Ein Tag auf dem Wasser – Sonne, Wind und das Gefühl von Freiheit. Doch während die kühlende Brise auf der Haut angenehm ist, lauert eine unsichtbare Gefahr: UV-Strahlung greift unbemerkt an, reflektiert vom Wasser, verstärkt durch die Höhe über dem Meeresspiegel und selbst bei bewölktem Himmel noch wirksam. Viele Wassersportler unterschätzen das Risiko, denn der kühlende Fahrtwind täuscht darüber hinweg, wie intensiv die Sonne tatsächlich auf Haut und Augen einwirkt. Die Folgen zeigen sich oft erst Jahre später: vorzeitige Hautalterung, Augenschäden und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Dabei lässt sich mit den richtigen Maßnahmen effektiv vorbeugen. Worauf es beim UV-Schutz an Bord wirklich ankommt – und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.
Die einfachste Schutzmaßnahme ist spezielle UV-Schutzkleidung. Doch Vorsicht: Tests unseres Schwestermagazins YACHT zeigten, dass bei einigen Shirts kaum eine Schutzwirkung messbar war. Werbung und Wahrheit lagen teils meilenweit auseinander – besonders ärgerlich bei den oft hohen Preisen.
Beim Kauf sollten Sie vor allem auf den UPF-Wert achten – den UV Protection Factor. Dieser wird in einem dekadischen System beziffert: 10, 20, 30, 50 und so weiter. Der UPF gibt an, um wie viel länger Sie sich im Vergleich zur ungeschützten Exposition gefahrlos in der Sonne aufhalten können. Ein Beispiel macht das deutlich: Ein Mensch mit heller, besonders empfindlicher Haut vom Typ 1 kann ohne jeglichen Schutz nur etwa zehn Minuten in praller Sonne verweilen, bevor die Haut Schaden nimmt. Trägt diese Person jedoch Kleidung mit UPF 50, verlängert sich diese Zeit auf 500 Minuten – das sind mehr als acht Stunden theoretischer Schutz.
Der große Vorteil von Schutzkleidung gegenüber Sonnencreme: Der Schutz ist gleichmäßiger. Bei Cremes ist die aufgetragene Menge nie perfekt gleichmäßig verteilt, Stellen werden vergessen oder der Schutz reibt sich ab. Als Faustregel für den Kauf gilt: Je dichter der Stoff eines Kleidungsstücks gewebt ist, desto weniger UV-Strahlung kommt auch an die Haut durch. Halten Sie das Kleidungsstück gegen das Licht – je weniger durchscheint, desto besser der Schutz.
Verlassen Sie sich niemals allein auf Kleidung! Gesicht, Nacken, Ohren, Hände und unbehaarte Kopfpartien brauchen zusätzlichen Schutz. Die Wirkung von Kleidung und Sonnencreme wird ähnlich angegeben: bei Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor SPF (Sun Protection Factor), bei Kleidung mit dem UV-Schutzfaktor UPF (UV Protection Factor). Beide geben an, um wie viel länger man sich geschützt der Sonne aussetzen kann – abhängig vom individuellen Hauttyp.
Während Skifahrer selbstverständlich zur Sonnenbrille greifen, wird dieser Schutz an Bord oft vernachlässigt – besonders an bewölkten Tagen. Ein Fehler mit Folgen! Des Skippers Auge schweift allzu oft schutzlos Richtung Horizont, dabei können auch die vom Wasser reflektierten UV-Strahlen noch erhebliche Schäden anrichten.
Das Tückische an UV-Schäden am Auge: Die gefährlichen, bleibenden Schäden an der Augenlinse sowie der Netzhaut sind zunächst völlig schmerzlos und machen sich erst über Jahre bemerkbar. Die Linsentrübung, bei vielen Menschen als „Grauer Star" oder Katarakt im fortgeschrittenen Lebensalter auftretend, führt zu einem allmählichen Verlust der Sehschärfe. Hinzu kommt eine zunehmende Blendungsempfindlichkeit, die sich durch die diffuse Lichtbrechung im vorderen Augenabschnitt erklären lässt. Auch die Netzhaut kann irreversible Schäden davontragen, die das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen. Übertriebene Panik ist nicht angebracht, doch eine Sonnenbrille mit gutem UV-Schutz ist und bleibt ein Muss für jeden Törn.
Kinder unter 10 Jahren sind besonders gefährdet: Ihre Augenlinse ist noch nicht vollständig ausgereift und filtert UV-Strahlung deutlich schlechter als bei Erwachsenen. Aufgrund dieser noch nicht voll ausgebildeten Augenlinse treffen bei Kindern bis zu 75 Prozent der UV-Strahlung direkt auf die Netzhaut – und können dort irreversible Schäden verursachen. Verantwortungsbewusste Eltern sollten daher unbedingt auch für ihre Kinder auf einen hochwertigen Sonnenschutz für die Augen achten, der zusätzlich unfallsicher aus splitterfreiem Kunststoff gefertigt sein sollte, um Verletzungen zu vermeiden.
Viele Verwender einer Sonnenbrille verwechseln den medizinisch besonders relevanten UV-Schutz mit dem spürbaren Blendschutz. Letztgenannter hängt unmittelbar mit der Tönung der Brillengläser zusammen, UV-Schutz ist hingegen für den Anwender unsichtbar. Dabei kann es selbst bei 100-prozentigem UV-Schutz zu Blendungen der Augen kommen – wenn die Tönung zu schwach ist. Im Einsatz an reflektierenden Oberflächen wie Wasser (20 Prozent Reflexion) oder hellem Sand am Strand ist neben dem UV-Schutz eine ausreichende Tönung der Sonnenbrille deshalb ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium. Empfehlenswert ist für den Wassersport mindestens die Blendschutzkategorie 3.
Die Färbung der Gläser ist primär Geschmackssache und korreliert nicht mit dem Grad des UV-Schutzes. Braune, graue und grüne Gläser verfälschen Farben jedoch am wenigsten, sodass sie gerade fürs Navigieren und Beobachten an Bord erste Wahl sein sollten.
Trotz aller Vorsicht erwischt? So behandeln Sie Sonnenbrand richtig:
1. Kühlen
2. Feuchtigkeit spenden
3. Schmerzen lindern
4. Viel trinken
5. Weitere Sonne meiden
6. Blasen nicht öffnen
Sofort ärztliche Hilfe suchen bei:
UV-Schutz an Bord ist keine Geschmacksfrage, sondern gesundheitliche Notwendigkeit. Mit der richtigen Kombination aus Schutzkleidung, Sonnencreme und Sonnenbrille genießen Sie Ihre Zeit auf dem Wasser – ohne Ihr UV-Lebenszeitkonto zu überziehen.
Denken Sie daran: Die Haut vergisst nie!

Redakteur Test & Technik