Fairline 33 Fairline 33

Fairline F-Line 33

Speed and Fun

Dieter Wanke, Julian Fietze am 28.04.2020

Mit dem neuen Einstiegsmodell setzt die britische Traditionswerft auf Sportlichkeit. Damit soll auch Einsteigern ein attraktives Angebot gemacht werden.

Fairline gibt seit dem Neustart der Werft vor rund vier Jahren Gas und weitet die Produktpalette kontinuierlich aus. Mit der neuen F-Line 33 gelang ein ganz besonderer Hingucker, der auf dem Salon in Cannes 2019 erstmals dem Publi­kum präsentiert wurde und so die bisher bei 45 Fuß beginnende Palette nach unten abrundet. Damit soll auch Einsteigern ein attraktives Angebot gemacht und bei Be­darf ein Aufstieg mit Markenbindung er­möglicht werden. Mit Alberto Mancini hat die Werft schon seit der Wiederbelebung einen Designer verpflichtet, der eine si­chere Hand für flotte Linien hat und gute Ideen in die Neuentwicklungen einbringt. Beim neuen Einsteiger ist auf den ersten Blick klar, dass damit eine sportliche und an moderner Linienführung orientierte Zielgruppe angesprochen werden soll.

 Klar ist auch, dass der Neuling nicht das einzige Modell in diesem Segment bleiben wird. "Da ist Raum für mehr", erklärt uns Miles Moorhouse, zuständig für das Mar­keting von Fairline, schon während unserer Testfahrten mit der Baunummer eins. Ein erstes Resultat der Bemühungen stand dann in Form einer Außenborder-Version der F-Line 33 bereits im Januar in Düsseldorf.

Rundgang

Auf eine gute Idee treffen wir schon beim Betreten des Sportgeräts: die große Bade­plattform. Ein raffiniertes Bauteil, das aus der nach unten geklappten hinteren Bord­wand besteht. Das ist zwar keine neue Er­findung, weil bei Segelyachten längst be­kannt, aber bei Motorbooten selten. Die Betätigung erfolgt manuell – optional auf Knopfdruck hydraulisch. Nicht so clever ist die abnehmbare Badeleiter, denn die muss erst aus ihrem Stauraum geholt und montiert werden. Wer das vergisst, bevor er ins Wasser springt, hat ein Problem, denn ohne Leiter oder Notstufe ist es meist kaum möglich, wieder an Bord zu klet­tern. Im Cockpit folgt eine Sitzgruppe aus zwei gegenüber platzierten, mittig ange­ordneten Polstersofas, die durch einen da­zwischen befindlichen Tisch komplettiert werden. Der ist auf Wunsch elektrisch ab­senkbar, was die Wandlung in eine Son­nenliege ermöglicht. Durchgänge nach vorn gibt es an beiden Seiten. Vor der Sitz­gruppe ist eine Wetbar montiert. Das Spül- becken und ein Kühlschrank bilden die Serienausstattung. Ein zweiflammiges Elektrokochfeld und ein Gefrierschrank sind kombinierbar mit einem Generator oder einem Inverter, der von Lithium-Ak­kus gespeist wird. Vor der Versorgungs­einheit befindet sich eine Polstersitzbank für den Rudergänger und einen Beifahrer. An dem von uns gefahrenen Erstlingswerk passte allerdings die Ergonomie in Form von Sitzhöhe und Verstellbarkeit noch nicht. Die Werft arbeitet an einer Verbes­serung. Der Steuerstand ist in der Grund­ausstattung mit Motorinstrumenten samt Multifunktionsanzeigen sowie einem Kompass bestückt. Auch Trimmklappen gehören zum Standard. Die im Testboot montierte Joystick-Steuerung oder das große Multifunktionsdisplay sind Optio­nen. Der Blick in Fahrtrichtung erfolgt durch eine recht niedrige Glas-Wind­schutzscheibe, die nur wenig Schutz bietet. Scheibenwischer sind nicht im Angebot. Der Spaßbringer ist also auf coole Optik bei Sonnenschein optimiert. Durch die hohen Bordwände ist die Crew im Cockpit zwar sicher unterwegs, allerdings vermis­sen wir die Haltegriffe. Um auf das Vor­deck zu gelangen, mussten sich die Desig­ner etwas einfallen lassen. Dazu sind an beiden Seiten ebenso raffinierte wie auch konstruktiv komplexe Türen platziert, die mittels aufwendiger Edelstahlmechanik wie eine Schwingschiebetür im Bus aufge­klappt werden. Wer dann auf den schma­len Gangborden angekommen ist, hat al­lerdings ein Problem, denn eine Reling oder Handläufe gibt es zumindest in der Grundausstattung nicht. Hier wird die flotte Optik zum Sicherheitsrisiko. Inzwi­schen hat die Werft auf die geäußerte Kritik reagiert und bietet auf Wunsch eine flache Reling im vorderen Bereich an. Das gibt Sonnenanbetern auf den Vordeck­polstern bei Wellengang die Chance, sich festzuhalten.

