Viele Skipper sind schon einmal unter ihr Boot getaucht, um das Unterwasserschiff zu säubern oder um eine gefangene Leine vom Propeller zu schneiden. Oft geschieht das mit einem mulmigen Gefühl und mangels Luft auch unter Zeitdruck. Kaltes Wasser, Unbehagen, Herzrasen. Schön, wenn man wieder an Bord ist!
Dabei ist die Unterwasserwelt faszinierend und voller Geheimnisse. Unzählige Schiffe und Schätze liegen auf dem Meeresgrund, umgeben von Korallen und Meeresbewohnern in allen Größen, Formen und Farben. Für den Menschen mag die nasse Tiefe zwar ähnlich bedrohlich wie das endlose All wirken, doch wer einmal in den Genuss des Schwebens gekommen ist, den lässt dieses Erlebnis nicht mehr los.
Mit der richtigen Technik und Ausrüstung ist das Boot idealer Ausgangspunkt, um gekonnt abzutauchen. Ist das mitunter sperrige und schwere Equipment erst einmal an Bord, lässt es sich bequem zu jedem Ankerplatz verholen. Gerade bei Flaute und Hitze ist ein Tauchgang zudem ein erfrischender Perspektivwechsel.
Bei dieser weit verbreiteten Tauchart wird ein Drucklufttauchgerät verwendet, um sich mit Atemluft zu versorgen. Die künstliche Luftzufuhr ermöglicht Tauchgänge, die eine Stunde und länger dauern können. Die auf dem Rücken befestigten Stahlflasche ist in der Regel mit Druckluft befüllt, aber auch andere Gemische wie Nitrox sind heute üblich.
Mit einer luftgefüllten Tarierweste kann der Taucher durch Einblasen oder Ausblasen seinen Auftrieb regulieren und sich im dreidimensionalen Raum des Wassers positionieren. Gerätetauchen wird als Hobby oder beruflich in unterschiedlichen Bereichen ausgeübt.
Beim Tauchen von der Yacht gibt es, einen Schein wie den Open Water Diver vom Ausbilderverband PADI vorausgesetzt, ein paar wesentliche Dinge zu beachten: Die schweren Flaschen müssen sicher verstaut werden. Sie sollten am besten liegend gelagert und mit Gurten gesichert werden, sodass sie auf dem schwankenden Boot nicht ins Rollen geraten. Hierfür bieten sich die Backskiste und ein maßgefertigtes Holzgestell an. Das Ventil an der Flasche kann zusätzlich mit einem Schutzbügel oder einer selbst gebastelten Kappe geschützt werden.
Ins Wasser zu kommen, stellt kein großes Problem dar. Vom Dingi mit der Rolle rückwärts oder vom Bootsrand mit einem beherzten Schritt nach vorn. Badeleiter ausbringen nicht vergessen!
Schwieriger wird es, mit der schweren Ausrüstung und den sperrigen Flossen an den Füßen später wieder an Bord zu gelangen. Flossen am besten schon im Wasser ausziehen, ums Handgelenk hängen und dann die Badeleiter hoch. Eventuell auch die Tarierjacke samt Flasche abnehmen und hinaufreichen. Grundsätzlich gilt die eiserne Taucherregel, niemals allein und immer in Sichtkontakt zueinander auf Tiefe zu gehen.
Für eine komplette Ausrüstung inklusive Neopren, Tauchcomputer oder gar Kompressor kommen schnell einige Tausend Euro zusammen. Alternativ können die meisten Ausrüstungsgegenstände auch in Tauchschulen gemietet werden, die es weltweit fast überall gibt. Scuba-Tauchen lohnt vor allem dann, wenn man in tollen Revieren unterwegs ist.
Beim Apnoetauchen geht es darum, so lange wie möglich mit nur einem Atemzug unter Wasser zu bleiben. Die Wurzeln des Freitauchens sind tief in der Menschheitsgeschichte verankert, war es doch sehr lange die einzige Möglichkeit, an begehrte Muscheln, Schwämme oder Perlen zu gelangen.
