Fit fürs FunkenDer Weg zum Schein

Jill Grigoleit

 · 22.02.2026

Auf dem Weg zum amtlichen Sprechfunkzeugnis: Funkkurse vermitteln mehr als bloße Theorie.
Foto: Christian Tiedt
​In den Prüfungen zu SRC und UBI wird einiges abgefragt: Abläufe, Vorschriften, Technik, Fachvokabular. Wer sie besteht, bringt eine wichtige Grundlage mit an Bord. Wie man richtig Funken lernt und wieso die Scheine Sicherheit und Ruhe im Funk vermitteln.

​Es ist ein dunkler, kalter Winterabend, und obwohl der karge Vorraum des Prüfungszentrums, in dem ich sitze, nur auf ein Mindestmaß beheizt ist, schwitzen meine Hände. Vor mir steht ein Funkgerät. Glücklicherweise das gleiche Modell, wie ich es aus dem Funkkurs am letzten Wochenende kenne. Neben mir mein Prüfungspartner, ebenfalls ein Bekannter aus dem Kurs. Jeder von uns hält ein kleines Kärtchen in der Hand mit Informationen zu der simulierten Situation, für die wir gleich einen Funkspruch absetzen sollen. Der Prüfer schaut meinen Kollegen an, nickt knapp. „Sie beginnen.“

Die praktische Prüfung

Mein Partner greift zum Mikrofon. Es geht um eine Notmeldung. Ein Klassiker. Ich kenne den Ablauf, habe ihn dutzendfach geübt. Doch bereits nach wenigen Sekunden wird klar: Das läuft schief. Denn nach dem dreifach wiederholten Mayday wiederholt er „to all stations“. Bei einer Notmeldung wird kein Adressat genannt. Der Prüfer hebt die Augenbrauen und unterbricht: „Atmen sie einmal tief durch, denken kurz nach und versuchen es noch mal.“ Mein Partner stockt – dann fällt der Groschen. Er fängt von vorne an, und im zweiten Anlauf läuft es reibungslos. Der Prüfer gratuliert und wendet sich mir zu: „Und jetzt beenden Sie bitte den Notverkehr.“ Ich greife zum Mikrofon. In meinem Fall also: Nur einmal „Mayday“ und dieses Mal tatsächlich dreimal „All stations“.

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Langsam und konzentriert lese ich Callsign und MMSI von meinem Kärtchen ab und halte mich exakt an das Schema vor meinem inneren Auge. Als ich beim „Silence Fini“ ankomme und hochschaue, nickt der Prüfer und lächelt mich aufmunternd an. Die Anspannung fällt ab.

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In unserem Artikel So funkt man richtig finden Sie Anrufschemata, die wichtigsten Funktionen des Funkgeräts und gute Gründe, weshalb Sie öfter zum Mikrofon statt zum Smartphone greifen sollten.


Keine Angst vorm Funken - Der Respekt vorm Mikro

Ich gebe zu: Große Lust, mich intensiver mit dem Funken zu beschäftigen oder mich gar auf eine Prüfung vorzubereiten, hatte ich nicht. Nicht weil ich es unwichtig fand – im Gegenteil. Wie viele Skipper habe ich einen unerklärlichen Respekt vor dem Mikrofon in der Hand. Beim Delius-Klasing-Webinar „Funk – deine Verbindung auf See“ ergab kürzlich eine Umfrage unter den 134 Teilnehmenden, dass 68 Prozent von ihnen bereits ein Funkzeugnis besaßen, diese Qualifikation in der Praxis aber so gut wie nie nutzten. Aber warum ist das so?

Die Vermutung liegt nahe, dass ein Zeugnis allein nicht ausreicht, um die Hemmungen zu verlieren. Aber ein Anfang ist es allemal, und der Winter schien mir der richtige Zeitpunkt, mich dieser Blockade zu stellen. Keine Törns, kein Zeitdruck, keine Ausreden. Also meldete ich mich für einen Wochenendkurs SRC und UBI bei der Segelschule Frank Lochte in Lüneburg an – Seefunk und Binnenfunk. Zwei Scheine, einige Überschneidungen, manche Unterschiede und erstaunlich viele Regeln.

Die Funkzeugnisse SRC und UBI

Das Short Range Certificate (SRC) berechtigt zur Teilnahme am UKW-Seefunk. Es ist für Sportbootfahrer vorgeschrieben, sobald ein Funkgerät an Bord ist – egal ob eigenes Boot oder Charter. Wer auf Flüssen, Kanälen oder Seen mit Funkgerät unterwegs ist, braucht den UBI (UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk).

