RettungswestenlichterAuf See zählt mehr als Helligkeit

Ursula Meer

 · 12.10.2026

Rettungswestenlichter: Auf See zählt mehr als HelligkeitFoto: Hersteller
Wer nachts über Bord geht, kann mit einer Beleuchtung an der Rettungsweste wesentlich leichter gefunden werden. Die Hersteller setzen auf unterschiedliche Modelle - heute oft mit LED-Technik.
Ein Licht blinkt knapp über den Wellen. Wann sieht die suchende Crew es zum ersten Mal? Bei Versuchen von BSH und DGzRS war die Antwort überraschend: Das im Labor schwächere Glühlampenlicht fiel auf See meist früher auf als die LED.

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Wer nachts über Bord geht, kann schon zwischen kleinen Wellen aus dem Blick geraten. Ein Rettungswestenlicht soll die Person für die suchende Crew sichtbar machen. Es ergänzt Signalfarbe und Reflexstreifen. Zur Alarmierung und Ortung können außerdem Notfallsender für den Einsatz auf See beitragen. Doch wie weit reicht das Licht einer Weste tatsächlich?

Die LED gewinnt im Labor

Für ihren Forschungsbericht verglichen das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zwei zugelassene Rettungswestenlichter: eines mit LED, eines mit Glühlampe. Bei Raumtemperatur erreichte die LED eine effektive Lichtstärke von 1,71 Candela, die Glühlampe 1,27 Candela. Candela beschreibt die Lichtstärke in einer bestimmten Richtung. Auch bei sechs und 14 Grad, entsprechend den Wassertemperaturen der Versuche, lag die LED vorn.

Beide Leuchten übertrafen die vorgeschriebene Mindestlichtstärke von 0,75 Candela. Auch an Land erschien die LED heller und war aus größerer Entfernung zu sehen. Nach diesen Ergebnissen hätte sie auf See ebenfalls zuerst auffallen müssen.

Auf See dreht sich das Bild

Für die Nachtversuche befestigten die Forschenden die Lichter an frei treibenden Versuchskörpern und statteten diese mit AIS-Sendern aus. Schiffe von BSH und DGzRS näherten sich in Suchformation. Mehrere Beobachter hielten fest, wann sie das jeweilige Blinklicht erstmals sahen.

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In drei von vier Versuchen entdeckten sie das Glühlampenlicht aus größerer Entfernung als die LED. Nur einmal gewann das im Labor stärkere Modell. Auf Aufnahmen eines Versuchs aus 445 Metern Entfernung wirkte das Glühlampenlicht größer und etwas heller. Der Forschungsbericht nennt weder Hersteller noch Modellbezeichnungen der verglichenen Leuchten.

Die beiden Organisationen untersuchen gemeinsam die Sichtbarkeit von Rettungsmitteln. Gerade dicht über dem Wasser entscheidet nicht allein der Messwert aus dem Labor darüber, was eine Suchmannschaft wahrnimmt.

Warum fiel die Glühlampe früher auf?

Die Ursache ist noch offen. LED und Glühlampe erzeugen Licht mit unterschiedlicher spektraler Zusammensetzung. Eine Vermutung der Forschenden: Gischt, Schaum, Feuchtigkeit und Wellen könnten einzelne Lichtanteile dicht über der Wasseroberfläche unterschiedlich stark streuen oder abschwächen. Das würde erklären, warum ein Licht trotz höherer gemessener Stärke schlechter zu erkennen sein kann. Belegt ist dieser Zusammenhang bislang nicht.

Dass die LED an Land besser abschnitt, passt zu der Vermutung. Der einzige Seeversuch, bei dem sie zuerst entdeckt wurde, fand allerdings küstennäher und unter anderen Bedingungen statt. Auch das erlaubt noch keine sichere Erklärung.

Für Bootsfahrer ist der Unterschied zwischen den zwei geprüften Leuchten kein Urteil über alle LED-Lichter. Vier Seeversuche und zwei Modelle reichen dafür nicht. Auch Lichtfarbe und Abstrahlung können sich von Modell zu Modell unterscheiden. BSH und DGzRS wollen deshalb weitere Lichtquellen und Bedingungen auf See untersuchen.

Praktisch bleibt wichtig, dass die Leuchte zur Weste passt, richtig sitzt und einsatzbereit ist. Ein wasseraktiviertes Rettungswestenlicht kann die Sichtbarkeit erhöhen, ersetzt aber keine anderen Maßnahmen zur Suche und Rettung. Prüfen Sie beim Warten und Anlegen der Rettungsweste auch das Licht nach Herstelleranleitung. Wie sich verschiedene Westen selbst unterscheiden, zeigt unser Vergleich von Automatik-Rettungswesten.

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Ist Ihre Rettungsweste mit einem Licht ausgestattet? Worauf haben Sie beim Kauf geachtet? Schreiben Sie es in die Kommentare.

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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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