Heute stellt die größte Verbreitungsform das Speerfischen dar, wobei Apnoe oft mit irrwitzigen Rekordversuchen von Extremsportlern in Verbindung gebracht wird. Doch auch für Bootssportler bietet das Beherrschen dieser ursprünglichen Tauchtechnik mehrere Vorteile: Getaucht werden kann überall zu jeder Zeit, um beispielsweise den Anker zu klarieren oder den Antrieb von lästigem Beifang zu befreien. Dafür braucht es keine kostspielige Ausrüstung, sondern nur Maske, Schnorchel, Flossen und gegebenenfalls Gewichte sowie einen Tauchcomputer.
Auch in Notsituationen unter Wasser sorgen die erworbenen Fähigkeiten für ruhiges Handeln und überlegte Entscheidungen. Das kann im Zweifel überlebenswichtig sein. Da keine Pressluft eingeatmet wird, brauchen sich Freitaucher nicht um die Dekompression zu kümmern.
Doch wer ist überhaupt fürs Freitauchen geeignet? Tauchlehrer Alexis Girard ist der Meinung, dass ausnahmslos jeder Mensch von Natur aus die Fähigkeit besitze, den Atem weitaus länger anzuhalten, als er vermuten würde. Girard: „Der einzige Grund, warum sich damit schwergetan wird, ist der steigende Stresslevel unter Wasser, der den Atemreflex auslöst und den Taucher veranlasst, schnellstmöglich wieder aufzutauchen. Die erste Technik, die daher gelehrt wird, ist, sich zu entspannen. Alles dreht sich nur um diesen Punkt, denn unter Stress lässt sich nicht tauchen.“
Im zweiten Schritt wird der Atemdrang kontrolliert. Plötzliche Zwerchfellkontraktionen signalisieren Sauerstoffmangel und fühlen sich wie Schläge in die Magengrube an. Diese Krämpfe erhöhen den Blutfluss zum Herzen und sind bei Sauerstoffmangel sogar hilfreich. Trotzdem kann es zu Blackouts kommen, weshalb nie allein getaucht werden sollte.
„Gerätetauchen ist ein Sport mit dem Blick nach draußen, um die Unterwasserflora und -fauna zu entdecken. Beim Freitauchen schauen die Taucher mehr in ihr inneres Ich, um vollständig in den Moment einzutauchen – ähnlich wie bei einer Meditation“, beschreibt Girard den wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Taucharten. Der Lernfortschritt beim Apnoetraining gelingt meist sehr schnell. Bereits nach einem dreitägigen Basiskurs können die meisten die Luft deutlich länger anhalten.
Pionier dieses speziell für Bootsfahrer konzipierten Tauchsystems ist der Schwabe Rainer Michelbach. 1997 wurde der Prototyp des Tiefschnorchelgeräts Freediver beim Germanischen Lloyd vorgestellt und seitdem beständig weiterentwickelt. Das Prinzip: Ein Kompressor an der Oberfläche saugt Umgebungsluft durch ein Ventil an, verdichtet diese und pumpt sie durch einen Schlauch zum Mundstück des Tauchers. Das geht so lange, wie die Batterie des Kompressors hält. Je nach Tauchtiefe und Akkukapazität sind das zwischen 30 und 70 Minuten.
Der Kompressor kann entweder an Bord mit einer Bordbatterie verbunden werden oder im eigenen Akkubetrieb auf einem aufblasbaren Rettungsring dem Taucher folgen. Crews sind in der Lage, sich in aller Ruhe selbst zu helfen. Etwa bei kleinen Reparaturarbeiten. Aufgrund der kompakten Packgröße ist das System insbesondere bei Langfahrtseglern recht populär und wurde insgesamt rund 3.000-mal verkauft.
Je nach Druckeinstellung sind bis zu 14 Meter Tauchtiefe möglich. Da es sich wie beim Scuba um komprimierte Luft handelt, sollte bei Tauchtiefen ab sechs Metern auf das langsame Wiederauftauchen geachtet werden. Als Faustregel gilt: nicht schneller, als die eigenen Luftblasen aufsteigen. Oder wer mit Taucheruhr unter Wasser gegangen ist: nicht mehr als zehn Meter pro Minute.
Für kurze Tauchgänge in geringen Tiefen finden sich mehrere Mini-Flaschen-Modelle auf dem Markt. Die Mini Dive Air etwa ist eine 0,5-Liter-Aluflasche mit 200 bar und einem Atemregler samt Mundstück direkt an der Flasche. Laut Hersteller ermöglicht dieses Modell fünf bis zehn Minuten Tauchzeit. Mit einer Handpumpe lässt sich die Flasche manuell wieder füllen.