Die Prüfungen bestehen aus drei Teilen: Die SRC-Prüfung beginnt mit dem Diktat eines Seefunktextes auf Englisch, der mitgeschrieben und ins Deutsche übersetzt werden muss. Inklusive internationalem Funk-alphabet. YANKEE ALFA CHARLIE HOTEL TANGO – check, krieg ich hin. Dann muss ein deutscher Seefunktext mit Fachvokabeln ins Englische übersetzt werden. Für mich machbar, für einige meiner „Klassenkameraden“, die zuletzt vor 30 Jahren in der Schule Englisch gesprochen haben, eine echte Herausforderung. Allerdings werden in der Prüfung keine völlig unbekannten Funksprüche abgefragt. Es gibt 27 Mustermeldungen. Wenn man die beherrscht, ist man auf der sicheren Seite.

Richtig Funken - Die Theorie

Der zweite Teil enthält dann 24 (SRC) und 22 (UBI) Multiple-Choice-Fragen zu Funkregeln, Technik, Kanälen und Betriebsabläufen, aus einem beachtlich großen Fragenkatalog zu beantworten (180 Fragen SRC, 130 Fragen UBI). Wer bereits das SRC in der Tasche hat oder wie ich beides zusammen ablegt, muss nur die UBI-Ergänzungsprüfung ablegen, die aus zehn Fragen besteht. Auch das ist machbar – wenn man die Zeit findet, dafür zu lernen. Als hilfreich erweist sich hierbei für mich die Delius-­Kla­sing-­Lern-App. Denn mit ihr kann ich jederzeit, sobald sich eine freie Minute ergibt, pauken. Die Software für das Smartphone arbeitet mit dem Karteikartensystem. Fragen, die ich nicht sicher beherrsche, werden so oft wiederholt, bis die Antworten sitzen.


Listen and Repeat! - ein Lehrbuch für die Praxis​

Der Ratgeber „Funkverkehr an Bord von Yachten“ ist ein Standardwerk für die Prüfungsvorbereitung oder um vorhandenes Wissen aufzufrischen.Foto: Jill GrigoleitDer Ratgeber „Funkverkehr an Bord von Yachten“ ist ein Standardwerk für die Prüfungsvorbereitung oder um vorhandenes Wissen aufzufrischen.

In dem Buch „Funkverkehr an Bord von Yachten“ von Delius Klasing (Heidbrink, ISBN 978-3-667-11430-3, 29,90 Euro) gibt es Übungsaufgaben des Sprechfunkverkehrs für den See- und Binnenbereich auch als MP3-Dateien.


Was mir aber am meisten Respekt einflößt, ist der praktische Teil der Prüfung. Ich muss nachweisen, dass ich mich sicher durch die verschiedenen Programmpunkte eines Funk­geräts navigieren kann, und dann eine komplette Funkmeldung absetzen. Nach den standardisierten Anrufschemata, in der richtigen Reihenfolge, ohne dass ich mich irgendwo verhasple. Und das ist schwieriger, als ich dachte. Da die wenigsten Leute zu Hause ein Funkgerät stehen haben, empfiehlt es sich, einen Kurs zu machen, bei dem man – so banal das klingt – sprechen übt. Denn Funk ist kein Wissen, das man nur abrufen muss – man muss es anwenden, teilweise unter Stress.

Warum Funkdisziplin wichtig ist

Funk lernt man nicht durch reines Auswendiglernen, sondern durch Sprechen, Wiederholen, Fehler. Mayday, Pan-Pan oder Sécurité? Im Fall der Fälle muss ich auch unterscheiden können: Ist das ein Notfall? Dringlichkeit? Oder Sicherheit? Wann sage ich was und in welcher Reihenfolge, und was muss ich wie oft wiederholen? Beim Anblick der verschiedenen Anrufschemata raucht mir der Kopf. Vor allem als ich versuche, die Funksprüche ohne den Merkzettel aufzusagen. Vor meinem geistigen Auge schwirrt alles fröhlich durcheinander, immer vergesse ich irgendwas. Schiffsnamen dreimal, Rufzeichen, MMSI, noch mal Schiffsnamen, einmal. Ah, Mist, die Position vergessen! Dazu der Wechsel zwischen See und Binnen, Englisch und Deutsch. Dann der ganze Routineverkehr mit eigenen Kanälen und eigenem Protokoll.

