Inferno im ParadiesFoto: Bodo Müller

Seewetter Inferno im Paradies

 

26.9.2011, Lesezeit: 3 Minuten

Unachtsamkeit verursachte ein Großfeuer auf der Insel Brac. Die Feuerwalze verschlang Kiefernwälder und Olivenhaine. War eine Bootscrew Schuld?

  Der Schirokko wühlt das Meer auf und treibt die Flammen über die InselFoto: Bodo Müller
Der Schirokko wühlt das Meer auf und treibt die Flammen über die Insel
  Der Schirokko wühlt das Meer auf und treibt die Flammen über die InselFoto: Bodo Müller
Der Schirokko wühlt das Meer auf und treibt die Flammen über die Insel

Der 13. Juli 2011 in der Ankerbucht Blaca im Süden der Insel Brać: Acht Boote schwojen auf türkisfarbenem Wasser, die Crews schwimmen oder schnorcheln in der Bucht. Die steilen Berghänge über dem malerischen Ankerplatz sind bewaldet.

Das Thermometer zeigt 37 Grad im Schatten – im Laufe des Tages wird die drückende Hitze noch verstärkt durch einen warmen Schirokko, der aus Süden weht. Seit Wochen ist kein Tropfen Regen gefallen, rings um die Bucht neigen sich knochentrockene Pinien zum Wasser hin und spenden etwas Schatten. Ein kleines, friedliches Paradies.

Am schmalen Kiesstrand der Ankerbucht entdecken wir eine frische Feuerstelle mit einem Haufen Holzkohle. Kann es sein, dass bei diesem Wetter jemand wagt zu grillen? Abends verlassen wir die Idylle, ausnahmsweise nicht mit dem Boot, sondern zu Fuß.

Der Pfad führt durch einen schmalen Canyon zu einer 500 Meter hohen Anhöhe, von wo eine Straße ins Innere der Insel führt. Auf den letzten, schweißtreibenden Metern des steilen Fußweges, umgeben von dichtem und trockenem Gestrüpp, diskutieren wir die Überlebenschancen, wenn in diesem Canyon ein Feuer ausbrechen sollte ...

Am 14. Juli trauen wir unseren Augen nicht: Von Bord der Fähre nach Hvar beobachten wir, wie an der Südküste der Insel Brać Rauchwolken aufsteigen. Ausgehend von der Bucht Blaca, wo wir noch vor wenigen Stunden waren, breitet sich ein gigantisches Feuer aus. Blitzschnell hat das Flammenmeer den gesamten Canyon erobert.
Der Schirokko hat die See aufgewühlt.

An Land bläst er die Flammen mit rasanter Geschwindigkeit nach Nordwesten in Richtung der Hafenstadt Milna. Trockene Kiefernwälder und Olivenhaine verwandeln sich in Sekunden in eine Feuerwalze. Binnen kürzester Zeit steht die gesamte Südwestküste von Brać in Flammen.

Die Bootscrews in der Uvala Blaca und den benachbarten Buchten fliehen mit ihren Booten von den Ankerplätzen. Minuten später sind fünf Löschflugzeuge vom Typ „Canadair“ am Einsatzort. Einige schaulustige Bootscrews halten sich weiter in Ufernähe auf, wo das Wasser glatt ist.

Die Löschflugzeuge können im Wellengang kein Wasser aufnehmen. Folglich müssen sie in dem schmalen Korridor ruhigen Wassers zwischen den Yachten und dem Ufer im Tiefflug aufsetzen, Wasser aufnehmen und wieder durchstarten. Für schaulustige Bootsfahrer ein spannendes Spektakel. Für die Piloten eine erhebliche Behinderung.

An Land bringen 400 Rettungskräfte Einwohner und Urlauber in Sicherheit und versuchen, das Feuer einzudämmen. Binnen weniger Stunden werden über 4000 Hektar Kiefernwälder und Olivenhaine vernichtet. Anhaltende Südwinde behindern die Löscharbeiten und führen zur weiteren Ausbreitung des Feuers.
Die Behörden warnen über Rundfunk, dass es bis zu zwei Wochen dauern kann, bis der Brand vollständig gelöscht sei. Verletzt wird eine Frau, als sie ihre Schafe zu retten versucht.

Ein (erhoffter) Wetterumschwung kommt den Rettern zu Hilfe. Am 15. Juli schwächt sich der Schirokko ab, der Wind dreht auf Nordwest. Der Maestral bläst das Feuer zurück in Richtung Südosten, wo bereits alles verbrannt ist. Mithilfe von weiteren Flugzeugen vom Typ „Air Tractor“ und Hubschraubern gelingt es den Rettern bis zum Abend des 16. Juli, die restlichen Flammenherde unter Kontrolle zu bringen.

Laut Berichten der lokalen Medien ging der größte Brand in der jüngsten Geschichte Kroatiens tatsächlich von der Ankerbucht Blaca aus. Angeblich hätten Touristen versucht, am Ufer einen Grill anzuwerfen. War es eine Bootscrew, die am Ufer grillen wollte? Oder waren es andere Urlauber, die auf dem Landweg in die Bucht gewandert waren? Diese Frage konnte nicht geklärt werden.