VARD hat mit Inkfish einen Vertrag über den Bau eines Forschungsschiffs unterzeichnet. Laut der norwegischen Werft beträgt das Auftragsvolumen knapp 700 Millionen Euro, was es zum größten Einzelauftrag in der Geschichte von VARD macht. Das Projekt trägt die Bezeichnung RV11000 in Anlehnung an die enormen Tieftauchfähigkeiten.
Die von Gabe Newell gegründete Forschungsorganisation gab bei den Norwegern im Sommer 2025 bereits die 100 Meter lange RV6000 in Auftrag, als Basis für einen 6.000 Meter tief gehenden Tauchroboter. Beide Schiffe werden in die wachsende Flotte aufgenommen, um die weltweite Meeresforschung zu unterstützen und Daten für frei zugängliche wissenschaftliche Datenbanken bereitzustellen. Derzeit nutzt Inkfish “Dagon” (68 m, 1985, Ex-”Pressure Drop”) und “Hydra” (56 m, 1974, Ex-”Alucia”), zudem bereedert Newell die Großyachten “Leviathan” und “Draak”, auf denen der Valve-CEO im Wechsel das ganze Jahr über lebt.
Das neue Forschungsschiff wird 162 Meter lang und 28 Meter breit. RV11000 basiert auf dem Entwurf „VARD 9 42“ und soll im ersten Quartal 2030 ausgeliefert werden. Dann dürfte die 195 Meter lange “REV Ocean” bereits schwimmen, allerdings hat sich der Koloss einer Doppelnutzung aus Forschungsschiff und Freizeit verschrieben.
Der 162-Meter-Bau stellt laut Werft einen bedeutenden Fortschritt in Bezug auf die Leistungsfähigkeit dar und baue auf den technischen und konstruktiven Grundlagen auf, die mit RV6000 geschaffen wurden. Die RV11000 wurde von Vard Design in Ålesund, Norwegen, in enger Zusammenarbeit mit Inkfish entwickelt und ist eine maßgeschneiderte Plattform für die Kartierung des Meeresbodens, Kernbohrungen und Probenahmen, Unterwasseroperationen sowie ROV-Aktivitäten in Tiefen von bis zu 11.000 Metern.
Das Schiff wird über ein hochmodernes Antriebssystem mit einer der größten Batterieanlagen verfügen, die jemals auf einem Schiff installiert wurden, und soll damit bis zu zwölf Stunden geräuschlosen Betrieb ermöglichen. In diesem Modus werden alle Verbraucher ausschließlich über die Batterien versorgt, während die Dieselgeneratoren abgeschaltet sind. Dies soll Unterwasseroperationen ermöglichen, bei denen Motorengeräusche die wissenschaftlichen Messungen stören würden.
Der Rumpf ist für die leistungsstarke Kartierung des Meeresbodens optimiert und soll hervorragende Positionshaltung sowie eine verbesserte Betriebseffizienz gewährleisten. Vier aktive Stabilisatoren kämpfen gegen Rollbewegungen an, während das dynamische Positionierungssystem präzises Halten der Position ohne Ankereinsatz erlaubt.
Das Inkfish-Flaggschiff wird Meeresbodenuntersuchungen durchführen, Sedimentproben entnehmen und U-Boote sowie ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROV) einsetzen. Am Heck befindet sich ein A-Frame-Kran, über das U-Boote zu Wasser gelassen und wieder an Bord geholt werden können. Ein großer Hangar bietet Platz für zwei U-Boote, die dort gewartet und gelagert werden.
Für ROV-Einsätze gibt es einen separaten Hangar mit einem Launchsystem. Die ferngesteuerten Fahrzeuge können entweder durch einen mittschiffs angeordneten Moonpool (eine Öffnung im Schiffsboden) oder seitlich zu Wasser gelassen werden. Eine Winde mit einem 12.000 Meter langen Kabel (Umbilical) ist unter Deck installiert und versorgt die ROVs mit Strom und Steuersignalen.
Für die Entnahme von Sedimentproben verfügt das Schiff über ein 40 Meter langes Corer-System. Dieses wird vertikal in den Meeresboden eingebracht und entnimmt zylindrische Proben aus verschiedenen Bodenschichten. Ein Faserseil-Hebesystem kann Lasten aus bis zu 15.000 Meter Tiefe an Bord holen.
An Backbord ist ein Offshore-Kran montiert, der bis in 2.500 Meter Tiefe arbeiten kann. Der Kran verfügt über eine aktive Heave-Kompensation, die Schiffsbewegungen durch Seegang ausgleicht. Zusätzlich ist ein CTD-System an Bord, das Salzgehalt, Temperatur und Druck des Meerwassers in verschiedenen Tiefen misst.
VARD Electro liefert die gesamte elektrische Ausrüstung. Das SeaQ-System umfasst Energieversorgung, Steuerung, Brückenausrüstung und Kommunikationstechnik. Der Antrieb kombiniert Gleichstromtechnik mit der Batterieanlage.
Die Brücke folgt einem neuen Konzept, das über klassische Navigation hinausgeht. Neben den Navigationsfunktionen sind Arbeitsplätze für wissenschaftliche Aufgaben und Sicherheitsfunktionen integriert. Das Layout wurde zusammen mit Industriedesignern entwickelt und soll Bedienbarkeit und Arbeitsabläufe verbessern.
An Bord finden 130 Personen Platz, darunter Besatzung und Wissenschaftler. Die meisten Kabinen sind Einzelkabinen. Es gibt Gemeinschaftsräume, Büros, Labore und Werkstätten. Die Labore sind für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen ausgestattet und ermöglichen die Verarbeitung von Proben direkt an Bord.
VARD Interiors ist für die Innenausstattung und die technischen Systeme in den Wohnbereichen zuständig. Das Klimasystem erfüllt die Comfort Class C1-Norm und liefert 100 Prozent Frischluft. Eine Wärmepumpe sorgt für Heizung und Kühlung. Luftreinigung und kontinuierliche Überwachung der Luftqualität sind Teil des Systems.
Seaonics liefert alle Hebe- und Handhabungssysteme. Dazu gehören der A-Frame-Kran im Heck, wissenschaftliche Winden, das Launch-and-Recovery-System für ROVs mit 11.000 Meter Tiefenfähigkeit, Schiffskräne und der Offshore-Kran. Außerdem werden das Corer-System, das CTD-System, der Moonpool, Luken und ein Drop-Keel (absenkbarer Kiel) von Seaonics geliefert.
Das Schiff wird nach den aktuellen IACS-Anforderungen für Cybersicherheit zertifiziert. Die Notation Cyber Security (Essential, +) von DNV bestätigt, dass wesentliche Schiffsfunktionen gegen digitale Bedrohungen geschützt sind.
VARD ist eine norwegische Werft mit Standorten in mehreren Ländern. Das Unternehmen gehört zum italienischen Fincantieri-Konzern. VARD entwickelt und baut Spezialschiffe für verschiedene Einsatzbereiche, darunter Offshore-Versorgung, Forschung und Fischerei. Die Werft bietet Design, Schiffbau, Reparatur und Umbau sowie Ausrüstung wie Elektrotechnik, Innenausbau und Handhabungssysteme aus einer Hand.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV