SicherheitRettungsweste richtig warten, packen und anlegen

So soll es sein: Die Weste löst aus und dreht die Person im Wasser auf den Rücken.
Foto: YACHT/Nico Krauss
Im Notfall kann die Rettungsweste Leben retten, deshalb heißt sie so. Die Rettungswesten-Wartung ist deshalb bei automatischen Rettungswesten enorm wichtig und sollte regelmäßig durchgeführt werden. Tipps zur eigenen Sichtkontrolle, zum Packen und zur Wartung beim Profis.

Welche Rettungsweste ist überhaupt geeignet? Hier gehts zum großen Vergleich.

Die Sichtkontrolle der Rettungsweste

Nach dem Winterlager im Keller oder vor dem Start in den Chartertörn sollte eine Rettungsweste immer zumindest einer kurzen Sichtprüfung unterzogen werden. Es kann durchaus vorkommen, dass der Schwimmkörper durch äußere Einflüsse beschädigt wurde und nun Luft verliert. Schuld daran sind mitunter die kantigen Aus­löse-Automaten, spitze Gegenstände im Reisegepäck oder Scheuerstellen an den Außenkanten.

Neuralgischer Punkt, vor allem bei Kinderwesten, ist die Unterseite. Nachlassende Klettverschlüsse, die Schwerkraft und der auf den Stegen umherrutschende Nachwuchs sorgen hier regelmäßig für aufgescheuerte Schwimmkörper. Eine Reparatur im Fachbetrieb ist in manchen Fällen möglich, wenn der genormte Flicken dabei keine Naht berührt. In einigen Fällen ist die CO2-Patrone korrodiert und sollte ersetzt werden. Der Rost gefährdet vor allem die Membran der Weste. Dass der Zylinder undicht wird, ist unwahrscheinlich. Wer so eine Patrone als Ersatz behalten möchte, kann den korrek­ten Füllstand mit einer genauen Waage kontrollieren.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Zur Sichtkontrolle kann die Weste auch einmal ausgelöst werden und es wird überprüft, ob sie die Luft hält. Danach, auch im Falle eines unbeabsichtigten Auslösens und in jedem Fall nach dem Auslösen durch Wasserkontakt, muss die Weste neu präpariert und ordentlich gepackt werden.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Die Rettungsweste richtig Packen

Packanleitung Rettungsweste

Bevor man loslegt, hilft ein  Blick in die Bedienungsanleitung, jedes Modell hat Eigenheiten. Bei einigen Herstellern gibt es die auch online und als Video.
Foto: Jozef Kubica

​Die Packanleitung im Video


Echte Wartung nur beim Profi

Eine Wartung in Eigenregie kann nicht die Inspektion seitens einer Fachwerkstatt ersetzen, der spezielle Prüfeinrichtungen zur Verfügung stehen. Auch die Verwendung von Ersatzsets für die Aus­löse­mechanik kommt keiner Wartung gleich. Die Sets sind nur dafür da, eine bereits aus­gelöste Weste wieder einsatzklar zu machen.

Die meisten automatischen Rettungswesten sollen nach Herstellervorgaben alle zwei Jahre fachkundig geprüft werden. Das ist eine Aufgabe für Profis. Aber nicht jeder, der das von sich behauptet, ist dazu quali­fiziert. Denn Rettungswesten können im Aufbau und in der Ausstattung sehr unterschiedlich sein.

Was kostet die Wartung der Rettungsweste?

Viele Ausrüster und Hersteller bieten die Wartung an; die Angebote variieren stark: Die Preisspanne bewegt sich zwischen 30 und 50 Euro plus eventuellem Austausch von Ersatzteilen, und auch die Wartezeiten sind je nach Wartungsstation und Jahreszeit unterschiedlich lang.

