AMT 215PH AMT 215PH

AMT 215PH

Boot für alle Fälle

Johannes Erdmann, Julian Fietze am 16.07.2020

Kleine Boote mit Pilothouse haben immer entweder die Ausstrahlung eines Arbeitsboots oder die eines Sportfischers. Die finnische Werft AMT, weiß die Vorzüge der 215 PH geschickter zu beschreiben.

Kleine Boote mit Pilothouse haben immer entweder die Ausstrahlung eines Arbeitsboots oder die eines Sportfischers. Die finnische Werft AMT, die mittlerweile seit über 33 Jahren am Markt ist und über 30 000 Kleinboote ge­baut hat, weiß die Vorzüge der 215 PH je­doch geschickter zu beschreiben: "Ein Boot für alle, die vom ersten Tauwetter im Frühling bis zum Frost im Herbst auf dem Wasser sein wollen." Eine treffende Be­schreibung, denn die AMT 215 PH ist viel mehr als ein Angelboot: Sie ist ein Multitalent, das sich mit dem vielen Platz an und unter Deck sowohl für Familienaus­flüge als auch für kurze Wochenendtrips mit Übernachtung eignet.

Die kleine Ka­bine mit Doppelkoje im Bug und einer vollwertigen Bordtoilette darunter schafft zusammen mit einer kleinen Pantry den größtmöglichen Komfort, den man auf 21 Fuß erwarten kann. An kalten Tagen sorgt eine kleine, leistungsstarke Diesel­heizung von Webasto in wenigen Minuten für mollige Wärme in dem geräumigen und hellen Pilothouse. Auch hier ist die Erfahrung der Werft mit dem rauen skan­dinavischen Wetter im Detail zu erkennen – denn sogar an Ausströmer unter der Windschutzscheibe hat man gedacht, da­mit sie nicht beschlägt.Auch die Verarbeitung des Boots wirkt auf den ersten Blick skandinavisch-hochwer­tig. Das Finish in allen Teilen ist durchweg gut, der Topcoat und die Dichtungsnähte sind sauber verspritzt. Der Kunstlederbezug auf allen Sitzen und Polstern ist gut verarbeitet und durch farblich abgesetzte Nähte sehr erlesen. Einzig die Elektroinstallationen und Verkabelungen hinter den Einbauten fliegen an einigen Ecken etwas "lose" herum.Trotz der knappen Länge und Breite liegt die 215 PH schon beim Betreten fest wie eine Arbeitsplattform auf dem Wasser.

Und so wirkt sie auch – zumindest im hin­teren Teil. Pragmatisch. Sitze sind keine vorhanden, während der Fahrt ist hier kein Aufenthalt eingeplant. Vor Anker kann es hier mit Klappstühlen und -tisch jedoch bequem werden. Der Platz dafür wäre vorhanden, denn unter dem Fußboden befindet sich jede Menge Stauraum. Außerdem der Benzintank, der sauber installierte Fäkalientank samt Absaugpumpe und ein Fach für lange Angelruten, das bis unter das Führerhaus reicht. In den klei­nen Klappen zum Heck hin ist weiterer Stauraum vorhanden, und an Steuerbord ist ein kleiner Dieselkanister mit An­schluss untergebracht, der die Dieselheizung versorgt. Ansonsten ist der Hauptbrennstoff an Bord Benzin. Die gute Verarbeitung der Edelstahlteile fällt auch hier im Cockpit auf. Außerdem die gut dimensionierte und üppige Anzahl von Klampen. Vier Stück sind am Heck instal­liert – zwei außen und zwei innen neben dem Motor. Eine gute Lösung, denn damit lässt sich das Boot in schmalen Boxen viel besser mittig halten.

Das Vorschiff ist über die gut 20 Zenti­meter breiten Seitendecks mit stabilen Haltegriffen gut erreichbar und verfügtüber eine große (1,68 x 1,32 Meter) Liege­fläche, die bestimmt nicht als solche ge­dacht ist, aber auch zum Sonnenbaden genutzt werden kann. Einziges Manko hier: Mittig ist das Deck zwar rutschfest ausgeführt, an den Seiten leider nicht.

