WerkstattSo reparieren Sie Ihr Schlauchboot – Anleitung Schritt für Schritt

Michael Rinck

 · 30.04.2026

Werkstatt: So reparieren Sie Ihr Schlauchboot – Anleitung Schritt für SchrittFoto: Adobe Stock/Edsweb
Nicht schlappmachen! So reparieren Sie Ihr Schlauchboot.
Ein ​Schlauchboot ist praktisch und robust – solange die Luft nicht entweicht. Was bei akutem Druckverlust hilft.

Themen in diesem Artikel

​Verliert das Beiboot Luft, gehören zu den üblichen Verdächtigen die Ventile, sie sollten als Erstes geprüft werden. Dazu benetzt man sie mit Spüli-Wasser. Treten Blasen auf, genügt es häufig schon, die Ventile herauszuschrauben, abzuwaschen und wieder einzusetzen. Ist aber ein Loch im Schlauch, hilft die Clamseal von Barton. In unserem Versuch funktionierte die Kunststoffklemme so gut, dass jedem Schlauchboot-Eigner nur empfohlen werden kann, sie an Bord mitzuführen. Das vielen Beibooten beiliegende Flickzeug ist allenfalls zur kurzfristigen Reparatur geeignet – der Kleber bietet nur begrenzte Haftung. Dauerhaft lässt sich ein solcher Schaden nur von innen und mit speziellem Kleber beheben.


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Eine derartige Reparatur haben wir in der Schlauchboot-Werkstatt von Gründl Bootsimport in Bönningstedt begleitet. Die Arbeiten sind nicht schwierig, der sofort haftende Kontaktkleber ist aber recht teuer, und das Anbringen der Flicken im Schlauch erfordert ein wenig Übung und Geschick. Bevor man viele Versuche unternimmt, ist es oft günstiger, das Boot gleich vom Profi reparieren zu lassen.

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Schritt für Schritt zur schnellen Notfallreparatur

Die Clam­seal besteht aus zwei Kunststoffplatten, die per Zentralschraube gepresst werden. Sie kostet etwa 25 Euro.
Foto: Hauke Schmidt
Mit dem Kunststoffpfropfen lassen sich Risse bis zu neun Zentimeter Länge sofort flicken – selbst bei Nässe.
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Schritt für Schritt zur dauerhaften Reparatur

Der Schnitt im Schlauch ist etwa sieben Zentimeter lang. Kleinere Schäden müssen eventuell vergrößert werden, damit von innen gearbeitet werden kann.
Foto: Hauke Schmidt
Damit der Luftschlauch permanent dicht ist, muss der Flicken von innen aufgesetzt werden, das erfordert Übung. Zudem müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen.

Das Standard-Flickzeug fürs Schlauchboot

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFoto: Hauke Schmidt

​Etwas PVC-Material, eine Tube Kleber, eine Anleitung und ein Schlüssel zum Ausbau der Ventile, so sieht das den meisten Schlauchbooten beiliegende Flickset aus. Damit sich das Material einfach verarbeiten lässt, handelt es sich bei dem Kleber um ein Ein-Komponenten-Produkt, das nur oberflächlich am PVC anhaftet. Daher sind mit diesem Material ausgeführte Reparaturen eher als Notbehelf anzusehen – häufig lösen sich die Flicken schon nach kurzer Zeit.


Kleben wie die Profis

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFoto: Hauke Schmidt

​Für eine dauerhafte Reparatur benötigt man Zwei-Komponenten-Kleber wie diesen von Zodiac, 250 Milliliter kosten etwa 35 Euro. Einmal angemischt, muss er innerhalb von zwei bis drei Stunden verarbeitet werden. Wird er dabei milchig-weiß, ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und der Kleber unbrauchbar. Die Temperatur sollte von der Verarbeitung bis zum vollständigen Abbinden, was etwa 24 Stunden dauert, über 20 Grad liegen. PVC muss vor dem Kleben quasi chemisch angeschliffen werden. Dazu verwendet man Methylethylketon (MEK), auch Butanon genannt. Das Lösungsmittel gibt es im Fachhandel oder in der Apotheke. Dort erhält man auch Ethylacetat, mit dem sich Kleberreste und Verschmutzungen gut entfernen lassen.


Kurz und knapp: Checklisten zum Abhaken

​Schnelle Notfallreparatur

Vorbereitung

  • Clamseal bereithalten (ca. 25 Euro)
  • Leck-Größe prüfen (mindestens 7 cm Länge erforderlich)
  • Falls nötig: Kleine Löcher auf 7 cm aufschneiden

Montage

  • Klemmmutter der Clamseal lösen
  • Untere Platte zur Hälfte in den Schnitt schieben
  • Platte um 90 Grad drehen
  • Platte vollständig durch die Öffnung drücken
  • Platte am Bändsel in Position ziehen. Achtung: Seil kann sich aus Klemme lösen!
  • Außenplatte aufstecken
  • Mutter festdrehen

Dichtigkeitsprüfung

  • Schlauch aufpumpen
  • Spüli-Test durchführen (keine Blasen = dicht)

Dauerhafte Reparatur

​Vorbereitung

  • Schnittlänge prüfen (falls nötig: auf 7 cm vergrößern)
  • Flickengröße bemessen (2,5 cm Überlappung auf beiden Seiten des Risses)
  • Flicken zuschneiden
  • Methylethylketon (Lösungsmittel) und Zwei-Komponenten-Kleber bereitstellen
  • Folie zum Abdecken
  • Kugelschreiber mit grüner Tinte bereitlegen

Vorbehandlung

  • Innenseite des Schlauchs mit Methylethylketon abwischen
  • Flicken mit Methylethylketon abwischen
  • Riss in Flickenmitte mit grüner Tinte anzeichnen

Kleben

  • Zwei-Komponenten-Kleber anmischen
  • 1. Schicht auf Flicken auftragen, 5 Min. ablüften lassen
  • 1. Schicht auf Schlauch-Innenseite auftragen, 5 Min. ablüften lassen
  • 2. Schicht auf Flicken auftragen, 5 Min. ablüften lassen
  • 2. Schicht auf Schlauch-Innenseite auftragen, 5 Min. ablüften lassen
  • 3. Schicht auf Flicken auftragen, 5 Min. ablüften lassen
  • 3. Schicht auf Schlauch-Innenseite auftragen, 5 Min. ablüften lassen

Montage

  • Flicken mit Folie abdecken
  • Flicken aufrollen
  • Flicken in Schlauch stecken
  • Flicken ausrollen und positionieren (Markierung genau unter Riss)
  • Folie vorsichtig entfernen️. Achtung: Schlauch und Flicken dürfen sich noch nicht berühren!
  • Schlauch fest und faltenfrei andrücken. Wichtig: Nach Kontakt lässt sich nichts mehr bewegen!
  • 24 Stunden abbinden lassen
Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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