Dabei sind die Regeln eigentlich nicht kompliziert, sondern logisch: Zuerst kommt immer der Adressat, damit alle, die mithören, sofort mitbekommen, wer gemeint ist. Wenn man die Reihenfolge nicht einfach nur stumpf auswendig lernt, sondern verstanden hat, welchen Zweck sie erfüllt, fällt es gleich viel leichter, sie abzurufen.

See und Binnen - die wichtigsten Unterschiede

Mit Kombifunkgeräten kann man zwischen See- und Binnenfunk wechseln. Die wichtigsten Unterschiede: Während man im Seefunk vor dem Anfunken von Häfen manuell von 25 auf 1 Watt Sendeleistung reduziert, damit man dem Adressaten nicht „ins Ohr“ schreit und alles andere übertönt, schalten die Geräte beim Umschalten der Channel Group von DSC auf ATIS automatisch auf die geringere Sendeleistung, denn binnen wird grundsätzlich mit 1 Watt gefunkt.

Außerdem wichtig: Auf See ist Kanal 16 der internationale Not- und Anrufkanal. Im Binnenfunk hingegen dient Kanal 10 diesem Zweck und Schiffe müssen ständig eine Hörbereitschaft sicherstellen. Diese ist im Seefunk mit dem DSC weggefallen. Denn durch das Digital Selective Calling (digitaler Selektivruf) wurde die permanente Hörwache auf Kanal 16 obsolet, weil ein lautes Piepen ertönt, sobald ein Alert eingeht, egal welcher Kanal vorher eingestellt war.

Der direkte Draht - Rettung per Knopfdruck

Jede Seefunkstelle mit DSC erhält außerdem eine individuelle Nummer, die MMSI, über die man auch direkt anrufen kann. Über AIS kann man die MMSI der Schiffe in der Nähe einsehen. Der digitale Selektivruf bietet im Gegensatz zum Anruf per Mobilfunk entscheidende Vorteile: Zum einen ist er unabhängig von der Netzabdeckung, und zum anderen werden im Notfall alle wichtigen Daten, wie die Position, Schiffskennung und – wenn im Menü bereits ausgewählt – sogar die Art des Notfalls, per Knopfdruck übermittelt. Und zwar nicht nur an die zuständige Seenotleitstelle (deren Telefonnummer man erst mal zur Hand haben müsste), sondern an alle in der Nähe befindlichen Schiffe.

Das bedeutet: Selbst wenn man sich außerhalb der Reichweite der nächsten Küstenfunkstelle befindet, besteht eine gute Chance, dass eine andere Seefunkstelle den Notruf hört und weiterleitet.

Routinefunk - und wie man Routine beim Funken erlangt

Im Binnenfunkbereich gibt es hingegen kein DSC. Stattdessen wird ATIS genutzt, eine automatische Kennung am Ende jeder Aussendung. Nach dem Kontakt über den Anrufkanal wird – binnen wie auf See – auf einen Arbeitskanal gewechselt. Zwar gibt es auch hier prinzipiell eine Funk-Etikette, im Alltag erweist sich die Kommunikation dann aber meist als entspannter, als es in der Theorie gelehrt wird. So wie wenn man eine Fremdsprache lernt, empfiehlt es sich, Funkgespräche mitzuhören, um ein Gefühl dafür zu entwickeln und sein Vokabular zu erweitern.

Ein paar Tage später liegen die beiden Scheine in meinem Briefkasten. Ein roter und ein blauer. Ich weiß nun also, wie Funken funktioniert. Aber ähnlich wie beim Sportbootführerschein sagen sie wenig darüber aus, wie versiert ich in der Praxis bin. Denn Funk ist nun mal kein Wissen, das man sich einmal aneignet und dann besitzt. Funken ist eine Fertigkeit, die verschwindet, wenn man sie nicht anwendet. Sicherheit entsteht durch Wiederholung. Durch das scheinbar banale Anrufen eines Hafens. Durch den Mut, das Mikrofon in die Hand zu nehmen, auch wenn es theoretisch mit dem Mobiltelefon ginge. Damit der erste Funkspruch nach der Prüfung nicht erst die Notfallmeldung außerhalb der Handynetzreichweite ist. Zusammengefasst: Durch Funken, so oft es geht.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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