FahndungslisteDiese Boote sind als gestohlen gemeldet

Gernot Apfelstedt

 · 18.11.2022

Quicksilver 555 Active: Gestohlen am 1./2. September 2022 in Kamperland/Niederlande; Name: Charly II; Baujahr: 2014; Farbe: weiß, schwarz; Maße: 5,55 m x 2,29 m; Rumpf-Nr. BE-QSVTA143E414; Motor: Mercury F115 EFI; Motor-Nr. 0T843908; Kennzeichen: K - R 329; Trailer: Pega ZB1350; Fahrzeug-Ident.-Nr. XLZ00000340010433; Kennzeichen: EU - XY 137; Hinweise: Tel. 04331/14 52 83
Foto: Eigner
Quicksilver 555 Active: Gestohlen am 1./2. September 2022 in Kamperland/Niederlande; Name: Charly II; Baujahr: 2014; Farbe: weiß, schwarz; Maße: 5,55 m x 2,29 m; Rumpf-Nr. BE-QSVTA143E414; Motor: Mercury F115 EFI; Motor-Nr. 0T843908; Kennzeichen: K - R 329; Trailer: Pega ZB1350; Fahrzeug-Ident.-Nr. XLZ00000340010433; Kennzeichen: EU - XY 137; Hinweise: Tel. 04331/14 52 83

Versöhnliches Ende in einem Düsseldorfer Jetski-Krimi: Ein aus dem Paradieshafen entführter Jetski kehrt heim – mit falscher Identität. Plus: Neue Boote auf der Fahndungsliste in unserer Galerie!

Was bisher geschah: Der Löricker Paradieshafen bei Rhein-km 749, linkes Ufer, wird in der Nacht zum 30. April 2021 zum Tatort eines besonders dreisten Jetski-Diebstahls: Um sich den als Beute auserkorenen Sea Doo RXP-X 300 RS von Thomas Panzer zu holen, entwenden die Banditen vom Nachbarsteg ein Rettungsboot der Feuerwehr Düsseldorf. Mit dem schleppen sie den Jetski aus dem Hafen, um ihn am Naturstrand oberhalb der Ein- bzw. Ausfahrt zu slippen und auf seinem angestammten Trailer (Kwanten-Jet-Loader) zu entführen. Letzteren haben die offensichtlich fachkundigen Diebe auf dem Freigelände des idyllischen Yachthafens entdeckt und ebenfalls gestohlen. Die Saison 2021 wäre für Thomas Panzer komplett gelaufen gewesen, hätte nicht ein Kumpel aus der Düsseldorfer Jetski-Szene Mitgefühl gezeigt: Christian Katzmann. Er leiht Thomas seinem Sea Doo GTR 230 für eine Tagestour. Und der revanchiert sich – eingedenk seiner bitteren Erfahrung – auf passende Weise: Er schenkt Christian einen GPS-Tracker (Apple AirTag), den dieser sogleich in seinen Sea Doo einbaut.

Verlagssonderveröffentlichung

Am 14. Oktober 2021 macht in der Jetski-Community die Kunde von Diebstählen im Düsseldorfer Yachthafen (km 747,2, rechtes Ufer) die Runde. Christian Katzmann checkt daraufhin die App auf seinem iPhone und ist wie elektrisiert: Sein Jetski befindet sich etwa 130 km entfernt im niederländischen Ravenstein westlich von Nijmegen. Er meldet den Vorfall umgehend der Düsseldorfer Polizei und fährt – geleitet von dem kleinen Sender in seinem Sea Doo GTR 230 – direkt nach Ravenstein. Dort trifft er in einem Gewerbegebiet auf die von ihren deutschen Kollegen informierte niederländische Polizei, die sich die geortete Halle gerade vornimmt. Und tatsächlich – da steht Christian Katzmanns Jetski abgedeckt auf seinem Trailer. „Wenn du anderen hilfst, bekommst du Gutes wieder“, deutet Katzmann den für ihn glücklichen Ausgang.

Aufgefundener Jet Ski beschädigt, Nummern entfernt

Eine Lebensweisheit, die sich in Folge drei des Düsseldorfer Jetski-Krimis auch bei seinem „Glücksbringer“ Thomas Panzer bewahrheitet. „Ich hoffe, dass ich bald mal wieder einen neuen Jet beschaffen werde“, sagt dieser Anfang des Jahres 2022 gegenüber BOOTE. Dass er zunächst noch mit einer Baustelle im eigentlichen Wortsinn beschäftigt ist und dieses Kaufvorhaben damit in die Warteschleife gerät, soll sich dabei als glücklicher Umstand erweisen. Denn Ende Juni meldet sich ein von Panzers Versicherung Allianz-Esa beauftragter Sachverständiger und teilt ihm mit, dass sein ehemaliger Jetski in den Niederlanden sichergestellt wurde und er nun die Chance hat, ihn von der Versicherung zurückzukaufen. Sie hatte mit der Entschädigung die Eigentumsrechte erworben.

Dieser gestohlene Jet Ski konnte dem Besitzer zurückgegeben werden.Foto: Polizei Niederlande
Dieser gestohlene Jet Ski konnte dem Besitzer zurückgegeben werden.

Doch der Sea Doo RXP-X 300 RS hat seit dem Diebstahl schwer gelitten. Abgesehen von zahlreichen Schrammen, einem beschädigten Impeller und anderem mehr, sind fast alle bisherigen Identifikationsnummern entfernt, und per Wartungssoftware ist eine neue „Vita“ programmiert worden. Auf Basis eines Gutachtens einigen sich Panzer und die Allianz-Esa auf eine faire Kaufsumme. Panzer lässt seinen Jetski wieder in den Originalzustand versetzen und bleibt seiner Versicherung treu. Ihre Sicherungsauflagen hat er sogar übererfüllt. Sein Sea Doo ist nun unter anderem mit einem 20 mm starken Stahlseil gesichert.

Jet Ski-Diebstahlserie in Empuriabrava

Im August sorgte eine Serie von Diebstählen im spanischen Empuriabrava für Aufsehen. Unter anderem wurde dort einer vier­köpfigen wassersportbegeisterten Familie aus dem Stuttgarter Raum ein nagelneuer Dreisitzer vom Typ Sea Doo RXT-X RS 300 entwendet. Eine Überwachungskamera zeichnete den Diebstahl auf.

So lag der Jet Ski vor dem Diebstahl auf dem Ponton.

Während die Familie ihren Jetski in der weiteren Umgebung suchte, lag er noch mehrere Stunden im Tordera-Kanal, keine 60 Meter vom Diebstahlort entfernt! Erst am 30. August um 6.32 Uhr steuerte einer aus dem mutmaßlichen Diebes-Trio die Beute nach Santa Margarida, wo sie am Rubina-Strand um 6.58 Uhr auf einen Trailer hinter einem weißen Van mit französischem Kennzeichen verladen und abtransportiert wurde. In derselben Nacht wurden in Empuriabrava noch zwei weitere Jetskis entwendet, einer ebenfalls von einem Ponton, der andere, ein Sea Doo GTI 90 (siehe Bildergalerie oben), samt Trailer von einem Privatgrundstück.

“Wanted” - BOOTE hilft bei der Fahndung nach Diebesgut

Seit 25 Jahren gibt es in BOOTE die Rubrik “Wanted“. Ein kostenloser Service für die öffentlichen und privaten Ermittler, Versicherungen, Clubs und Eigner, die in unserer Fahndungsrubrik oft die letzte Chance sehen, ihr geliebtes Boot doch noch wiederzubekommen.

Wiederholt konnten durch ihre Hinweise Boote sichergestellt werden – sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit MCS und anderen privaten Ermittlungsbüros wie YISS, verschiedenen Wasserschutzpolizei-Revieren und besonders dem Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität Baden-Württemberg in Konstanz (KBK) ist im Laufe der Jahre ein Netzwerk entstanden, von dem alle Beteiligten profitieren. Gemeinsames Ziel: gestohlene Boote, Jetskis, Motoren etc. wiederfinden und Langfingern das Geschäft verderben.

Ermittler befürchten Anstieg der Diebstähle

Nach einem Corona-bedingten Rückgang in den letzten Jahren erwartet das KBK für 2022 einen „Boom“, denn die Nachfrage insbesondere nach Außenbordmotoren ist so hoch wie selten zuvor. Zudem sind Ersatzteile und Neumotoren durch die derzeit in fast allen Marktbereichen vorherrschenden Lieferschwierigkeiten kaum oder nur mit langen Wartezeiten verfügbar. Das macht sie für Diebe und Hehler noch attraktiver. Die Polizei bittet die Bevölkerung deshalb um erhöhte Wachsamkeit in den Häfen, insbesondere im Bereich von Trockenliegeplätzen. Im öffentlichen Verkehrsraum oder sichtbar auf Privatgrundstücken abgestellte Wasserfahrzeuge mit Außenbordmotoren sind nicht minder potenzielle Beuteobjekte, warnt das KBK. „Die Tätergruppen arbeiten nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern suchen sich ihren ,Arbeitsplatz‘ gezielt aus und kundschaften diesen vor der Tat regelmäßig aus“, heißt es im Lagebericht der Konstanzer Spezialisten, gefolgt von einem dringenden Appell an Bootsleute: „Stellen Sie fest, dass sich unberechtigte Personen an den genannten Örtlichkeiten aufhalten und Fotos machen, sollten Sie sofort die Polizei verständigen. Hinweise über mitgeführte Fahrzeuge, Personenbeschreibungen sind für die Fahnder hier immer sehr hilfreich.“

