„Leviathan“Gabe Newell bittet auf 111-Meter-Yacht

Sören Gehlhaus

 · 10.05.2026

Die ​111 Meter lange „Leviathan“ bereedert Half-Life-Mitentwickler Gabe Newell und ist dieselelektrisch mit bis zu 17,5 Knoten unterwegs.
Foto: Guillaume Plisson
Eigner Gabe Newell​ hatte es angekündigt, und nun zeigen erste Fotos, wie umfassend die Crew von „Leviathan“ sämtliche Bereiche der 111 Meter langen Yacht nutzt. Für den CEO des Spieleentwicklers Valve (Half-Life) war es wichtig, dass die übliche Trennung zwischen Gästen und Besatzung verschwimmt. Newells persönliche Flotte besteht aus weiteren Yachten und Forschungsschiffen.

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Leergefegte Decks und verwaiste Räume – frisch abgelieferte Großyachten werden fotografisch meist in klinischer Atmosphäre dargestellt. Bei „Leviathan“ musste das anders sein. Zum einen lag das an Guillaume Plisson. Der französische Fotograf inszenierte das 111 Meter messende Oceanco-Format in den Gewässern der Bahamas und vor allem mit der Crew im Vordergrund. Man sieht sie bei der Arbeit, aber auch bei Freizeitbeschäftigungen wie Gaming, Basketballspielen oder Kinoabenden.

​Materialien für einfache Wartung

Im Fotoshooting zum Ausdruck kommt der Crew-zentrische Ansatz des Eigners Gabe Newell. Seine Großyacht entstand bei Oceanco in den Niederlanden unter der Prämisse, dass die Besatzung weniger Zeit mit der Wartung und Pflege verbringt. „Wir haben berücksichtigt, wo an Bord die wertvollsten Erlebnisse für die Gemeinschaft stattfinden“, sagt Newell. „Indem wir die Produktivität der Besatzung steigern, können wir es ihnen ermöglichen, sich stärker auf den Umgang mit den Gästen zu konzentrieren und für alle ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen.“

Oceanco verbaute eine Reihe pflegeleichter Oberflächen: Das Deck ziert PU-Beläge von Bolidt, die sich schneller reinigen lassen und wartungsärmer sind. Die Edelstahlgeländer sind kugelgestrahlt, was Fingerabdrücke weniger sichtbar macht. Handläufe bestehen aus Kunststoff statt Holz. Und der Rumpf hat einen cremefarbenen Anstrich, der Verschmutzungen kaschiert. Der Ansatz passt zu Newells Videospiel-Unternehmen Valve, das ohne klassische Hierarchien auskommt.

​Die ​​Flotte des „Leviathan“-Eigners

​Newell, der in der Gaming Community unter seinem Spitznamen „GabeN“ bekannt ist und für „Half-Life“ gefeiert wird, kam spät zum Yachting. Der US-Amerikaner, der auch Teil des Gründungsteams von Microsoft war, interessierte sich zunächst nicht für Yachten. Bis er zum Geburtstag seiner damaligen Frau die Segelyacht „Mirabella“ charterte. „Ich dachte, ich würde mich elend fühlen. Stattdessen entdeckte ich diese fantastische Möglichkeit, Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen“, so Newell.

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Heute bereedert Newell die sogenannte „Kraken Fleet“, zu der neben „Leviathan“, „Draak“ (Oceanco, 78,5 m) und dem Versorger „Game Changer“ zwei Schiffe (68 m „Dagon“ und 66 m „Hydra“) seiner Forschungsorganisation Inkfish. Kürzlich verkaufen konnte Gabe Newell „Rocinante“ (Lürssen, 72 m), im Bau sind ein 35 Meter langer Sportfisherman und die 100 Meter lange RV6000 als Basis für einen 6.000 Meter tief gehenden Tauchroboter. Seine Leidenschaft geht so weit, dass er 2025 Oceanco kaufte.

