Ferngläser: 7x30 im PraxistestFoto: Thomas Bock

Sicherheit an Bord Ferngläser: 7x30 im Praxistest

Thomas Bock

 10/12/2011, Lesezeit: 3 Minuten

Nachdem lange nur große Seegläser im Format 7 x 50 zu bekommen waren, gibt es jetzt auch handliche 7 x 30-Optiken für Bootsleute. Ein Vergleichstest.

Boot fahren ohne Fernglas geht nicht! Dafür gibt es neben den navigatorischen Hausaufgaben auf dem Wasser einfach zu viel zu sehen. Boote, Betonnung und Bikinis gehören zweifelsohne zu den beliebtesten Beobachtungsobjekten.

Bild 10Foto: Thomas Bock
Insgesamt kamen 15 Modelle auf den Prüfstand.Foto: Thomas Bock
Insgesamt kamen 15 Modelle auf den Prüfstand.
Alle Testferngläser auf einen Blick. Durch die speziellen Vergütungstechniken der Hersteller schimmern die Linsen der Okulare in den unterschiedlichsten Farben.Foto: Thomas Bock
Alle Testferngläser auf einen Blick. Durch die speziellen Vergütungstechniken der Hersteller schimmern die Linsen der Okulare in den unterschiedlichsten Farben.
Am Kollimator werden Fehlstellungen der Fernglashälften zueinander sichtbar. Sind die Rohre genau parallel montiert, liegen die Abbildungen exakt übereinander.Foto: Thomas Bock
Am Kollimator werden Fehlstellungen der Fernglashälften zueinander sichtbar. Sind die Rohre genau parallel montiert, liegen die Abbildungen exakt übereinander.
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.Foto: Thomas Bock
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.Foto: Thomas Bock
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.
Trotz bester Messtechnik spielt bei der Überprüfung von Optiken der Mensch immer noch eine Rolle.Foto: Thomas Bock
Trotz bester Messtechnik spielt bei der Überprüfung von Optiken der Mensch immer noch eine Rolle.
Nur wenn die im Fernglas verbauten Linsen einwandfrei und präzise geschliffen sind, kann daraus echte Hochleistungsoptik werden.Foto: Thomas Bock
Nur wenn die im Fernglas verbauten Linsen einwandfrei und präzise geschliffen sind, kann daraus echte Hochleistungsoptik werden.
Im Produktionsprozess (hier bei Steiner) wird die Qualität ständig kontrolliert.Foto: Thomas Bock
Im Produktionsprozess (hier bei Steiner) wird die Qualität ständig kontrolliert.
Transmissionsmessung in der Dunkelkammer. Je hochwertiger das optische System im Fernglasinneren ist, desto mehr Licht gelangt an
	das Auge des Beobachters.Foto: Thomas Bock
Transmissionsmessung in der Dunkelkammer. Je hochwertiger das optische System im Fernglasinneren ist, desto mehr Licht gelangt an das Auge des Beobachters.
Bild 10Foto: Thomas Bock
Insgesamt kamen 15 Modelle auf den Prüfstand.Foto: Thomas Bock
Insgesamt kamen 15 Modelle auf den Prüfstand.
Insgesamt kamen 15 Modelle auf den Prüfstand.
Alle Testferngläser auf einen Blick. Durch die speziellen Vergütungstechniken der Hersteller schimmern die Linsen der Okulare in den unterschiedlichsten Farben.
Am Kollimator werden Fehlstellungen der Fernglashälften zueinander sichtbar. Sind die Rohre genau parallel montiert, liegen die Abbildungen exakt übereinander.
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.
Damit an den Glas-Luftflächen im Fernglas so wenig wie möglich Licht reflektiert wird, werden die Prismen und Linsen mit unterschiedlichen metallischen Verbindungen versehen, die in einem Spezialofen aufgedampft werden.
Trotz bester Messtechnik spielt bei der Überprüfung von Optiken der Mensch immer noch eine Rolle.
Nur wenn die im Fernglas verbauten Linsen einwandfrei und präzise geschliffen sind, kann daraus echte Hochleistungsoptik werden.
Im Produktionsprozess (hier bei Steiner) wird die Qualität ständig kontrolliert.
Transmissionsmessung in der Dunkelkammer. Je hochwertiger das optische System im Fernglasinneren ist, desto mehr Licht gelangt an
	das Auge des Beobachters.
Bild 10

Als optisches Hilfsmittel nahmen versierte Skipper bisher das klassische Wassersportfernglas mit 7facher Vergrößerung und 50 mm Objektivdurchmesser, kurz 7 x 50, zur Hand. Optiken mit diesen Kenngrößen haben sich über Jahrzehnte an Bord bewährt.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Mit der 7fachen Vergrößerung kann man auch bei schwankendem Untersatz bequem das „Ziel“ im Auge behalten, und die „dicken“ 50-mm-Objektive gewährleisten auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen immer noch genügend Lichteinfall.

