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Test: Bayliner VR5 Cuddy

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Felix Wemheuer & Ralf Marquard am 04.04.2020

Mit der Außenborder-Variante möchte Bayliner auf Erfolgskurs gehen. Wir testen, wo der Außenborder den Innenborder übertrumpft

Wer glaubt, dieses Boot habe ich doch gerade erst in BOOTE gesehen, hat nicht ganz unrecht. Anfang letzten Jahres haben wir den Test der Schwester mit Innenborder veröffentlicht. Dass wir nun recht zeitnah die Außenborder-Version nachtesten, ist nur logisch, denn leistungsstarke Außenborder kommen immer mehr in Mode, und viele amerikanische Hersteller entwickeln ihre neuen Boote dementsprechend nur noch für die Außenborder-Montage.

Außerdem gibt es besonders für Boote zwischen 17 und 20 Fuß keine Benzin-Innenborder-Alternativen im Leistungsbereich unter 200 PS mehr. Exakt mit diesen 200 PS war unsere Testkandidatin in BOOTE 3/18 ausgerüstet. Ein V6-Benzin-Motor von MerCruiser brachte die VR5 auf Trab.

Unser jetziges Testboot kommt dagegen mit einem 150-PS-Außenborder, ebenfalls aus dem Hause Mercury, aus. Vergleicht man die Messwerte der beiden Testkandidaten, fallen folgende Unterschiede sofort ins Auge: Bei der Höchstgeschwindigkeit hat die Innenborder-Version mit etwa 1,5 kn die Nase vorn.

In wirtschaftlicher Fahrt ist das Außenborder-Modell knapp 2 kn schneller unterwegs und verbraucht vor allem nur 0,90 l/sm und nicht 1,11 l/sm wie das Innenborder-Boot. Daraus errechnet sich ein Reichweitenplus von über 20 sm bezogen auf den Tankinhalt von 132 l abzüglich 15 % Reserve. Bei Vollgas liegt der Unterschied um die 5 sm und in Verdrängerfahrt (etwa 5 kn) knapp unter 10 sm. Wie sieht es bei der Geräuschentwicklung aus?

Auch hier liegen die Messwerte des Außenborders immer unterhalb vom gekapselten Kollegen. Bei Vollgas sind das beispielsweise 6 dB/A und im Verdrängerbereich sogar bis zu 8 dB/A mehr. Wer also auf etwas mehr Höchstgeschwindigkeit verzichten kann, ist rein von den Messwerten mit dem Außenborder-Modell besser bedient.

Zu den subjektiven Fahreindrücken: Beim Manövrieren lässt sich das Testboot mit typischen Wendekreisen zwischen etwa 1 und 2 Bootslängen sowie einem etwas verzögerten (um 4 s) Umsteuerverhalten exakt fahren.

Auch in Verdrängerfahrt kommt keine Hektik auf, da der Rumpf spurtreu unterwegs ist. In der Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt fällt auf, dass die VR5 OB die Nase recht kräftig anhebt. Hat das Boot die Gleitfahrt erreicht, nimmt es mit zunehmender Geschwindigkeit die Nase immer weiter runter, und man muss dann (ab etwa 3500 U/min) den Powertrimm benutzen, um das Boot in die richtige Lage zu bringen. Dadurch fährt es einfach etwas "leichtfüßiger".

Hier ist jedoch Gefühl gefragt, denn wenn man das Powertrimm-Knöpfchen zu lange drückt, zieht der Propeller Luft.

In schnellen Kurven sollte der Powertrimm auf "down" stehen, damit auch in dieser Situation der Propeller nicht so schnell ventiliert. Weiterer Vorteil: Der Rumpf neigt so getrimmt weniger zum Wippen. Mit Fahrtrimm sind die Schaukelbewegungen spürbarer, aber immer noch erträglich und haltbar. Auf Slalomkursen und beim Verreißen der Lenkung schnappt der Propeller kurz mal Luft, wird dann aber sofort wieder kraftschlüssig.

Damit diese Manöver auch leicht zu handhaben sind, installiert die Werft eine Hydrauliksteuerung – die jedoch bei unserem Testboot etwas Spiel hatte, was vermutlich durch Luft in der Anlage verursacht wurde.

Wie bereits beim Test von meinem Kollegen Peter Lässig mit der Innenbord-Version auf dem Main bei Schweinfurt gab es auch bei uns nur Berufsschifferwellen für den Rauwassertest. Diese überspringt der Rumpf weich und trocken. Apropos Rumpf: Um die Fahreigenschaften noch zu optimieren, besitzt die VR5 OB ab Modelljahr 2019 ein geändertes Unterwasserteil im hinteren Bereich.

Bei den Sitzmöbeln kommen wieder die identischen Ausführungen wie beim Innenborder-Modell zum Einsatz. Der Fahrer hat einen Sportsitz, der guten Seitenhalt bietet. Der Rest der Fahrgemeinschaft nimmt auf einer variablen L-Sitzecke Platz. Unter der Hecksonnenliege, wo sonst der Motor steht, befindet sich auf unserem Testboot ein riesiger Stauraum.

Hier lassen sich beispielsweise Tubes, Bobes und Wakeboards verstauen, die auch Kindern und Jugendlichen den Spaß am Boot versüßen. Wer nur baden möchte, auch kein Problem, dafür installiert die Werft eine passende Leiter an der Badeplattform.

Diese erreicht man bequem über einen Heck­eingang mit Abdeckung und Antislipstruktur. Das Abbrausen mit Süßwasser nach einem Bad ist gegen Aufpreis möglich.

Der Ausdruck Cuddy steht für ein Boot mit Schlupf- oder auch, salopp bezeichnet, Kuschelkabine. Das heißt, zwei Personen können auf dem Boot übernachten. Ein wichtiges Zubehör, das auf unserem Boot steht, ist die Chemietoilette (von der Kabine aus in den Fußraum herausziehbar).

Diese Ausstattung ermöglicht entspannte Ausflüge und eine unkomplizierte Törnplanung. Möchte man diese Planung nicht nur für das Heimrevier durchführen, sondern auch in andere Gewässer wechseln, muss die Bayliner VR5 auf den Trailer. Hierfür empfiehlt Boote Pfister einen 2200-kg- oder 2500-kg-Trailer der 3990 bzw. 4190 € kostet. Wer sich um die Anhängelast seines Zugfahrzeuges keine Gedanken machen muss, dem empfehlen wir die größerer Ausführung. Denn dann kann man auch das gesamte Zubehör an Bord lassen und den Tank voll haben.

Ein gewichtiges Zubehör auf unserem Testboot ist die elektrische Ankerwinch mit Extrabatterie, Kette und Pflugscharanker (kosten zusammen 2190 € Aufpreis). Geht es um die Persenning oder Handlenzpumpe, muss man ebenfalls extra zahlen. Feuerlöscher und elektrische Bilgenpumpe spendiert die Werft dagegen serienmäßig.          


FAZIT

Bei den Messwerten wie Verbrauch und Lautstärke zeigt das Außenborder-Modell gute Performance. Bei der Nutzung schließe ich mich meinem Kollegen Peter Lässig  an: "Die VR5 Cuddy ist ideal für den kurzen Urlaub mit Trailer, kleinen Spritztouren und auch für Wassersportler."

Diesen Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe 2019 von BOOTE.

Felix Wemheuer & Ralf Marquard am 04.04.2020
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