„Draak“Oceanco verwandelt Charter- in Forschungsyacht

Sören Gehlhaus

 · 01.07.2026

Van Driel lieferte für „Draak“ einen Auslegerkran mit 12,6 Tonnen Tragkraft und elf Metern Reichweite und ein speziell entwickeltes C-Davit-System aus zwei Einheiten mit je 6,7 Tonnen Tragkraft.
Photo: Oceanco
Oceanco lieferte in Zwijndrecht mit „Draak“ eine Yacht ab, die dort 2014 als „Tranquility“ vom Stapel lief. Die 93 Meter fahren nun als eine Kreuzung aus Forschungsyacht und Explorer in Gabe Newells Inkfish-Flotte mit.

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Mit „Draak“ hat Oceanco eine nahezu neue Yacht auf Basis einer alten gebaut. Ein ähnliches Vorhaben stemmten die Niederländer bereits mit „H3“, die allerdings massiv verlängert wurde. Das neueste Projekt ist vielmehr eine Konversion, die der neue Oceanco-Eigentümer Gabe Newell für seine Flotte in Auftrag gab. Dazu zählen auch die zuvor gewasserte „Leviathan“ und zwei Forschungsschiffe im Bau. „Draak“ hieß zuvor „Equanimity“ und fuhr als erfolgreiches Charterformat, jetzt – um 1,40 Meter auf 92,90 Meter verlängert – wird es als eine Kreuzung aus Forschungsyacht und Explorer bezeichnet.

Umbau am ursprünglichen Bauplatz

„Draak“ gehört zur Inkfish-Flotte, einer Organisation, die Wissenschaftlern Zugang zu abgelegenen Meeresgebieten verschafft. Oceanco nutzte für den Umbau die Life Cycle Support-Abteilung, die sich auf Modernisierungen bestehender Yachten spezialisiert hat. Der Vorteil: Die Werft hatte Zugriff auf alle ursprünglichen Konstruktionsdaten und 3D-Zeichnungen. Mitarbeiter aus dem ursprünglichen Bauteam waren ebenfalls beteiligt. Die Yacht wurde mit Unterstützung von Y.CO als Begleitschiff ausgewählt, da sie sich gut für den Umbau zu einem Arbeitsschiff eignete.

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Tender und Kransysteme

Der Helikopterlandeplatz am Heck des Oberdecks wurde entfernt und durch ein Cargodeck für Beiboote ersetzt. Dazu wurde ein Auslegerkran von Van Driel mit 12,6 Tonnen Tragkraft und elf Metern Reichweite auf dem Oberdeck installiert. Auf dem Hauptdeck kam ein speziell entwickeltes C-Davit-System aus zwei Einheiten mit je 6,7 Tonnen Tragkraft zum Einsatz – das größte System, das Van Driel bisher gebaut hat. Die Kransysteme ermöglichen den sicheren Transport von drei Beibooten und weiterer Ausrüstung. Zusätzlich wurden modulare Halterungen installiert, die Container aufnehmen können.

Tauchzentrum und medizinische Ausstattung

Der frühere Beach Club mit Spa-Bereich wurde zu einem Tauchzentrum umgebaut. Es umfasst eine vollständige Tauchausrüstung, einen medizinischen Behandlungsraum und eine Überdruckkammer des Herstellers Hytech-Pommec. Der Einbau der Kammer stellte das Team vor besondere Herausforderungen, da nur wenige Millimeter Spielraum zur Verfügung standen. Die Einrichtung ermöglicht mehrtägige Tauchoperationen in abgelegenen Gebieten. Bei Tauchunfällen kann die Crew sofort reagieren und Taucher in der Druckkammer behandeln. Diese Ausstattung ist für wissenschaftliche Expeditionen in entlegenen Meeresgebieten wichtig, wo externe Hilfe oft Tage entfernt ist.

Gemeinschaftsräume statt Luxuskabinen

Die Innenräume wurden nach dem Vorbild von „Leviathan“ umgestaltet. Gäste und Crew nutzen gemeinsame Bereiche. Vedder aus Lüdinghausen übernahm den Innenausbau. Aus dem früheren Hauptsalon machten sie einen gemeinsamen Speisesaal, in dem alle an Bord zusammen essen. Der Salon auf dem Oberdeck beherbergt nun ein Chef's Lab, eine Art Versuchsküche für besondere Menüs und Schulungen. Die ursprüngliche Crew-Messe wurde zu einem Gemeinschafts-Fitnessraum mit Spa umfunktioniert. Die Kabinen wurden angepasst und erweitert, um zusätzliche Crew-Mitglieder und Wissenschaftler aufzunehmen. Bestehende Materialien und Oberflächen blieben weitgehend erhalten, um Abfall zu vermeiden. Der Fokus lag auf pflegeleichten Oberflächen, die weniger Wartung benötigen.

Wartungsarme Außenbereiche

Wie auf „Leviathan“ erhielten die Edelstahlgeländer eine sandgestrahlte Oberfläche, die nicht ständig poliert werden muss. In wenig genutzten Außenbereichen blieb das ursprüngliche Teakdeck erhalten. Stark frequentierte Flächen bekamen Kunststoffdecks von Bolidt, die robuster sind und weniger Pflege benötigen. Der Rumpf wurde in einem gebrochenen Weiß lackiert, das zur Flotte passt und seltener gereinigt werden muss. Diese Maßnahmen sollen der Crew mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben geben, statt ständig mit Reinigung und Wartung beschäftigt zu sein.

18 Kilometer neue Kabel für „Draak“

Sowohl beide Hauptmotoren als auch die Generatoren wurden von Marine Service Noord grundüberholt. Die Umweltsysteme wurden an aktuelle Vorschriften angepasst und die Brücke zu einem offenen Arbeitsraum umgestaltet mit komplett neuer Navigations- und Kommunikationsausrüstung. Alewijnse, seit 2025 ein Teil der Oceanco-Gruppe, erneuerte die gesamte AV- und IT-Infrastruktur. Dafür verlegten die Techniker mehr als 18 Kilometer neue Kabel durch bestehende Kabelwege.

Technische Daten „Draak“

  • Länge: 92,9 m
  • Breite: 14,5 m
  • Innenraumvolumen: 2.951 Gross Tons
  • Exterieurdesign: Oceanco
  • Innenausbau: Vedder
  • Konstruktion: Oceanco, Azure Yacht Design & Naval Architecture
  • Eignervertreter: YTMC und Inkfish
  • Werft: Oceanco
  • Auslieferung Originalyacht: 2014

Über Oceanco

Oceanco ist eine niederländische Werft mit Sitz in Alblasserdam. Das Unternehmen baut Motoryachten ab 80 Meter Länge und betreibt in Zwijndrecht eine Life Cycle Support-Abteilung für Umbauten und Modernisierungen. Die Werft hat sich auf maßgefertigte Superyachten spezialisiert und arbeitet mit internationalen Designbüros zusammen.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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