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Unterstützung von Forschung

Vor dem Forschungshintergrund verwundert es nicht, dass ​„Leviathan“ mit einem komplett ausgestatteten Tauchzentrum versehen wurde, das Expeditionen und wissenschaftliche Tauchgänge ermöglicht. ​„Leviathan steht für eine neue Philosophie des Yachtings – eine, bei der ein höherer Zweck im Mittelpunkt steht“, sagt Deniz de Koningh, Projektleiter bei Oceanco. „Die Vision des Eigners ist ein zukunftsweisendes Beispiel dafür, wie Yachten mit Bedacht gebaut und genutzt werden können. Wir sind gespannt darauf, welchen Einfluss sie auf die Gestaltung der Zukunft der Branche haben wird.“

Heute lebt der Tech-Unternehmer das ganze Jahr über an Bord seiner Schiffe. Die Crew ist immer dicht an seiner Seite, an Bord der Newell-Flotte gibt es flache Hierarchien. Mannschaft, Eigner und Freunde essen und leben gemeinsam auf allen Ebenen. „Ich arbeite acht Stunden pro Tag, und wenn ich keine Lust mehr habe, springe ich von der Badeplattform. Für mich ist es das perfekte Leben!“ Oceanco übernahm er auch in der festen Überzeugung, dass viele der im Silicon Valley lebenden Tech-Milliardäre noch keine Berührungspunkte mit Yachten und dem dazugehörigen Lifestyle hatten.

Gemeinschaftsräume statt Hierarchien

Der Innenraum folgt einem ungewöhnlichen Konzept. Wo normalerweise der Hauptsalon liegt, befindet sich ein großer Speise- und Aufenthaltsraum für bis zu 54 Personen. Alle Bereiche an Bord sind für gemeinsame Nutzung gedacht. Dazu gehören eine Spiellounge, ein Basketballplatz und das Sonnendeck.

Das es die übliche räumliche Trennung zwischen Crew und Gästen nicht gibt, bezeichnete auch der Innenarchitekt Mark Berryman das Projekt als Neuland. Die Raumaufteilung weicht komplett von den Standards ab. Traditionell haben Crews eigene, vom Gästebereich getrennte Aufenthaltszonen. Auf „Leviathan“ nutzen alle dieselben Räume.

Namenstafel mit 3.000 Beteiligten

Zum Alle-zusammen-Konzept passt eine Glasplatte im Haupttreppenhaus, die die Zusammenarbeit während der Bauphase würdigt. Darauf stehen die Namen von knapp 3.000 Personen, die am Bau beteiligt waren. Die Liste umfasst Mitarbeiter von Oceanco, YTMC, Y.CO und Mark Berryman Design. Auch die Crew und alle Zulieferer sind verzeichnet.

„Leviathan“ treibt ein dieselelektrisches System aus Diesel-Generatoren und Elektromotoren an. Dieses System erlaubt flexiblere Motorenkonfigurationen als ein Wellenantrieb. Maximal laufen die 111 Meter 17,5 Knoten, zum effizienten Meilen machen loggt der Kapitän 13 Knoten.

Technische Daten „Leviathan“

  • Länge: 111 m
  • Breite: 17,7 m
  • Volumen: 4.970 Gross Tons
  • Außendesign: Oceanco
  • Innendesign: Mark Berryman Design
  • Konstruktion: Oceanco und Lateral Naval Architecture
  • Eignervertretung: Y.CO und YTMC
  • Werft: Oceanco
  • Antrieb: dieselelektrisch
  • Höchstgeschwindigkeit: 17,5 Knoten
  • Reisegeschwindigkeit: 13 Knoten
  • Auslieferung: November 2025

Über Oceanco

Oceanco ist eine niederländische Werft für Superyachten. Das Unternehmen baut Schiffe ab 80 Meter Länge. Die Werft hat ihren Sitz in Alblasserdam und beschäftigt sich ausschließlich mit maßgefertigten Großyachten.

Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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