Invictus 250CX Invictus 250CX

TEST: Invictus 250 CX

Zeitlose Schönheit

Ralf Marquard am 21.04.2020

Invictus 250 CX, ein eleganter Daycruiser, mit dem man sportlich, aber zugleich sicher unterwegs ist und das nicht nur für Entdeckungs- und Badetouren taugt.

Vor etwa fünf Jahren tauchte die Bootsmarke Invictus zum ersten Mal auf den Messen auf. Seitdem haben der Konstrukteur Christian Grande und die Bootsbauer ordentlich Gas gegeben und insgesamt sechs Modellreihen entwickelt, die beginnen mit der kleinsten 190 FX und enden beim Flaggschiff Invictus 370 GT. Unser Testboot gehört zur CXBaureihe, die vier Modelle umfasst, zwei mit Außenborder und zwei mit Innenborder. Wir fahren das kleinere Innenbordermodell, die 250 CX.

Sie ist mit einem großzügigen Decksbereich und einer Kabine mit Doppelkoje und Vakuum­WC ausgestattet. Letzteres kostet Aufpreis und kann in zwei Varianten geordert werden: entweder in einer Kiste in der Kabine oder separat in einem Extraraum gleich neben dem Eingang an Steuerbord. Diese Variante ist zwar mit gut 3000 Euro etwa doppelt so teuer wie die einfache Kabinenversion, ist aber natürlich aus Gründen der Privatsphäre durchaus sinnvoll. Dieser Raum ist nicht riesig, doch für die 1,80 m große Person passabel. Es kann auch ein Waschbecken für den Schrank gegenüber am Niedergang geordert werden. Und in den lässt sich zusätzlich ein Kühlschrank (2100 Euro) integrieren.

Die Kojen haben eine feste Polsterung und sind, wie bei solchen Booten üblich, nicht unterlüftet. Luftzufuhr erhält die Kabine über seitliche Fenster und den Einstieg mit arretierbarer Schiebetür. Das Cockpit wartet mit einer bequemen Sitz-Liege-Einheit auf. Ein runder Tisch passt vor die Ecksitzbank, und die Fahrerbank lässt sich mithilfe der Klapplehne zu einer Couch wandeln. Über allem thront ein Bimini, das bei Nichtgebrauch praktisch – nach vorn geklappt – in einem Staufach verschwindet. Das größte Highlight für Sonnenanbeter findet man auf dem Vordeck, denn hierfür liefert die Werft serienmäßig ein riesiges Sonnenpolster. Nicht zu vergessen die Wasserratten und Wasserski- oder WakeboardSportler. Sie alle freuen sich über eine durchgängige Badeplattform mit langer Leiter, die mit einer Klappe abgedeckt wird. Beides lässt sich vom Wasser aus ausreichend einfach bedienen. Um sich nach dem Bad kurz abduschen zu können, installiert die Werft eine Heckdusche hinter einem Deckel an der Seitenwand zum Heckeingang. Auf der bereits erwähnten Doppelbank nehmen Fahrer und Beifahrer Platz, die Füße stellt der Skipper auf eine erhöhte Trittfläche am Fahrstand. Für den nötigen Halt des Beifahrers sorgen rutschtfester Cockpitboden und ein solider Handlauf um den Fahrstand herum. Das höhenverstellbare Lenkrad lässt sich in allen Fahrpostionen gut bedienen. Wer sitzend fährt, kann den Kurs kaum verfehlen, denn der Kompass liegt direkt im Blickfeld. Stehende Piloten schauen über die Scheibe und bekommen den frischen Fahrtwind schön mitten ins Gesicht gepustet.

