Zubehör: Vergleichstest - Elektro-Hörner bis 150 EuroFoto: T. Moench / S. Stachelroth

TechnikZubehör: Vergleichstest - Elektro-Hörner bis 150 Euro

Torsten Moench  

22.12.2020, Lesezeit: 6 Minuten

Elektro-Hörner sind preiswert, schnell installiert und auf vielen Booten serienmäßig. Doch was taugen sie in der Praxis? Wir testen zehn Modelle in der Preisklasse bis 150 Euro

Ein sogenannter Schallsignalgeber, also ein Signalhorn, sollte auf jedem Boot vorhanden sein. Auf Seerevieren ist es sogar vorgeschrieben. Serienmäßig montieren die meisten Werften auf kleinen und mittleren Booten bis etwa 8 m Länge überwiegend Elektro-Hörner. Vorteil: Sie sind preiswert, klein und fast über-all problemlos zu installieren.

In der Praxis fallen E-Hörner jedoch häufig unangenehm auf: zu leise, schon nach wenigen Jahren defekt – so die gängigen Erfahrungen vieler Bootsleute. Dabei liegt es oft gar nicht am Gerät selbst, sondern an einer falschen Montage. Veranschaulicht man sich die Funktionsweise, ist schnell klar, dass Wasser, insbesondere Salzwasser, der natürliche Feind einer elektromagnetisch arbeitenden Hupe ist. Kann es in das Horn eindringen, sind dessen Tage zwangsläufig gezählt.

Deshalb: Bei der Montage sollte man penibel darauf achten, dass weder Regen- noch Spritz­wasser durch den Schalltrichter ins Innere des Horns eindringen kann, beispielsweise durch eine leicht nach unten geneigte Ausrichtung des Schalltrichters. Ist das gewährleistet, hält auch eine Elektro-Hupe viele Jahre.

Noch mehr Informationen? Den Zubehör-Vergleichstest für Elektro-Hörner bis 150 Euro mit technischen Daten, Messergebnissen und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 01/2020 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Zur Funktion

Elektro-Hörner arbeiten nach dem Prinzip des "Wagnerschen Hammers". Im Klartext: Durch die angelegte elektrische Spannung wird ein federbelasteter Metallzylinder – der Hammer, an dem auch die Schallmembran befestigt ist – magnetisch angezogen. Ein parallel dazu montierter Unterbrecherkontakt stoppt den Stromfluss nach kürzester Zeit wieder, sodass der Hammer durch die Feder wieder in seine Ausgangsposition gedrückt wird.

Dieser sich ständig wiederholende Vorgang erzeugt eine Schwingung, die von der Schallmembran an die Luft abgegeben und von außen als Hupton wahrgenommen wird. Kombiniert man die einfache Schallmembran noch mit einem Lufttrichter, wird der Grundton (meist niedrigere Frequenz) verstärkt, und das Horn klingt tiefer und damit fülliger. Fachleute nennen diese Anordnung dann "Elektrofanfare". Mit Ausnahme der Marinco Mini (einfache Metallmembrane) arbeiten alle hier getesteten Modelle nach dem beschriebenen Fanfaren-Prinzip.

Zurück zum Test. Um die Unterschiede, insbesondere beim erzeugten Schalldruck der verschiedenen Modelle herauszu­arbeiten, ließen wir zehn unterschiedliche Elektro-Hörner aus dem Zu­be­hör­han­del unter Praxisbedingungen gegen­einander antreten. Namentlich waren das Marinco Mini, Allpa E-Fanfare, Marco Shark SK 1, Marco MT 2, Marco TCE Mini, Marco DUK, Marco EM 2, Marinco Compact, Seaworld und Marco EM 1/2. Wichtig zu wissen ist, dass das hier als Allpa E-Fanfare getestete Horn identisch mit den Marco-Hörnern MT 2 ist. Gleiches gilt für das Marco EM 2, welches sich als Teil der Doppelfanfare auch beim Marco EM 1 /2 wiederfindet.

Die Abmessungen

Im ersten Testteil ging es um die Ab­messungen und Montagemöglichkeiten. Hier punkten insbesondere die kleineren Modelle Marinco Mini, Allpa E-Fanfare, Marco Shark sowie Marco MT 2 mit Maßen von maximal 12 x 10 cm. Alle genannten Hörner sind so kompakt, dass sie auf nahezu jedem Boot problemlos untergebracht werden können.

  Elektro-Hörner im TestFoto: T. Moench / S. Stachelroth
Elektro-Hörner im Test
  Elektro-Hörner im TestFoto: T. Moench / S. Stachelroth
Elektro-Hörner im Test

Etwas mehr Montageplatz benötigen Marco TCE Mini und Marco DUK. Die Trichter sind rund 25 cm lang, dennoch aber selbst auf kleineren Booten wohl noch gut zu montieren. Mit 46 cm Trichterlänge ist das Doppelhorn Marco EM 1/2 das größte Modell in diesem Testfeld und erfordert deutlich mehr Platz an Bord.

