Ocean Bay 450 vs. Pegazus 450 Ocean Bay 450 vs. Pegazus 450

Ocean Bay 450 vs. Pegazus 450

Kleine Spaßmacher

Torsten Moench/Johannes Erdmann/Julian Fietze am 07.08.2020

Zwei Boote, ein Konzept – und doch haben beide Vertreter der 4,50-Meter-Klasse unterschiedliche Stärken

Wer als Einsteiger auf der Suche nach dem ersten, werftneuen Boot ist, der kommt womöglich gar nicht auf die Idee, sich im Baumarkt oder beim Bootsausrüster umzuschauen. Dabei haben sowohl Bauhaus als auch der Zubehörhändler A.W. Niemeyer Konsolenboote im Programm, die mit überschaubarer Größe, aber sportlicher Motorisierung vor allem eins machen: eine Menge Spaß! Grund, sie zu testen.

Der Spaß fängt schon bei der Anschaffung an, denn sowohl die OceanBay MM-450 als auch die Pegazus 450 sind mehr als erschwinglich: Ohne Motor, aber mit Steuerkonsole ist das AWN-Konsolenboot bereits ab 6990 Euro zu bekommen, für 1000 Euro Aufpreis sogar mit einer kleinen Schlupfkajüte. Das Bauhaus-Boot kostet in der Basisversion sogar nur 2990 Euro, mit optionalem Steuerstand 1150 Euro mehr. Ein reizvoller Start für Leute mit schmalem Budget, denn alle weiteren Ausbaustufen (Backskisten, Reling, Polster, Persenning, Biminitop etc.) sind später nachrüstbar. Den modularen Aufbau haben wir im Rahmen einer achtteiligen Serie bei boote TV auf YouTube begleitet.

Auch bei der Motorwahl hat der Neueigner bei beiden Booten viele Optionen, angefangen bei führerscheinfreien 15 PS bis hin zu sportlich-dynamischen 50 PS (Bauhaus) bzw. 60 PS (AWN), die das volle Potenzial des jeweiligen Boots entfalten. Die Boote sind etwa gleich lang, die OceanBay mit dem selbstlenzenden Cockpit liegt jedoch weit höher im Wasser und wirkt durch 24 Zentimeter mehr Breite auch deutlich voluminöser.

Ausstattung und Verarbeitung

Beide Boote überzeugen durch gute Fertigungsqualität. Auch schwer einsichtige Stellen sind vorbildlich mit Topcoat ausgespritzt. Bei der Pegazus sind sogar die gesägten GFK-Teile penibel geschliffen und gerundet. Die Installation der Steuerung und Elektrik der Pegazus geht auf die Kappe der BOOTE-Crew und kann deshalb nicht bewertet werden. Die Ocean­Bay wurde in der Werft komplettiert, und es gibt wenig auszusetzen. Höchstens in der Anordnung mancher Elemente: Das Schaltpaneel ist genau in Knie­höhe montiert, und man betätigt beim Fahren unweigerlich die Kippschalter. Durch die Sonderfarbe der Polster (280 Euro Aufpreis) und den synthetischen Teak­belag (695 Euro) wirkt die OceanBay etwas hochwertiger als die Pegazus. Die breite Sitzbank mit Rückenlehne ist auch deutlich bequemer als der Einzelsitz des Bauhaus-Boots. Dafür wiederum sind Steuerrad und Schaltung bei Letzterem griffiger.

Fahren und Manövrieren

Wer, wie wir, jeweils die Maximalmoto­risierung wählt, wird in Sachen Fahr­vergnügen nicht enttäuscht. Dank eines Leistungsgewichts von zwölf (Pegazus) und elf (OceanBay) Kilogramm pro PS (bei Testbeladung) beschleunigen beide Boote binnen fünf bzw. sieben (OceanBay) Sekunden aus dem Stand in Gleitfahrt. Dieselbe Zeitspanne später liegt die Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten an. Bei der OceanBay sollte dann allerdings spätestens nach 30 Seemeilen (plus 15 Prozent Reserve) Vollgasfahrt eine Tankstelle in Sicht kommen. Die Pegazus schafft es mit einer Tankfüllung ganze elf Seemeilen weiter. Die größte Reichweite haben beide Boote jedoch bei einer Drehzahl von 4000 (Pegazus) und 4500 U/min. Die Pegazus schafft es dann bei einer Fahrt von 17,5 Knoten 51 Seemeilen weit, die OceanBay mit zehn zusätzlichen PS und etwas schnellerer Fahrt von 21,7 Knoten immerhin 49 Seemeilen. 

