Technik: See-Wetter-Apps Deutschland und Europa - Alle Wetter

TechnikTechnik: See-Wetter-Apps Deutschland und Europa - Alle Wetter

Dieter Wanke  

24.12.2016, Lesezeit: 6 Minuten

Wetterberichte einzuholen, gehört auch im Urlaub zur Pflicht jedes Kapitäns. Wir haben uns im Internet umgesehen, was es für beliebte Urlaubsländer an Seewetterinformationen gibt.

Seewetterberichte gab es früher im Aushang beim Hafenmeister und im Radio, einige verwendeten auch Wetterfax oder NAVTEX-Empfänger, die ja immer noch als Informationsquelle dienen, aber längst nicht an Bord jeder Yacht verfügbar sind. Schon gar nicht beim Urlaub auf Charterbooten.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute dominieren bei Wetterinformationen Webseiten und Apps mit Daten aus dem Internet. Zwar gibt es da fast alles, aber man muss es finden. Wenn der Urlaub vor der Tür steht und man ins Ausland fahren möchte, fällt die Suche nicht immer leicht. Wetterseiten und Apps für Smartphones oder Tablets gibt es wie Sand am Meer.

Allerdings trennt sich hier schnell die Spreu vom Weizen, denn ein oberflächlicher Wetterbericht, wo nur die Sonne lacht, reicht für Freizeitkapitäne nicht aus. Wir brauchen mehr. Insbesondere für eine mehrtägige Törnplanung sollten Prognosen für die Entwicklung der nächsten Tage vorliegen. Und dabei ist nicht nur die Gesamtwetterlage oder die Windstärke von Interesse. Auch der Zustand des Gewässers spielt für die Planung eine große Rolle. Wie hoch ist der Seegang? Aus welcher Richtung kommt die Welle? Wie stark ist die Strömung? Spielen Tiden eine Rolle? Wie sieht die Entwicklung aus? All das sind entscheidende Fragen, insbesondere wenn man an der Küste unterwegs ist.

Foto: boote
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Da die Urlaubszeit vor der Tür steht, haben wir uns nach Informationsquellen mit Seewetterberichten für die wichtigsten Urlaubsländer umgesehen. Und gleich vorab: Einen Anspruch auf Vollständigkeit können wir nicht erfüllen. Es gibt sehr viel, und die Weiten des Internets sind nicht lückenlos zu durchdringen. Deshalb stellen wir hier eine Auswahl vor, die aber für fast alle Ansprüche genügen sollte.


Auswahl und Angebot

Grundsätzlich haben wir nur nach Webseiten oder Apps gesucht, die zumindest in einer kostenlosen Version gewisse Basisinformationen zur Verfügung stellen, die brauchbar sind. Ansehen konnten wir uns nur Produkte, die auf iOS laufen, da uns kein Android-Gerät zur Verfügung stand.

Die Gemeinsamkeiten der Angebote hören schnell auf, denn die Ansprüche aller Dienste sind doch recht unterschiedlich. Da es oft die nationalen Wetterbehörden sind, die Informationen auch kostenlos verfügbar machen, sind diese in der Auswahl auch stärker vertreten.

Kommerzielle Anbieter finanzieren ihre Angebote durch Werbung. Wer das nicht will oder wer Zusatzangebote regelmäßig nutzt, kann oft gegen eine geringe Gebühr werbefreie Versionen und Upgrades kaufen. Bei manchen Diensten sind nur einige Daten frei zugänglich und detaillierte Seewetterdaten oder Prognosen nur im Premium-Service gegen Aufpreis zu bekommen.

Es gibt also große Unterschiede in den gebotenen Leistungen. Dennoch fiel auf, dass alle wirklich wichtigen Informationen für viele Länder auch kostenlos verfügbar sind. Manchmal muss man dafür nur mehrere Apps oder Webseiten nutzen und gegebenenfalls etwas Werbung ertragen.

Foto: boote
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Dass insbesondere Seewetter-Informationen im Ausland in deutscher Sprache verfügbar sind, kann nicht erwartet werden. Ein Service in Englisch ist gelegentlich vorhanden, manchmal gibt es die Informationen aber nur in der Landessprache. Doch es gibt auch Überraschungen. Das Staatliche Meteorologische Amt der Türkischen Republik oder der Wetterdienst in Kroatien bieten auf ihrer Webseite sogar grundlegende Wetterinformationen in deutscher Sprache an, in Kroatien sogar ganze Seewetterberichte.

