Pardo 38 Pardo 38

Test: Daycruiser mit Außenborder

Pardo 38

Ralf Marquard, Julian Fietze am 07.10.2020

Super Figur: Mit seinem markanten Steven hält der italienische Gleiter auch auf dem Wasser, was seine attraktive Optik verspricht

Wer die Pardo 38 das erste Mal auf dem Wasser sieht, kommt wohl kaum um die Aussage "Das ist ein echter Hingucker" herum. Ihr Erscheinungsbild ist auf jeden Fall interessant. Gebaut wird sie in Italien bei Can­tiere del Pardo. Die Werft bezeichnet das Boot als Crossover zwischen exklusivem Luxury Tender und sportlichem Runabout. Und wozu ist es gedacht?

Die Werft: "Ein Badeausflug mit der Familie zum Lieblingsstrand, eine schnelle Runde über die Bucht oder ein Wochenend-Trip zu den Inseln mit einer oder vielleicht zwei Übernachtungen – das Ganze mit Komfort und Stil, aber spontan und ohne stundenlange Vorbereitung"

In Deutschland wird die Pardo von Diamond-Yachts in Laboe vertrieben. Da ist es nicht verwunderlich, dass unser Testrevier die Ostsee war. An unserem Testtag zeigte sich die See jedoch von einer ruhigen Seite, einzig die Großschifffahrt erzeugte Kabbelwasser. Mit diesen Wellen kommt die Pardo auf jeden Fall problemlos zurecht. Damit das sie möglichst gut liegt und auch Rollbewegungen gedämpft werden, sitzt auf unserem Testboot ein Zip-Wake-System, das mit senkrecht am Spiegel angebrachten Platten agiert. 

Noch mehr Informationen? Den Test der Pardo 38 mit allen technischen Daten, weiteren Messergebnissen und voller Beurteilung finden Sie in BOOTE-Ausgabe 9/2020 (hier erhältlich).

Das Gute daran: Man muss sich nicht um die Einstellung kümmern, denn die nimmt das vorjustierte System automatisch vor. Das heißt, in der Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt gibt man einfach nur Gas und überlässt den Rest der Automatik. Der Bug hebt sich natürlich an, aber die Sicht nach vorn bleibt immer erhalten. Kommt man in die Nähe von 3000 U/min, fahren die Trimmplatten auf null Prozent, und man benutzt ab hier etwas Powertrimm. Wir erreichten bei Vollgas fast 40 kn.

Langstreckenläufer reduzieren den Speed auf etwa 26,5 kn und kommen dann mit einer Tankladung etwa 270 sm plus 15 % Reserve weit – ein für diesen Boots­typ durchaus passender Wert. Langsam kommt man bei etwa 6 kn 600 sm weit, aber wer möchte mit diesem Boot schon lange Schleichfahrt machen?

Zu den schnellen Manövern: In Vollkreisen legt sich der Rumpf normal auf die Seite und zieht sicher seine Runden. Beim Verreißen der Lenkung setzt das Heck einmal spürbar, aber immer noch gut haltbar ein. Die Lenkung überzeugt hier mit Leichtigkeit und exaktem Steuerverhalten. Zum Manövrieren benötigt man das Ruder auf unserer Test-Pardo eigentlich gar nicht, denn sie ist mit einem Joystick-System (Extra) ausgerüstet, das die Hafen­manöver exakt und mit Leichtigkeit fahren lässt. Super dabei: Das sanfte Ein- und Auskuppeln der Volvo-Antriebe neuester Generation (siehe dazu auch BOOTE 9/19).

Bei allen Manövern sitzt der Fahrer auf einem fest gepolsterten Sportsitz, der ordentlich Seitenhalt bieten. Schaltung und Ruder erreicht er sowohl im Stehen als auch sitzend uneingeschränkt. Zwei Copiloten finden auf identischen Sportsitzen Platz. Zum Festhalten bieten sich ein Handlauf (seitlich den Fahrstand umlaufend) und ein Griff direkt am Fahrstand an. Die Füße stehen sicher auf einer Bank und dem Cockpitboden.

Klar, dass man auf solch einem durchgestylten Boot auch die modernste Anzeigetechnik findet. Gemeint sind drei Monitore, die sich bis auf wenige Spiegelungen gut ablesen lassen. Eine Analoganzeige gibt es jedoch auch: Der Kompass ist voll im Blickfeld des sitzenden Fahrers. Eine leicht getönte Windschutzscheibe schützt die Fahrgemeinschaft vor Wind und Wetter.

Der Rest der Crew nimmt auf der großen Sitzecke im Heck Platz, dort überzeugen nicht nur die bequemen Polster, sondern auch die Möglichkeit, die gesamte Sitzeinheit zu einer extravaganten Liegefläche wandeln zu können. Aber auch die Sonnenliege im Bug ist mit ihrer Größe und ihrem Komfort nicht zu verachten.

Außerdem befindet sich im Cockpit noch die Pantry, die mit Kühlschrank, Spüle und Zwei-Platten-Kocher ausgerüstet ist. Zusatzoptionen wie weitere Kühlmöglichkeiten oder ein Grill sind ebenfalls möglich. Badehungrige wandern über zwei Heck­eingänge (vorbildlich mit Türen ausgerüstet) auf die Badeplattform, die mit breiter Leiter (vom Wasser aus gut zu bedienen) und Heckdusche aufwartet.

Eine Nasszelle mit Waschbecken, Marine-WC und Dusche findet man in der Kabine an Stb, gegenüber Staumöglichkeiten und die elektrische Schaltzentrale. Im Bug steht eine Doppelkoje, die mit bequemen Polstern ausgerüstet ist. Manko: Auch wenn man das Boot nicht häufig für längere Reisen benutzt, eine Unterlüftung fehlt uns dennoch. Es gibt noch zwei weitere Kojen in dem nach vorn hin offenen Unterflurbereich. Wer diese Betten haben möchte, zahlt knapp 6800 Euro Aufpreis.

Den Motorraum erreicht man über den hochgeklappten Mittelsitz in der Cockpitsitzgruppe. Von dort geht es über eine Luke und Stufe in die "Muggibude". Mit einer Stehhöhe von 1,10 m (zwischen den Motoren) muss sich der Techniker bei einigen Servicearbeiten recht klein machen. Besonders gefallen haben uns Feuerlöschanlage, Dieselfilter mit E-Alarm, Kraftstoff-Absperrhähne und Standrohre als zusätzliche Tankanzeigen.

FAZIT:

Die Pardo 38 ist ein ausgewachsener Daycruiser mit viel Platz an Deck. Die Fahrgemeinschaft genießt reichlich Komfort und kann schöne Ausflüge unternehmen. Das Übernachten mit zwei und gegen Aufpreis auch mit vier Personen ist ebenfalls möglich. Zip-Wake und Joystick helfen, das Boot einfach zu fahren und zu manövrieren.

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Ralf Marquard, Julian Fietze am 07.10.2020
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