Preis und Dauer sollten aber nicht ausschlaggebend sein für die Wahl der passenden Wartungsstelle. Wer sichergehen möchte, schaut auf die Webseite des Herstellers: Dort sind alle qualifizierten Wartungsstationen aufgelistet. Die Hersteller achten darauf, dass deren Mitarbeiter ihre Westen genau kennen, und schulen sie regelmäßig. Zudem beliefern sie ausschließlich diese Partner mit ihren Original-Ersatzteilen. Selbsternannte Experten gehen bei der Lieferung leer aus. Sie werden auch nicht über technische Änderungen informiert und haben keine Wartungshand­bücher – wer seine Weste zur Wartung in unqualifizierte Hände gibt, riskiert also, sie unzureichend geprüft und mit unpassenden Ersatzteilen ausgestattet zurückzu­bekommen, ohne das auch nur zu ahnen.

Wie lange dauert die Rettungswesten-Wartung?

Grundsätzlich gilt: Wer seine Weste zum Ende der Saison in die Wartung gibt, kann in jedem Fall davon ausgehen, dass er sie vor Saison­beginn zurückbekommt. In der Regel dauert die Prüfung einer Rettungsweste zirka zwei Wochen. Die Wartungsstationen bestätigen aber unisono, dass sich jedes Jahr im Februar und März die Westen bei ihnen stapeln. Dann können es auch schon mal vier oder fünf Wochen werden, bis sie frisch und einsatzbereit zu ihren Eignern zurückkommen – für viele hat die Saison zu dem Zeitpunkt schon begonnen. Alternativ bietet sich in dem Fall die Wartung im Sommer an – dann ist die Lage deutlich entspannter.

Warum die Rettungsweste warten?

Die regelmäßige Rettungswesten-Wartung ist unabhängig davon, wie oft die Westen genutzt werden – sie altern immer. Das Material des Auftriebskörpers kann spröde, Nähte porös werden. Die Dichtigkeit ist dann nicht mehr gewährleistet. Auch bei den Auslöseelementen in der Automatik besteht die Gefahr, dass sie mit der Zeit ihre Wirksamkeit verlieren. An vielen Stellen können kritische Fehler auftreten, die dem Laien nicht ins Auge fallen oder von ihm nicht überprüft werden können. Im Notfall kann dann die Weste versagen.

Daher wird bei der Rettungswesten-Wartung der Schwimmkörper auf Dichtigkeit kontrolliert, CO2-Patrone, Auslösemechanismus und das Mundventil auf Funktionalität. Verschleißteile werden ausgetauscht. Zudem werden sämtliche Nähte und Gurte begutachtet. Einige Hersteller sehen auch vor, dass der Auslöseautomat ausgebaut und im Wasserbad überprüft wird. Damit stellen sie sicher, dass der Dorn, der die CO2-Patrone auslöst, nicht beschädigt ist. Denn der kann zum Beispiel Schaden nehmen, wenn die Weste mal eben ins Cockpit geworfen wird.

Wann ist die Rettungswesten-Wartung fällig?

Bei vielen Westen zeigen Plaketten außen am Gurt, wann die nächste Wartung ansteht. Auch wenn sie denen des TÜV ähneln – so verbindlich oder gar verpflichtend wie die Plakette am Auto sind sie nicht. Der Fachverband Seenotrettungsmittel (FSR) möchte technische Standards bei der Sicherheit auf dem Wasser festlegen. Er hat eine eigene Plakette mit dem Aufdruck „FSR“ herausgegeben, die auch seine Mitglieder erhalten. Damit sind fachgerechte Wartung und Prüfung gewährleistet.

Im Umkehrschluss heißt das Fehlen des Aufdrucks aber nicht zwingend, dass die Begutachtung nicht fachgerecht erfolgt ist. Ausschlaggebend dafür ist allein die Wahl einer qualifizierten Wartungsstation.

Wer nun feststellt, dass seine Weste in den letzten Jahren nicht von Profis gewartet wurde, kann sie immer noch in eine qualifizierte Werkstatt geben. Diese überprüft, ob Änderungen aufgetreten sind, die die Sicherheit beeinträchtigen. Wenn es keine Beanstandungen gibt, vergibt sie die Plakette.

Wie lange halten Rettungswesten?