Was gibt es und was braucht man

Es gibt sehr viel, es kommt nur auf die Webseite oder App an und manchmal auf die Region. Einige bieten auch weltweite Wetterinformationen für Seefahrer an. Dazu gehören insbesondere der Windfinder, WEATHER365 mit der App Yachting Weather, oder Meteo Consult Marine.

Teilweise aber nur im buchbaren Bezahl- service. Windfinder funktioniert weltweit und weitgehend kostenlos. Manche Infor- mationen, wie die sehr detaillierte Prognose „Superforecast", gibt es aber nur auf der Webseite und nicht in der kostenlosen App.

In der werbefreien „Pro"-Version da- gegen schon. Empfehlenswert ist auch die App Yachting Weather, die ebenfalls weltweite Seewetterinformationen bietet. In der Bezahlversion noch wesentlich umfangreicher als in der freien App, die wie auch beim Windfinder werbefinanziert ist. Alle drei Apps sind als Grundausstattung empfehlenswert, die dann mit nationalen Lösungen noch verstärkt werden sollten.

Wer nach Spanien oder auch Portugal reist, wird beispielsweise mit El Tiempo perfekt versorgt. Zwar werbefi- nanziert, aber mit hervorragenden Wind und Wellenkarten, die per Schieberegler mehrtägige Prognosen animiert anzeigen. Besser kann man die Wetterentwicklung kaum darstellen.

Wer französische Küsten bereist, ist auf der Webseite von Meteo France gut aufgehoben. Hier gibt es Seewetterberichte für alle Küstenregionen, allerdings nur in französischer Sprache.

Italien wird von der Internetseite Euro Weather gut versorgt, die von der Zeitschrift „Nautica" betrieben wird. Kosten- lose Seewetter-Apps haben wir hier keine gefunden. Auch die Webseiten der kroatischen, griechischen und türkischen Wetterinstitute bieten Seewetterberichte.

Bei den Apps wird hier das Angebot meist dünner. Ähnlich sieht es für alle skandinavischen Länder aus. Auf den Webseiten ist die Versorgung mit Seewetterinformationen in Dänemark, Norwegen, Schweden oder Finnland durchweg gut.

Bei den Apps sieht es deutlich schlechter aus. Kein Seewetter bietet das belgische KMI. Magerkost auch in den Niederlanden. Mit Mühe findet man auf der Seite des KNMI (www.knmi.nl) eine knappe Seewetterprognose auch in englischer Sprache, aber keine Karten oder Apps. Zu wenig für die Tabelle.

Eine gute Grundversorgung mit Seewetterberichten in Textform für Nord- und Ostsee sowie das Mittelmeer und ei- nen Streckenbericht vom Englischen Kanal bis Gibraltar gibt es auch beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Seewetterkarte, Seegangskarten, Vorher- sagekarten, Wassertemperaturen und Stationsmeldungen können außerdem abgerufen werden. Individuelle Törnberatungen gibt es beim DWD gegen Gebühr.

Foto: boote
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Das sollte man wissen

Die Webseiten und Apps sollten vor dem Urlaub daheim getestet werden, denn vie- le sind alles andere als perfekt und es werden eventuell Ergänzungen, die zusätzliche Informationen bieten, benötigt. Oft ist die Menüführung kein Genuss und man muss sich einarbeiten, um das Gesuchte auch zu finden, das fängt nicht selten bei versteckten Spracheinstellungen an.

Manchmal muss man sich auch das Vokabular erst aneignen, wenn der Dienst nur in einer Fremdsprache verfügbar ist. Oft werden die Seewetterberichte auch hinter unübersichtlichen Menüs versteckt. Ohne etwas Erfahrung mit den Produkten geht das also kaum. Nicht jede Information der Hersteller ist auch zutreffend. So wollen manche Apps Sprachen unterstützen, die wir beim besten Willen nicht finden konnten.

Insbesondere bei Seewetterberichten ist aufgefallen, dass nicht immer alles auch in die Menüsprache übersetzt wurde, da gibt es Lücken.

Oft ist der gute Wille der Anbieter vorhanden, doch es hapert an der Umsetzung.

Aber die Wetterinformation ist ja trotzdem da und hilft bei der Törnplanung. Grundsätzlich sollten immer mehrere Quellen verwendet werden, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Grundlagen sind eine Wetterkarte und Prognosen für die Gesamtwetterlage. Unterstützend sollten Informationen zur lokalen Wetterentwicklung dazu kommen. So ist man immer gut vorbereitet.