Zurück im Cockpit, gilt es die Gemächer zu erforschen. Neben dem Steuerstand führt ein Niedergang in den Salon und sorgt für eine Überraschung. So viel Platz hätten wir bei der schnittigen Optik nicht erwartet. Im Salon gibt es fast 1,90 m Stehhöhe. Im Bug eine V-förmige Polstersitzgruppe, auf Wunsch in weitere Kojen wandelbar. Eine Tür trennt die Unterflurkabine mit einer Doppelkoje ab und sorgt für Privatsphäre. Außerdem gibt es eine Nasszelle mit Wasch­becken, Elektro-WC und Dusche. Genug, um ziemlich komfortabel zu übernachten.

Fahren, Manövrieren und Sicherheit

Mit zwei Volvo Penta V8-430 ist in der Proban­din das maximal Mögliche installiert. Mercrui­ser mit gleicher Leistung sind auch verfügbar. Weniger Leistungsorientierten werden Volvo Penta V6-240 und Freunden von Selbstzündern D3-220 angeboten. Die 860 Pferdestärken kata­pultieren das Boot ruck, zuck in Gleitfahrt, die bei etwa 2500 Touren beginnt. Eine akzeptable Reichweite von 186 sm kann mit dem 680-Li­ter-Tank unter Rückbehalt einer 15-prozentigen Reserve bei effizienten 3500 Umdrehungen und 24,5 kn erzielt werden. Bei der Spitzengeschwin­digkeit von 47 kn erreichen wir nicht ganz die Nenndrehzahl, was aber neben der etwas unru­higen See auch an einer noch nicht ganz optima­len Abstimmung gelegen haben mag. Dass hier eventuell nachgebessert werden kann, zeigen auch die bei über 4000 U/min luftschnappenden Propeller bei intensiver Kurvenfahrt. Bei 3500 Touren ließen sich saubere Vollkreise mit vier Bootslängen Durchmesser fahren, die von ei­nem beachtlichen Neigungswinkel gekenn­zeichnet sind. Dennoch war die Fahrt stets im gutmütigen Bereich, auch beim Verreißen des Ruders. Der Fahrspaß war mit den Testmotoren auch dank der spritzigen Beschleunigung klar in der oberen Region. Das Eintauchen in Wellen lag im komfortablen Bereich. Die Sicherheit wird dank elektrischer und manueller Bilge­pumpen, kompletter Feuerlöschtechnik und ei­nem Notausstiegsluk gewährleistet, die Konstruktion der Badeleiter, die fehlenden Haltegrif­fe samt nur optionaler Bugreling sind allerdings Wermutstropfen. Die Verarbeitung und Monta­ge aller Komponenten war auf hohem Niveau und mängelfrei.

FAZIT

Die Fairline F-Line 33 ist ein optisch hervorstechen­des Boot, das mit der Testmotorisierung ein hohes Potenzial an Fahrspaß bei guten Fahreigen­schaften mit Rauwassertauglichkeit bietet. Das moderne Konzept ist auf Spaß auf dem Wasser bei Sonnenschein mit wenig Wetterschutz ausgelegt. Die erfreulich geräumigen Innenräume bieten alles für gelegentliche Übernachtungen mit ordentlichem Wohnkomfort.

Diesen Artikel finden Sie in der Mai-Ausgabe 2020 von BOOTE. Hier erhältlich!
 

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Dieter Wanke, Julian Fietze am 28.04.2020