine Boje und fahren auf sein Anraten hin mit dem Dingi zum Einklarieren nach Wallilabou. Schnell, um noch vor Nachteinbruch zurück zu sein. Auf einem heruntergekommenen Steg steht das Schild: "Port of Entry". Über dem Schild weht eine Totenkopf-Flagge.

Und am Ufer grüßt ein Galgen, dessen Schlinge freundlich im Abendwind baumelt. Vorsichtig um uns schauend gehen wir an Land. An ein desolates Gebäude in altem Kolonialstil sind einladend offene Särge gelehnt. Nebenan ist das Customs Office. Auf dem Schild steht: "Open 4 to 6 pm". Kurz vor Feierabend betritt unsere Skipperin das Büro.

Zwischen Galgen und offenen Särgen wartend wird es allmählich dunkel, während sich der Beamte in eine Überstunde hineinstempelt und immer wieder betont, was er alles für uns macht. Schließlich schiebt ihm unsere Skipperin aus tiefer Dankbarkeit einen 20-Dollar-Schein hinüber.

Schlagartig ist alle Bürokratie erledigt. Der Uniformierte lächelt und erklärt, dass hier die Filmkulisse von "Pirates of the Caribbean" steht. Johnny Depp sei sein persönlicher Freund. Mit Blick auf die hereinbrechende Nacht rät uns der jetzt so freundliche Beamte, dass wir besser verschwinden sollten: "The spirit of Jack Sparrow is floating over the bay".

Ohne dem Geist von Jack Sparrow zu begegnen, fahren wir in stockfinsterer Nacht um die Felsnase zurück in die Keartons Bay. Dort haben Orlando und seine deutsche Frau Rosi direkt am Meer einen Tisch für uns eingedeckt. Die Beiden kennen sich seit 1991. Ihr "Rock-Side Café" haben sie 2003 eröffnet. Als Stützpunktleiter vom Trans Ocean e.V. helfen sie Weltumseglern und Chartercrews bei Problemen aller Art. www.trans-ocean.org

Orlando zeigt stolz sein Grundstück am Meer, wo reife Avocados und Mangos am Baum hängen. Im Gemüsegarten gedeihen Tomaten, Paprika, Möhren und Zucchini. "Alles wächst ohne Chemie," sagt er stolz. Wir genießen seine Fischsuppe, den frischen Salat, die Filets von Mahi Mahi und die karibischen Drinks mit Blick auf die nächtliche Ankerbucht. Bei Rosi und Orlando fühlen wir uns gut aufgehoben.

Nächstes Törnziel auf dem Weg nach Süden zu den Tobago Cays ist die Admirality Bay auf der Insel Bequia. Mittags runden wir die berüchtigte Untiefe "Devil’s Table" und steuern in die Admirality Bay. Mindestens 60 Yachten ankern hier oder liegen an Bojen. Dazwischen verkehren Serviceboote in verschiedenen Größen, die Trinkwasser, Diesel oder Eis verkaufen. Andere dienen als schwimmende Waschsalons oder liefern Obst, Gemüse und Brot. Wieder andere verdienen ihr Geld als Wassertaxi.

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Bodo Müller am 21.03.2019
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