Die Schiebetür eröffnet einen breiten Eingang zum Führerhaus, das über mehr als ausreichend Stehhöhe (1,88 Meter) ver­fügt. An Backbord befindet sich eine Dop­pelsitzbank, davor Fahrer- und Beifahrer­sitz. Die Polsterung ist straff mit gutem Halt. Die Doppelkoje im Vorschiff verfügt über eine gute Sitzhöhe von 1,38 Metern und harte, aber angenehme Polsterung (neun Zentimeter). Unter dem Fahrersitz kann die Liegefläche durch Hochklappen der Fußplatte auf zwei Meter Länge ver­größert werden. Auf der linken Seite ist die Liegefläche mit 1,70 Metern etwas knapp bemessen, und auch die Edelstahlrohre sind auf beiden Seiten etwas im Weg.

Probefahrt

Die Steuerung drinnen ist griffig und di­rekt, die Schaltung bissig und mit dem Arm auf der Fensterschiene gut zu bedie­nen. Einzig der Trimmschalter sitzt etwas gewöhnungsbedürftig im Armaturenbrett, und es erfordert etwas Übung, ihn bei Welle mit dem ausgestrecktem Zeigefinger genau zu treffen. Der 100 PS starke Honda-Außenborder ist bei geschlossener Tür am Fahrersitz kaum zu hören. Wie praktisch, dass es einen zweiten Steuerstand draußen gibt, der das Ablegen und Schleusen sehr viel einfacher macht. Das kleine Steuerrad macht das Manövrieren durch einen Knauf zum Kinderspiel. Die Schaltung außen ist gegen die Schaltung innen verriegelt. Das Steuer hingegen nicht. Man kann also bei Marschfahrt ohne Probleme kurz nach draußen huschen, Leinen klarieren und wenn nötig eingreifen.

Bei langsamer Verdrängerfahrt ist der Einfluss von Gewichtsverlagerungen deutlich zu spüren. Bei höherer Drehzahl liegt das Boot jedoch vollkommen fest. Ab 2500 U/min läuft es ein wenig unruhig, es ist häufiges Korrigieren nötig, um den Kurs zu halten. Das ist mit dem Übertritt in die Gleitfahrt bei 2800 bis 3500 U/min vorbei. Die Sicht ist vom Hauptsteuer­stand beim Übergang sehr gut, am hinte­ren Steuerstand ist die Sicht nach vorn komplett durch den Aufbau verdeckt. Er eignet sich also eher für langsame Fahrt. Ab 4000 U/min läuft die AMT in guter und sparsamer Gleitfahrt.

Bei schneller Fahrt benötigt die 215 PH gut 50 Prozent Trimm, um ihr volles Poten- zial zu zeigen, und läuft dann bis 66 km/h schnell. Mit dem Motor ganz unten hingegen nur 48 km/h. Die Trimmklappen eignen sich gut, um ungleichmäßige Bela­dung oder Seitenwind (hoher Aufbau) auszugleichen. Zur besseren Beschleuni­gung sind sie aber nicht wirklich nötig. Bei schnellen und engen Kreisen sollte der Motor ganz unten sein, ansonsten zieht die Schraube schnell Luft, und der Motor geht in den Drehzahlbegrenzer. Ebenso bei rasanten Ausweichmanövern. Schnelle Wenden und Slaloms schafft das Boot hingegen auch mit Fahrtrimm ohne Probleme, wenn man es nicht übertreibt.Solange kein starker Seitenwind herrscht, ist das Manövrieren im Hafen mit der 215 PH eine wahre Freude, denn mit Wendekreisen von knapp über einer Bootslänge vorwärts und noch weniger rückwärts lässt es sich gut auf engstem Raum wenden.

 FAZIT

Die AMT 215 PH ist ein bequemes, sicheres und geräumiges Allroundboot, das trotz seiner Arbeitsboot-Optik schnell und wendig ist und auch für den Freizeitskipper eine Menge Möglichkeiten bietet.Die Ausstattung mit Doppelkoje, Bord-WC und kleiner Pantry macht es auch tauglich für Wochenendausflüge mit der ganzen Familie oder sogar über Nacht zu zweit.

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Johannes Erdmann, Julian Fietze am 16.07.2020
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