Nachteil dieser maritimen Optiken: Oftmals sind sie bleischwer, unhandlich und für kleinere Boote entschieden zu groß. Es liegt nahe, dass Gegenstände mit solchen Eigenschaften es nicht gerade oft bis ins Bootsgepäck fürs Wochenende schaffen.

Einer, der dieses Dilemma ebenfalls erkannt hat, ist Steiner Optik. Die in Bayreuth ansässige Firma entwickelte aus diesem Grund das deutlich klei-nere Commander 7 x 30, ein handliches, kleinboottaugliches Fernglas, das in der optischen Leistung seinen großen 7-x-50-Brüdern kaum nachstehen soll. Auch kann der Mini namens Commander dank blauer Gummiarmierung, gelber Schwimmriemen und mitgelieferter Teakholzkästchen seine maritime Herkunft nicht verleugnen.

Andere namhafte Hersteller bieten ebenfalls kleine Kompaktgläser an. Diese sehen oftmals nicht so „seegängig“ aus wie die Commanderserie aus dem Frankenland und weichen zuweilen auch leicht von den Kenngrößen 7 x 30 ab. Dennoch, warum soll ein Fernglas, das eigentlich für Vogelbeobachter, Wanderer oder Jäger gedacht ist, nicht auch an Bord eines Sportbootes seinen Dienst tun? Eine Frage, der wir im Labor und auf dem Wasser nachgegangen sind.

Wer sich im Fachgeschäft oder im Internet nach einem neuen Fernglas umschaut, wird von dem Angebot schlichtweg erschlagen. Vom handtellergroßen 3-x-15-Opernglas bis zum wuchtigen 20-x-80-Beobachtungsglas für Grenzschützer und Scharfschützen ist alles zu bekommen. Gottlob schrumpft die Gruppe, wenn man gezielt nach Optiken mit 7-facher Vergrößerung und 30 mm Objektivdurchmesser sucht.

Da, wie bereits gesagt, nicht alle Hersteller genau solche Modelle fertigen, haben wir die Testauswahl auf 8-x-30- beziehungsweise 7-x-42-Gläser erweitert. Unter dem Strich kamen so 15 Ferngläser zusammen, darunter preisgünstigere Optiken (bis 300 Euro) zum Beispiel von Bushnell, und Spitzenferngläser von Zeiss, Swarovski und Leica, die problemlos die 1600-Euro- Marke überspringen. Im preislichen Mittelfeld liegen die Marken Steiner, Fujinon und Nikon, deren Testprodukte jeweils für unter 1000 Euro zu haben sind.

Wer an einem strahlenden Sonnentag durch Ferngläser unterschiedlicher Preiskategorien schaut wird zwischen den preiswerten und den teuren Gläsern kaum einen Unterschied feststellen können – vorausgesetzt die Optiken sind mechanisch einwandfrei montiert und die Fernglashälften akkurat parallel zueinander ausgerichtet. In diesem Fall kann man mit dem bloßen Auge nur schwerlich nennenswerte Mängel erkennen. Die zeigen sich in der Praxis erst bei schwindendem Licht beziehungsweise auf dem optischen Prüfstand im Labor.

Da Fernglasbeobachtungen im Freien nur rein subjektiver Natur sein können und auch stark von der Sehleistung des Betrachters abhängen, haben wir zur Beurteilung der einzelnen Ferngläser nur die nachvollziehbaren Laborergebnisse verwendet. Dazu gehören unter anderem die folgenden Messpunkte:

  • Auflösung
  • Kollimation
  • Vergrößerung
  • Sehfeld (1000 m)
  • Objektivdurchmesser
  • Transmission

Ferner haben wir alle Gläser Kälte- beziehungsweise Hitzetests unterzogen. Im Anschluss daran erfolgte ein Vibrationstest, bei dem die Gläser kurzzeitig der 11fachen Erdbeschleunigung (11G) ausgesetzt waren. Später wurden die Fernglashälften erneut auf korrekte (parallele) Montage überprüft.