Der Schalldruck

Zur Messung des Schalldrucks entschieden wir uns für zwei Varianten. Erstens in einem Meter Entfernung, was der Herstellerangabe entspricht. Und zweitens maßen wir den Schalldruck noch in rund 25 Meter Entfernung, um einen Eindruck für die Praxistauglichkeit der Hörner zu bekommen. Als Spannungsversorgung nutzten wir dabei eine herkömmliche 12-V-Bordnetz-Batterie mit einer Kabellänge von etwa einem Meter – also optimale Be­dingungen, die an Bord nur selten umzusetzen sind.

In einem Meter Entfernung erreichte das Marco-MT-2-Doppelhorn mit 117 db(A) den besten, weil lautesten, Wert. Mit rund 4 db weniger folgten Marinco Compact (113 db(A)), Marco EM 2 (112 db(A)) und Allpa E-Fanfare 112 db(A)). Ebenfalls gut waren: Marco TCE Mini (110 db(A)), Marco DUK (106 db(A)) und das Doppelhorn Marco EM 1/2 (105 db(A)). Am schlechtesten schnitten bei einem Meter Entfernung das Seaworld-Horn (92 db(A)) und das Marinco Mini (96 db(A)) ab. Beim Seaworld-Horn kommt dazu, dass es teilweise Aussetzer gab.

Bei 25 Meter Messdistanz zeigte sich ein ähnliches Bild. Auch hier lag das Marco Doppelhorn MT 2 mit etwa 90 db(A) vor allen anderen. Es folgten wiederum die (baugleiche) Allpa-E-Einzelfanfare mit 87 db(A) sowie das Marinco Compact mit 86 db(A). Mit 65 db(A) beziehungsweise 68 db(A) waren das Seaworld-Horn und das Marinco Mini kaum noch als Signalgeber wahrnehmbar. Die Praxis zeigte, dass alle Werte unter 75 db(A) in 25 Meter Entfernung nahezu keine alarmierende Wirkung mehr hatten und in den normalen Umgebungsgeräuschen untergingen.

Der Grund: Der Schalldruck nimmt nach Verlassen des Schallgebers mit der Entfernung rasant ab. Theoretisch sinkt der Wert von beispielsweise 120 db in einem Meter Entfernung auf 96 db in 16 Meter Entfernung. Erhöht man die Messentfernung auf beispielsweise 100 Meter, bleibt vom ursprünglichen Wert kaum mehr als ein Prozent übrig.

Die Tonhöhe

In Sachen Frequenz, also Tonhöhe des Signals, scheiden sich die Geister. Während die einen unbedingt einen möglichst tiefen Ton vergleichbar dem eines Berufsschiff-Typhons (Nebelhorn) bevorzugen, setzen andere auf die durchdringende Wirkung eines höheren Tons. Unsere Messwerte zeigen, dass die tieferen Töne unserer Testhörner (kurz unter 1000 Hz) nicht unbedingt besser hörbar sind als hohe Töne.

Dieser Effekt kommt erst bei sehr tiefen Frequenzen (unter 200 Hz), wie sie beispielsweise in der Großschifffahrt eingesetzt werden, zum Tragen. Hier betragen die erzeugten Schalldrücke dann aber auch mehr als 140 db(A), was Reichweiten von bis zu drei Seemeilen ermöglicht.

Die tiefste Frequenz in unserem Test lieferte mit 800 Hz das Marco MT 2. Den höchsten Ton erzeugte mit 1700 Hz das Marinco Compact. Vergleicht man die Schalldrücke dieser beiden, sieht man, dass sie in 25 Meter Entfernung nahezu identisch sind. Alle anderen Test-Hörner lagen mit Werten zwischen 880 Hz und 1500 Hz irgendwo dazwischen.

Das Fazit

Testsieger in Sachen Schalldruck und Preis-Leistung ist ganz klar das Doppelhorn Marco MT 2, für unseren Test von AW Niemeyer zur Verfügung gestellt. Wer mehr auf die Optik eines echten Trichterhorns setzt, ist mit dem Marinco Compact oder dem Marco EM 2 gut bedient. Diese sind kaum leiser, kosten allerdings rund 40 Euro mehr.

Schlusslicht unseres Vergleichs ist das Marinco Mini, ebenfalls von AW Niemeyer. 96 db(A) maximaler Schalldruck in einem Meter Entfernung sind eindeutig zu wenig, da können auch die kompakten Maße und der Preis von knapp 30 Euro nichts mehr am Test-Ranking ändern.

Alles in allem lässt sich aber sagen, dass Elektro-Hörner besser als ihr Ruf sind. Die Testsieger dieses Vergleichs können sich durchaus mit Kompressor-Fanfaren messen, um die es im nächsten BOOTE-Heft gehen wird.