Wegen des höheren Gewichts der OceanBay verfügen beide Boote über eine ähnliche Fahrleistung, sind jedoch im Fahrverhalten völlig unterschiedlich. Das liegt zum einen an der flacheren Rumpfform der Pegazus, zum anderen an der Sitzposition des Fahrers. Auf beiden Booten sitzt er zwar ganz im Heck – doch während er auf der Pegazus in der hintersten rechten Ecke des Cockpits neben dem Motor hockt und den Schwerpunkt sehr weit nach hinten bringt, hat der Fahrer bei der OceanBay den Motor und die ganze Badeplattform einen guten Meter hinter sich. Eine Distanz, die in Sachen Schwimmlage bei einem nur 4,5 Meter langen Boot eine Menge ausmacht. Außerdem wird der Motor dort mit 79,3 gegen­­über 85 dB bei Volllast als deutlich weniger störend empfunden.

Aufgrund der leichten Hecklastigkeit bei Alleinfahrt muss auf der Pegazus beim "Ampelstart" der Motor stets ans Heck getrimmt werden, weil sich ansonsten der Bug enorm aufbäumt und dem Fahrer die Sicht nimmt. Erst in guter Gleitfahrt ab etwa 20 Knoten kann er auf den Fahrtrimm angehoben werden. Bei der OceanBay MM-450 wird die Sicht mit oder ohne Trimm nicht beeinträchtigt. Ist gute Gleitfahrt ab etwa 3500 U/min erreicht, dann kann das Rad losgelassen werden, denn das Boot fährt mit ein wenig Trimm wunderbar kurs­stabil. Gedrosselt auf schnelle Verdrängerfahrt zwischen 1300 und 2500 U/min, wird das Fahrvergnügen durch starkes Vibrieren der Plexiglasscheibe gedämpft.

In rauem Wasser mutiert die Pegazus bei schnellen Wellendurchfahrten (ab etwa 24 Knoten) zum "Flugboot" und macht damit ihrem Namen (dem des geflügelten Pferds in der griechischen Mythologie) alle Ehre. Beim danach folgenden harten Einsetzen des Rumpfs bringen auch die fünf cm starken Sitzpolster der Wirbelsäule nur wenig Linderung. Die OceanBay durchfährt die Wellen hingegen deutlich kontrollierter und angenehmer. Ihre Gutmütigkeit beweist sie ebenfalls bei rasanten Manövern. Selbst im Fahrtrimm gelingen enge Wenden bis 4200 U/min, ohne dass der Propeller Luft zieht, den Sla­lom schafft sie bis 5000 U/min. Mit Trimm unten gelingen alle Manöver anstandslos. Die Pegazus durchfährt die Manöver deutlich sportlicher mit mehr Krängung und kommt nur bei sehr eng in Vollgas gefahrenen Steuerbord-Kurven an ihre Grenzen. Ansonsten ist das Handling des Boots als nahezu perfekt zu bezeichnen. Hafenmanöver gelingen mit beiden Booten dank sehr direkter Steuerung und engen Wendekreisen spielend.

Sicherheit

Die größte Zielgruppe der offenen Konsolenboote sind junge Familien, die kurze Ta­ges­tou­ren unternehmen. Deshalb ist das Thema Sicherheit wichtig. Nicht nur die, die durch die CE-Plakette ohnehin zertifiziert ist, sondern vor allem auch die gefühlte Sicherheit.

Beide Boote bieten dank hoher Seitenwände, effektiver Antirutschstruktur auf dem Cockpitboden und ausreichend Hal­te­grif­fen ein Gefühl von Geborgenheit. Auf geschützten Binnengewässern sind sie gleichermaßen voll fami­lientauglich. Der Fahrspaß ist auf der Pegazus ein wenig größer. Bei rauem Wasser kann es auf dem Boot allerdings auch mal ein wenig ruppig zugehen, und bei falschem Trimm oder Beladung hebt sich die Nase höher, als es ein Anfänger erwarten würde, und das erfordert schnelle Reak­tionen. Dann fühlt sich das Fahren an Bord der Ocean­Bay sowohl für den Einsteiger als auch für junge Familien vermutlich sicherer an, weil das Boot zwar ähnlich schnell, aber etwas gutmütiger ist.

Dieser Vergleichstest ist in BOOTE 08/2020 erschienen. Das Heft ist ab sofort am Kiosk erhältlich oder direkt beim Delius Klasing Verlag

Torsten Moench/Johannes Erdmann/Julian Fietze am 07.08.2020
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