Fahndungserfolge durch Vernetzung der Ermittler

Egal ob die „Beute“ aufgrund von rechtzeitigen Hinweisen abgefangen wird, bevor sie von organisierten Kriminellen außer Landes geschafft werden kann oder – noch besser – dadurch Diebstähle von vornherein vereitelt werden: Des Diebes „Leid“ ist des Eigners und Fahnders Freud. Dabei profitieren öffentliche wie private Ermittler zunehmend von ihrem über viele Jahre gewachsenen Netzwerk, mittels dessen sich Fahndungsaufrufe schnell und direkt an die „Nahtstellen“ im europäischen Raum verbreiten lassen, was gezielte Kontrollen in Echtzeit ermöglicht. Die Konstanzer Fahnder beraten mittlerweile europaweit Polizeidienststellen unter Vermittlung von Europol. So konnte durch aufwendige Auswertungen des KBK eine große Anzahl von europaweit begangenen Außenborderdiebstählen zusammengeführt und einer internationalen Tätergruppe zugeordnet werden. Vorausge­gangen waren monatelange, akribische Ermittlungen französischer Fahnder mit Festnahmen und Durchsuchungen in den Herkunftsländern der Täter. Fünf Beschuldigte sitzen in Frankreich in Haft und warten auf ihre Verurteilung.

Weiteres Beispiel: Anfang Juni trafen sich Fahnder aus 18 Nationen, einschließlich Montenegro und Albanien, auf Einladung der europäischen Grenzschutzagentur Frontex in Hamburg zu einem Workshop unter Leitung des KBK und der Bootsspezialisten aus den Niederlanden, um die aktuelle Situation zu analysieren und Gegenmaßnahmen miteinander abzustimmen. Wie wichtig diese internationale Vernetzung ist, zeigt sich auch an einem Aufgriff kurz nach dem Workshop, als eine Motoryacht im Wert von 255.000 Euro unter Umgehung des Wirtschafts­embargos gegen Russland aus der EU über einen Drittstaat unter Flagge eines Karibikstaates in den Nahen Osten verschifft werden sollte. Mit dem Frontex-Beamten vor Ort konnten die KBK-Fahnder den Fall schnell klären, worauf die Yacht vom Zoll beschlagnahmt wurde. Insgesamt stellte das KBK in Zusammenarbeit mit Polizeidienststellen in Deutschland und acht europäischen Ländern 2021 14 Sportboote, acht Jetskis, 62 Außenbordmotoren und drei Boots­trailer im Gesamtwert von knapp einer Million Euro sicher

Stammt das angebotene Boot aus einem Diebstahl?

Auf der Website www.stolenboats.info unterhält MCS die derzeit umfangreichste Onlineliste von gestohlenen Booten, Jetskis und Motoren weltweit. Sie ist vor allem denjenigen zu empfehlen, die sich vor dem Kauf eines Gebrauchtbootes vergewissern möchten, keine heiße Ware angeboten zu bekommen. Wer sich dennoch unsicher ist, ob es sich bei dem in Augenschein genommenen Boot um eines aus einem Diebstahl handelt, wendet sich an das bei der Wasserschutzpolizeistation Konstanz beheimatete KBK (Telefon 07531/59 02 300). Diese Spezialeinheit besteht seit 21 Jahren und koordiniert in Deutschland die Fahndungsmaßnahmen nach gestohlenen Sportbooten, Außenbordmotoren und Trailern. Die Arbeit der drei Fahnder ist europaweit ausgerichtet und insbesondere mit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex und Europol sehr eng verknüpft.

Im Auftrag von Frontex waren 2021 zwei KBK-Fahnder in Rumänien, um dort gestohlene Außenborder aufzuspüren und ihren rumänischen Kollegen Basiswissen zu vermitteln. Insgesamt fünf in verschiedenen europäischen Ländern gestohlene Motoren im Wert von über 60 000 € konnten die Beamten dort direkt identifizieren und sicherstellen. In weiteren 45 Fällen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, die das KBK noch immer beratend begleitet.

Fahndungserfolg: Diese gestohlenen Außenborder entdeckten die Ermittler in SlowenienFoto: Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität (KBK), Konstanz
Fahndungserfolg: Diese gestohlenen Außenborder entdeckten die Ermittler in Slowenien

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