Damit der auch ordentlich ausfällt, empfiehlt die Werft Innenborder ab 240 PS. Genau mit dieser Leistung brettern wir über den Bodensee, ein VolvoPenta-V6-240-C mit Duoprop sorgt für den nötigen Vorschub. In die richtige Lage bringt man das Boot mit Trimmklappen  und Powertrimm. Stellt man beides auf down, kommt das Testboot bei uneingeschränkter Voraussicht mühelos ins Gleiten. Schon ab 3500 U/min zeigt sich eine gute Gleitfahrt, die bei 4000 U/min ihren wirtschaftlichen Punkt erreicht.Mit einer Tankladung kommt die Fahrgemeinschaft dann 168 sm plus 15 % Reserve weit – nicht schlecht. Rein theoretisch kann man dann locker von Barcelona nach Palma fahren.

Zurück zu unserem Testrevier, dem Bodensee: Seine Wellen, erzeugt von Wind um die 4 Bft., steckt der Rumpf gut weg. In schnellen Kurven und auf Slalomkursen bleibt das Boot trotz Kabbelsee gut in der Spur, nur der Wind trägt dabei ab und zu eine leichte Spray auf die Windschutzscheibe. Im ruhigen Hafen überzeugen enge Wendekreise, und besonders an windigen Tagen hilft das aufpreispflichtige Bugstrahlruder, letzte Manöverkorrekturen schnell durchzuführen. Von Vorteil zeigt sich hierbei auch die leichtgängige und exakte elektronische Schaltung von Volvo Penta. Sie gibt ihre "Befehle" an einen V6-Benziner, der auf soliden Fundamenten steht. Überhaupt machen die Installationen mit fest und sauber verlegten Leitungen einen fachmännischen Eindruck. Besonders gut gefallen außerdem die Feuerlöschanlage, fernschaltbarer Benzinhahn, Spritfilter mit Ablassschraube, fest verzurrte Batterien und gut erreichbare Hauptschalter und Sicherungen (von der Kabine bzw. vom Toilettenraum aus zugänglich). Damit die Servicetechniker es möglichst einfach haben, stellen sie sich am besten in den Motorraum, den eine große Klappe (Heckliege) freigibt. Bei der Sicherheitsausrüstung fehlt uns die leistungsfähige Handlenzpumpe. Elektrische Pumpen gibt es dagegen genügend in der Bilge – das Cockpit lenzt sich selbst. Wer sicher vom Cockpit auf Vordeck möchte, tut dieses besser über Backbord, den hier fällt das Seitendeck spürbar breiter aus als an Steuerbord. Handlauf und Reling geben dabei den nötigen Halt.

Am Durchgang zur Badeplattform fehlt uns eine Hecktür. Zum Festmachen und vor allem für das Einmannschleusen suchten wir die Mittelklampe vergebens. Wer vor Anker liegen möchte, bestellt sich am besten das komplette Ankerpaket mit E-Winde, Kette und Anker für gut 2000 Euro. Wer auch bei Regenwetter unterwegs sein möchte, muss ebenfalls die Zubehörliste "bemühen", denn das Camperverdeck steht genauso auf der Liste wie die Ganzpersenning oder Hauben für Fahrstand, Fahrersitz und Heckbank; sowie Landanschluss Musikanlage und Plotter. Klar, ein passender Trailer muss auch noch her, denn das Gute bei dieser Bootsgröße ist die unbedenkliche Trailerbarkeit (2400 kg Bootsmasse und eine Bootsbreite von 2,50 m). Die ermöglicht dem Eigner mit entsprechendem Zugfahrzeug wie SUV und Co eine riesige Auswahl an ansteuerbaren Revieren. Ralf Marquard

FAZIT

Die Invictus 250 CX ist ein eleganter Daycruiser, mit dem man sportlich, aber zugleich auch sicher unterwegs ist. Sie taugt für entspannte Badetouren und Entdeckungsreisen, die mit einem WC an Bord auch ruhig länger ausfallen können. Wer nicht mehr unbedingt den Heimathafen anlaufen möchte, kann auch an Bord übernachten. Das Boot lässt sich noch problemlos trailern und ist damit sehr flexibel, was die Wahl der Reviere angeht.

Diesen Artikel finden Sie in der Mai-Ausgabe 2020 von BOOTE. Hier erhältlich!
 

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Ralf Marquard am 21.04.2020