Bei diesen Systemen ist jedoch Vorsicht geboten, da die Gefahr der Selbstüberschätzung groß ist. Gerät ein ungeübter Taucher in eine kritische Situation, wird unter Stress weit mehr Atemluft verbraucht – womit die Mini-Flasche sofort leer wäre. Genauso verhält es sich, wenn man zu tief damit taucht.
Die Taucherkrankheit entsteht durch unzureichende Dekompression nach erhöhtem Umgebungsdruck. Beim Tauchen nimmt der Körper Stickstoff auf, der beim Aufstieg wieder freigesetzt wird. Bei zu schneller Dekompression entstehen Blasen im Gewebe, die Gehirn, Lunge und andere Körperteile schädigen können.
Es gibt zwei Arten der Taucherkrankheit: eine milde, meist leicht behandelbare Form und eine schwere, die langfristige Komplikationen verursacht. Typ 1 zeigt Symptome wie juckende Haut und Kribbeln, während Typ 2 Lähmungen, Bewusstlosigkeit und Beeinträchtigungen wichtiger Gehirnfunktionen verursachen kann. Bei solchen Symptomen, ob leicht oder schwer, muss der Taucher sofort das Wasser verlassen und reinen Sauerstoff erhalten. Schwere Symptome erfordern eine Sauerstoffkammer.
Sicherheitsstopps verlangsamen das Auftauchen, um die Stickstoffsättigung im Körper zu senken. Tiefe und Dauer der Stopps hängen von der Tauchtiefe, der Grundzeit (Zeitspanne vom Abtauchen bis zum Start des Auftauchens) und der Restsättigung aus früheren Tauchgängen ab. Die Zahlen werden mithilfe einer Dekompressionstabelle oder eines Tauchcomputers ermittelt.
Wer nicht tiefer als zehn Meter taucht, setzt sich der Gefahr der Taucherkrankheit gar nicht erst aus. Experten raten dennoch, beim Auftauchen generell einen Sicherheitsstopp in einer Tiefe von drei Metern einzulegen. Für den Aufstieg daher immer ausreichend Zeit einplanen.
Bleibt noch die Urangst vor der Begegnung mit einem größeren Hai. Auch wenn Taucher extrem selten von den Tieren angegriffen werden, hat Tauchexperte Alexis Girard wertvolle Tipps zur Verhaltensweise für den Fall eines Zusammentreffens: „Stets den Rundumblick bewahren, denn die Räuber attackieren gerne von hinten. Und sollte ein Hai zu neugierig werden, empfiehlt sich direkter Augenkontakt sowie sich selbst vertikal im Wasser auszurichten.“
Nicht minder wichtig sei es, Ruhe zu bewahren, auch wenn das naturgemäß schwerfalle, erklärt Girard. In den meisten Fällen reiche das aus, um dem Hai zu signalisieren, dass man nicht ins Beuteschema passe. Hat man zuvor erlegte Fische bei sich, sollte man diese abwerfen. Dann langsam auftauchen und den Hai mit den Flossen auf Abstand halten. Zum Schluss fügt der Experte augenzwinkernd hinzu: „Selfie nicht vergessen!“
Praxis des Tauchens vermittelt die Grundlagen und weiterführende Kenntnisse für das Gerätetauchen. Das Lehrbuch begleitet die Ausbildung vom Grundtauchschein bis zu höheren Tauchsportabzeichen und behandelt auch Orientierung sowie Tauchsicherheit. Fragenkataloge mit Antworten helfen dabei, das Gelernte zu überprüfen.
Aufbaukurs Tauchsicherheit und Rettung / Medizin-Praxis / Herz-Lungen-Wiederbelebung richtet den Blick auf den Ernstfall. Im Mittelpunkt stehen das Vorbeugen und Erkennen von Problemen sowie Maßnahmen bei Tauchunfällen. Das Buch begleitet die entsprechenden Aufbaukurse und bietet Lernerfolgskontrollen mit Musterantworten.
Würdet ihr bei einer Leine im Propeller selbst abtauchen oder ist das grundsätzlich ein Fall für ausgebildete Taucher? Welche Ausrüstung nutzen Sie für Arbeiten unter Wasser? Schreiben Sie Erfahrungen und Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur News & Panorama
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