BootspflegeMorgentau eignet sich perfekt zum Deckwaschen

Lars Bolle

 · 15.07.2024

Bootspflege: Morgentau eignet sich perfekt zum DeckwaschenFoto: YACHT/F. Gunkel
Mit einem Mikrofasertuch lässt sich das Cockpit nicht nur trocknen, sondern gleichzeitig auch reinigen
Morgentau macht das Deck nass. Diese Feuchtigkeit eignet sich gut zum Reinigen, kann aber auch gefährlich sein. Tipps zur Nutzung

Themen in diesem Artikel

Im Sommer und Herbst ist das Bootsdeck am Morgen oft nass. Der Grund dafür ist Morgentau. Dieser bildet sich, wenn die Luft abkühlt, besonders früh am Morgen, und die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert. Wann genau Tau entsteht, hängt vom Taupunkt ab. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft gesättigt ist und Wasserdampf zu Wasser wird. Einfacher gesagt: Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Kühlt sie ab, gibt sie diese wieder ab.

Vorsicht bei Morgentau

Ein nasses Deck birgt eine erhebliche Rutschgefahr. Das Barfußgehen über vom Morgentau nasse Flächen, oft praktiziert vor Anker vor einem morgendlichen Bad im Meer, kann schnell zur Rutschpartie werden. Auch das Ab- und Aufsteigen über Bug oder Heck zum Steg kann gefährlich sein, wenn nasse Flächen ohne Antirutschbelag betreten werden. Deshalb sollten rutschhemmende Schuhe getragen werden, und besondere Vorsicht ist geboten.

Wer im Hafen kurz das Boot verlässt, etwa um zur Toilette oder zum Bäcker zu gehen, hinterlässt bei der Rückkehr oft unschöne Fußabdrücke an Deck, wenn er mit den Landgangsschuhen zurückkommt. Die Feuchtigkeit löst Schmutzpartikel von den Sohlen, was auf trockenem Deck nicht so leicht passiert.

Der Morgentau sollte also schon aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Morgentau für die Deckswäsche

Morgentau ist eine ideale Grundlage für eine Deckswäsche. Da das Deck bereits nass ist, wird kein zusätzliches Wasser aus dem Schlauch benötigt. Außerdem ist der Morgentau kalkfrei und hinterlässt keine unschönen Spuren auf Scheiben. Morgentau enthält kein Salz und das Wasser ist normalerweise, je nach Staubbelastung in der Atmosphäre, sehr sauber.

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Ein weiterer Nebeneffekt ist das Entfernen von Salz. Wurde am Vortag bei ruppiger See Salzwasser an Deck übernommen, muss es nicht zwingend schon am Abend mit Süßwasser aus dem Schlauch abgespült werden. Mal davon abgesehen, dass das vor Anker meist gar nicht geht, soll der Süßwasservorrat im Tank nicht vorzeitig zur Neige gehen. Der Morgentau löst das Salz und es kann mit dem Tau entfernt werden.

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Morgentau entfernen

Zum Entfernen reicht des Morgentaus ein Mikrofasertuch. Einfach die Feuchtigkeit aufwischen und das gesättigte Tuch regelmäßig auswringen. Die Struktur des Mikrofasertuchs hat eine säubernde Wirkung auch ohne zusätzliche Reinigungsmittel, so dass das Deck anschließend wieder glänzt.

Um das Tuch nicht ständig auswringen zu müssen, kann man sich auch eines Abziehrakels wie für die heimische Dusche bedienen. Die Abziehlippe sollte aus Silikon und sehr lang sein, damit sie sich auch an Rundungen anpassen kann. Mit dem Mikrofasertuch müssen dann nur noch Feuchtigkeitsreste aufgenommen werden.

Mit Detailer versiegeln

Ab und an kann mittels Morgentau das Deck auch während der Saison neu versiegelt werden. Dazu gibt es spezielle Detailer. Sie sind für Lacke, Gelcoats und glasfaserverstärkte Kunststoffe geeignet – an behandelten Flächen perlt Wasser dann wieder ab und neuer Schmutz hat es schwerer, sich breitzumachen. Der Datailer wird einfach auf die vom Morgentau feuchten Flächen gesprüht und dann mit dem Wasser und dem Mikrofasertuch weggewischt. Detailer sind allerdings nicht mit Wachs zu verwechseln oder gleichzusetzen. Jedoch lässt sich die Haltbarkeit eines Wachses durch den Einsatz eines Detailers verlängern. Detailer enthalten einen größeren Anteil reinigender Tenside als Wachse, sie sind für die schnelle Reinigung zwischendurch gedacht.

Umgang mit Persenningen

Soll die Nässe von vornherein vermieden werden, was vor allem im Cockpit wünschenswert sein kann, hilft nur Abdecken, mittels Sprayhood und Kuchenbude. Diese sind dann morgens zwar auch nass, aber im Cockpit darunter ist es trocken. Je nach Belüftung können aber die Scheiben innen beschlagen sein. Die Scheiben außen und wenn nötig innen mit einem Rakel abziehen und die Persenninge von außen per Tuch und/oder Rakel von stehender Nässe zu befreien. Dann trocknet das Persenningtuch im Wind oder in der Sonne schneller und kann so trocken verstaut werden, was die Bildung von Schimmel verringert. Auch ist es ratsam, die Persenninge regelmäßig zu imprägnieren, da dann nur Feuchtigkeit auf dem Tuch steht und nicht einzieht, was den Trocknungsprozess beschleunigt.


Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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