BootsunglückGeheimdienst vs. Unfall - Was geschah auf dem Lago Maggiore?

Leonie Meyer

 · 31.05.2023

Ein Boot mit 25 Personen ist am Sonntagabend auf dem Lago Maggiore gekentert. Ein Helikopter wurde für die Suche nach Vermissten eingesetzt
Foto: dpa/ picture alliance
Ein Hausboot ist am Sonntagabend auf dem Lago Maggiore in Italien gekentert. Dabei sind vier Passagiere ums Leben gekommen, unter ihnen drei Geheimagenten. Mehrere Medien berichten von einer Geburtstagsfeier, jedoch lässt der Vorfall immer mehr Fragen aufkommen

Rückblick: Der Unfall ereignete sich am Sonntagabend in der Nähe von Lisanza, etwa 150 Meter vom Ufer entfernt. Verschiedenen Medienberichten zufolge befanden sich zu dem Zeitpunkt bis zu 25 Personen an Bord des Ausflugsbootes, wobei 20 von ihnen ”italienische und israelische Agenten” gewesen sein sollen. Die Überlebenden konnten sich entweder schwimmend ans Ufer retten oder wurden von vorbeifahrenden Booten aus dem Wasser gerettet. Auch Taucher sind nach Angaben der “Tagesschau” die ganze Nacht im Einsatz gewesen, um Vermisste zu suchen.

Der Grund für das Treffen war laut der italienischen Zeitung “Corriere della Serra” die offizielle Feier eines Geburtstags. Der italienische Staatssekretär Alfredo Mantovano drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Das Ehepaar, das beim Unfall ums Leben kam und für den italienischen Geheimdienst arbeitete, plante anscheinend, den Geburtstag eines Freundes an Bord zu feiern, heißt es beim Online-Nachrichtendienst “t-online”. Außerdem berichteten verschiedene Medien erst von einem Segelboot, anstatt von einem Hausboot mit Motor, das trotz schlechter Wettervorhersage auf dem Lago Maggiore gefahren sei. Warum der Bootsführer den Törn nicht rechtzeitig beendete, ist laut SZ unklar.

Ein Bericht der ”Bild” spekulierte darüber, dass es auf dem Boot möglicherweise zu einem Austausch geheimer Unterlagen gekommen sein könnte, nachdem sich die Gruppe bereits mittags im Restaurant “Il Verbano” getroffen habe. Einem Reporter der Zeitung zufolge waren am Dienstag Taucher zu sehen, die an einer ganz anderen Stelle am Ufer ins Wasser gingen als am Montag. Die Polizei habe Fragen abgeblockt und Bergungsarbeiten wurden von den Einsatzkräften abgeschirmt.

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Die Hintergründe zum Unfall, der Anlass des Treffens sowie die Identitäten der Passagiere, lässt viele Fragen aufkommen.

Neue Erkenntnisse vom Bootsunglück auf dem Lago Maggiore

Den Informationen der Ermittler zufolge kamen bei dem Unfall die italienischen Agenten Claudio Alonzi (62) und Tiziana Barnobi (53) sowie der pensionierte Agent des israelischen Mossad, Shimoni Erez (50), ums Leben. Der Tod von Shimoni Erez wurde mittlerweile auch vom israelischen Außenministerium bestätigt. Das vierte Opfer ist Anya Bozhkowa (50) aus Russland, die Ehefrau des Kapitäns, der das gekenterte Boot an Touristen vermietete.

Es scheint, dass die Passagiere eilig den Unfallort in Italien verlassen wollten. Laut der italienischen Zeitung “La Repubblica” kehrten am Montagmorgen zehn Israelis mit einem Militärflugzeug nach Tel Aviv zurück. Auch die “Italiener haben in aller Eile” die Notaufnahme und die Hotels, in denen sie gewohnt haben, verlassen - so berichtete es das Onlineportal Milano Today.

Die Huffington Post Italia schrieb unter anderem, dass die Betroffenen in der Nacht zum Montag noch befragt wurden, dann jedoch “schnell verschwunden” seien.

Ursache für das Kentern des Bootes

Bislang deutet alles darauf hin, das heftige Winde und starke Niederschläge dazu führten, dass das Boot zur Seite kippte und Schätzungen nach 15 Meter tief auf den Grund des Sees sank. Es wird vermutet, dass die vier Todesopfer im sinkenden Boot eingeschlossen waren und sich nicht rechtzeitig befreien konnten.

Nach Aussagen des Präsidenten der Region Lombardei, Attilio Fontana, wurde der “sehr schwere Vorfall” durch eine “Windhose” ausgelöst. Das 16 Meter lange Boot wurde von Touristen gemietet, wie Fontana in einem Beitrag auf Facebook mitteilte.

Es stellt sich jedoch heraus, dass der Sturm nicht der einzige Faktor war. Laut dem “Corriere della Sera” waren eigentlich nur 15 Passagiere für das Boot zugelassen.

Die Ermittlungen der Behörden dauern an.


Leonie Meyer

Leonie Meyer

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion

Leonie Meyer wuchs mit dem Bootfahren in Kroatien auf und blätterte schon als Kind durch das BOOTE-Magazin ihres Vaters. Während und nach ihrem abgeschlossenen Internationalen Journalismus-Studium absolvierte sie Praktika bei verschiedenen Medien im Ausland. 2020 zog sie es für ein Praktikum zum BOOTE-Magazin, weshalb sie nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung zurückkehrte. Seit 2023 arbeitet Leonie Meyer als Redakteurin in der Wassersport Digital-Redaktion und ist neben dem Betreuen der Websites unter anderem für den YACHT-Podcast zuständig.

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