Atlantic Marine 630 Atlantic Marine 630

BooteTV: Atlantic Marine Sun Cruiser 630

Gute Kombi

Felix Wemheuer am 03.12.2019

Die Atlantic Marine Sun Cruiser 630 läuft bereits mit 100-PS-Außenborder ganz agil und sparsam - ist aber auch mit 200-PS zu haben

"So einen großen Motor benötige ich doch gar nicht für mein Boot, ich fahre doch nur auf den Gewässern rund um Berlin und auf dem Schweriner See oder auf der Müritz – hier darf ich doch sowieso nicht schnell fahren."

Aussagen, die Händler häufig zu hören bekommen. Auf die Nachfrage, ob man vielleicht doch hin und wieder auf der Ostsee unterwegs sein will, kommt häufig ein "Ja schon, aber ..." als Antwort. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Größe des Motors zumindest so zu wählen, dass Gleitfahrt ohne Quälerei möglich ist.

Fotostrecke: Atlantic Marine 630 Sun Cruiser

Aber was heißt das? Zumindest für unser Testboot, die Atlantic Marine 630 Sun Cruiser, haben wir eine passende Motorisierung gefunden: Mit Hondas BF 100 erreicht die etwa 1100 kg schwere Sun Cruiser immerhin noch fast 30 kn.
Das ist zwar nicht rasend schnell, reicht aber für die normalen Fahrten auf schnell fließenden Flüssen und küstennahen Gewässern völlig aus.

Die wirtschaftlichste Gleitfahrt liegt bei 4500 U/min mit knapp 20 kn, fast genauso sparsam ist man mit 23,5 kn unterwegs. Mit diesen Geschwindigkeiten kommt das Motor-Boot-Gespann immerhin 111 beziehungsweise 107 sm plus 15 % Reserve weit, was für diese Bootsklasse schon bemerkenswert ist.

Aber nicht nur der Speed ist wichtig, sondern auch der problemlose Übergang von Verdränger in Gleitfahrt. Denn fiele die Motorleistung zu gering aus, würde sich nur der Bug des Bootes anheben, nicht aber der Rumpf "über den Berg kommen". Die Folge: eine ineffektive Fahrweise. Damit hat unser Testgespann jedoch keine Probleme. Der Bug hebt sich zwar bei etwa 2200 U/min an, senkt sich bei knapp 4000 U/min jedoch selbstständig wieder ab.

In der Zwischenzeit vergehen nur maximal zwei bis drei Sekunden. Die Sicht im Sitzen bleibt dabei noch ausreichend erhalten, stehende Fahrer haben überhaupt keine Einschränkung.

Die Gleitfahrt überzeugt mit Kursstabilität, und Sprünge über Sportbootwellen absolviert die Sun Cruiser mit einem weichen Einsetzen des Rumpfes. Wer es mit dem Powertrimm allerdings übertreibt, bekommt das an einem wippenden Rumpf zu spüren.

Die Heckwelle fällt nicht übermäßig kräftig aus, sodass auch Wasserski-Einsteiger eine realistische Chance haben. Tube und Bobfahrer lassen sich mit dem Gespann ebenso gut hinterherschleppen.

Wer mit den Anhängseln in spaßvolle Kurve ziehen möchte, sollte vorher den Powertrimm auf down stellen, damit der Propeller nicht so schnell Luft zieht. Bei unserer Testrunde legt sich der Rumpf nicht übermäßig auf die Seite und dreht ohne Wippen oder Haken seine Runden bis der Propeller schließlich an der engsten Stelle auch mit Powertrimm down Luft zieht.

Dann muss man nur kurz Gas wegnehmen, die Lenkung auf Gerade stellen sowie den Hebel wieder nach vorn drücken, und die Fahrt geht sofort wieder los.

Bei Slalomfahrt zeigt sich die Lenkung von einer vorbildlichen Seite, denn sie arbeitet exakt und schön leichtgängig – so hat der Skipper das Boot immer bestens im Griff. Aber auch bei langsamer Fahrt im Hafen kommt keine Panik auf, dafür sorgen enge Wendekreise und ein direktes Umsteuerverhalten in Rückwärtsfahrt. Wer auf dem Kanal oder in Ufernähe unterwegs ist, sollte die 5,5 kn nicht über- schreiten, damit die Heckwelle möglichst klein bleibt. Dabei muss der Geradeauskurs nur ab und zu leicht korrigiert werden, gleiches gilt bei Gewichtsverlagerungen.

Gefahren wird an einem übersichtlichen Fahrstand, der auf unserem Testboot mit zwei Motorinstrumenten und einem Kartenplotter (Extra) sowie Kompass (ebenfalls Aufpreis) bestückt ist. Alle lassen sich gut ablesen und auch die Tippschalter mit Leuchtkranz sind uneingeschränkt zu erreichen.

Die in alle Richtungen verstellbaren Sportsitze sind sportlich ausgeformt und geben guten Seitenhalt. Die Füße stellt man auf einen herausziehbaren Rohrbügel. Lenkung und Einhebelschaltung erreicht man gut. Nur der Abstand zwischen Hebel und Instrumententafel ist bei Vollgas zu gering, das will der deutsche Importeur Tony Pillipenko aber verbessern.

Beifahrer- und Fahrersitz lassen sich in die Cockpitsitzecke integrieren. Besonders praktisch zeigen sich hier die in die Seitenwände eingelassenen Klapptische, denn sie müssen nicht wie ein Mitteltisch mit Rohr irgendwo in einem Staukasten untergebracht werden. Einziger Wermutstropfen: Sie stehen auf der Zubehörliste. Das Bootsheck präsentiert sich mit einer geteilten Badeplattform und breiten Badeleiter sowie einem Handgriff. Um sich nach dem Bad kurz abzuspülen, muss man nur einen Duschkopf aus der Seitenwand ziehen.

Für einen Toilettenplatz ist ebenfalls gesorgt. Die Chemietoilette (Aufpreis) passt unter den Cockpitboden und lässt sich in den Kabinenfußraum ziehen. Wer jedoch die Kabine zum Schlafen nutzen möchte, deckt den Fußraum einfach mit Einlegepolstern ab und erhält eine große Doppelkoje. Mit einer guten Festigkeit bieten die Polster einen angenehmen Komfort.

Die Decke hat keine Verkleidung, sondern nur einen Schutzanstrich, der jedoch mit Farbsprenkeln versehen ist und damit freundlicher aussieht. Das wurde genauso einwandfrei erledigt wie die restlichen Kunststoffverarbeitungen und versiegelten Lukenausschnitte.

Öffnet man die Heckbank, findet man darunter eine ordentliche Verkabelung und die 90-Ah-Batterie fest in einem Kunststoffkasten verzurrt. Der dazugehörige Hauptschalter sitzt unter dem offenen Stauraum an Steuerbord. Wer die Sicherungen sucht, findet sie unter dem Fahr- stand, der wiederum über eine knöpfbare Abdeckung von der Kabine aus einfach zugänglich ist.

Auch hier leisteten die Bootsbauer gute Arbeit und verlegten die Leitungen fest sowie übersichtlich. Pluspunkte gibt es weiterhin für den Kraftstoffabsperrhahn und Spritfilter sowie die Sicherung der Spritleitungen mit zwei Schraubschellen.

Für die Bewegungssicherheit sind rutschfeste Bodenstrukturen und solide Handgriffe sowie -läufe zuständig. Wer bei Seegang auf das Vordeck muss, geht am besten auf allen vieren und hält sich dabei an der Reling fest. Das Boot wird an soliden Klampen festgemacht. Fender kommen an die Reling und Handläufe. Eine Persenning kostet Aufpreis, dafür spendiert die Werft die Navigationsbeleuchtung mit Steuerradzulassung serienmäßig.

FAZIT

Die Atlantic Marine 630 Sun Cruiser ist ein Schlupfkabinenboot für Bade-, Entdeckungs- und Spaßtouren, auf denen man auch mal Übernachten kann. Gute Noten bekommt sie für die Verarbeitung und Installationen. Mit dem 100-PS-Honda zeigt sie sichere und gutmütige Fahreigenschaften. Wer es eine Nummer sportlicher möchte, findet bei etwa 150 PS seine ideale Motorisierung.

Diesen Artikel finden Sie in der Januar-Ausgabe 2019 von BOOTE. Hier erhältlich!
 

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Felix Wemheuer am 03.12.2019