Maximal 15 Jahre sollten die Rettungs­westen genutzt werden, die Wartung alle zwei Jahre vorausgesetzt. Nach zehn Jahren dürfen Westen nicht mehr von den Wartungsstationen überprüft werden, sondern müssen direkt zum Hersteller, und zwar im jährlichen Abstand.

Auch bei regelmäßiger Wartung sollten sich Eigner wie Gäste mit ihrer Weste vertraut machen und sie vor Törnbeginn oder gelegentlich während der Saison kontrollieren. Ein Reserveset mit Auslöser und CO2-Patrone sollte immer an Bord sein, damit eine ausgelöste Weste wieder aktiviert werden kann. Dabei sind die Vorgaben und Anleitungen der Hersteller zu beachten, nicht nur beim Austausch der Auslöseelemente, sondern auch und besonders beim Falten der Weste. Denn nur bei einer sauber zusammengelegten Weste kann sich der Auftriebskörper ganz entfalten.

Checkliste zur Rettungswesten-Wartung

  • Zeigen die Indikatoren am Auslöse­automaten Grün an? Bei roter Anzeige besteht Handlungsbedarf.
  • Ist die Zellstofftablette im Auslöse­automaten intakt? Diese darf nicht auf­gequollen oder bröselig sein.
  • Ist die Gaspatrone fest eingeschraubt? Sie kann sich bei häufigem Tragen lockern.
  • Sind Salz oder Sand am Schwimm­körper zu sehen? Sie führen zu Scheuerstellen und letztlich zu Undichtigkeit.
  • Ist die Weste korrekt gepackt? Der Schwimmkörper darf nicht durch innen­liegende Gurte eingeschnürt, der Auslöseautomat nicht darin eingewickelt sein.
  • Sind Nähte, Gurte und Verschlüsse intakt? UV-Strahlung schädigt das Material.

Die Rettungsweste richtig anlegen

​Eine passende Rettungsweste auswählen, sie regelmäßig zur Wartung bringen und sich dann auch noch mit der Anleitung vertraut machen, wie sie nach dem Auslösen richtig gepackt wird – das sind wichtige Bedingungen für eine sichere Fahrt.

Noch wichtiger als das Packen, was eher selten vorkommt, ist aber das optimale An­legen der Weste; es ist die Voraus­setzung dafür, dass sie den Kopf im Ernstfall zuverlässig über Wasser hält, ohne dem Träger die Luft abzuschnüren. Dafür ist es besonders wichtig, dass das Rettungsmittel sehr eng anliegt. Die zum Teil noch verbreitete Meinung, zwischen Gurtzeug und Brust müsse eine Faust passen, ist nicht mehr aktuell, die Weste sitzt dann viel zu locker.

Der enge Sitz sorgt beim Aufblasen des Auftriebskörpers dafür, dass dieser nicht über den Kopf rutscht, zudem dienen die Gurte der Weste auch als Lifebelt. Und nur, wenn sie eng anliegen, kann die Kraft der einruckenden Sicherungsleine gut von den Gurten abgefangen werden. Andernfalls wird die Wirbelsäule ungünstig belastet.

In der Anleitung demonstrieren wir die wichtigsten Schritte zum perfekten Sitz der Rettungsweste beispielhaft an einer Crewfit 180 von Crewsaver. Die Hinweise gelten ebenso für Westen der 275er- Auftriebsklasse. Es gibt jedoch Unterschiede bei einigen Westen. So können die Verstellmöglichkeiten der Gurte abweichen, und bei den Verschlüssen gibt es noch Gurtschlösser, die mit einem Knopfdruck geöffnet werden können. Der Vorteil: Sie lassen sich auch unter Last öffnen, wenn das gewünscht ist, etwa wenn man in der Sicherheitsleine hängt und sich daraus befreien möchte. Diese Verschlüsse sind aber auch schwerer.

Anleitung Rettungsweste anlegen

Der erste Blick gilt den  Indikatoren. Steht die Anzeige des Auslösers auf Grün?
Foto: Ben Scheurer

Das Video zum Rettungswesten-Test


Meistgelesen in der Rubrik Ausrüstung