David Ingelfinger
· 04.02.2026
Die Auswahl an Apps reicht von sozialen Netzwerken bis zur großflächigen Überwachung des Ankers. Vor allem das Angebot an Community-Apps ist in den letzten Jahren größer geworden. Diese Netzwerke leben vom direkten Austausch der Bootsfahrer untereinander und bieten detaillierte Informationen über Häfen und Buchten.
Da ein richtiger Praxistest aller verfügbaren Apps und ihrer Funktionen in der Praxis nur schwer umsetzbar ist, haben wir uns auf die Analyse der App-Funktionen und die Auswertung von App-Store-Bewertungen konzentriert. Dieser Überblick soll Ihnen dabei helfen, die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme besser einzuschätzen und die passende Wahl für Ihre persönlichen Anforderungen zu treffen.
Die ADAC Skipper App ist das digitale Pendant zum klassischen Marina-Führer und bietet detaillierte Informationen zu rund 4.000 Häfen in Europa, wobei der Schwerpunkt sehr stark auf den deutschen Revieren liegt. Neben Infos zur Infrastruktur bietet die App einen Törnplaner und Wetterdaten, was sie für viele deutsche Motorbootfahrer aufgrund der schieren Menge an Telefonnummern und Hafeninfos zu einem nützlichen Werkzeug macht. Man sollte jedoch eine gewisse Vorsicht walten lassen: Das automatische Routing im Binnenbereich gilt als fehleranfällig und führt Skipper gelegentlich durch zu flache Gewässer oder vor zu niedrige Brücken. Zudem sind viele hilfreiche Funktionen erst nach Abschluss des kostenpflichtigen „Pro“-Abos nutzbar. Die Pro-Version bietet erweiterte Funktionen wie Offline-Karten und eine detaillierte Törnplanung zu einem jährlichen Festpreis. Dabei profitieren ADAC-Mitglieder von einer vergünstigten Kondition gegenüber Nicht-Mitgliedern.
Der AnchorChainCalculator ist ein spezialisiertes Analysewerkzeug für Skipper, die eine physikalisch fundierte Absicherung ihres Ankerplatzes suchen. Basierend auf den Schiffseigenschaften berechnet die Anwendung, ab welcher Windkraft ein Anker unter Berücksichtigung von Wassertiefe, Kettenvorlauf, Gewicht und Ruckdämpfern seine Haltekraft verlieren könnte. Die App wird in der Community vor allem für ihre mathematische Genauigkeit geschätzt und kann ein wertvolles Instrument sein, wenn man mal länger vor Anker liegt. Ein Einmalkauf schlägt mit etwa 8,99€ zu Buche, ohne weitere Abonnement-Kosten. Die App hilft Motorbootfahrern dabei, das Risiko eines ausbrechenden Ankers in engen Buchten zu minimieren, indem sie die physikalischen Kräfte präzise auf die jeweilige Bootsform zuschneidet.
Anchor Pro (auf Android unter „Anchor Watch / Alarm“ geführt) ist die Empfehlung für Skipper, die eine zuverlässige Fernüberwachung ihres Ankerplatzes suchen. Das Prinzip ist simpel: Ein Gerät bleibt als Sender an Bord, während der Alarm bei einer Positionsveränderung per Telegram-Nachricht oder E-Mail auf das Smartphone an Land gesendet wird. Ein großer Vorteil der Telegram-Anbindung ist die hohe Zuverlässigkeit selbst bei schwachen Internetverbindungen. Die App kostet 6,99€ pro Jahr. Eine komfortable Alternative aus Deutschland stellt zudem die App Ankeralarm dar, die sich durch eine besonders einfache Kopplung via QR-Code und eine Datenhaltung auf deutschen Servern auszeichnet (verfügbar als Lifetime-Version für 19,99€).
Sehr einfache, aber effiziente App der amerikanischen Segelschule NauticalED. Zum Aktivieren wird frei Hand ein Schwoibereich rund um das Boot markiert, sobald die GPS-Position außerhalb der Zone liegt, löst der Alarm aus. Da kein fester Kreis oder Sektor vorgegeben wird, eignet sich der Alarm gut, um vor Winddrehern zu warnen oder Steine und Untiefen zu markieren. Leider fehlt eine Skalierung, um den Schwoikreis auf die gesteckte Kettenlänge abzustimmen.
Die Hafenguide-App ist der digitale Zwilling der „Havneguiden“-Bücher. Die App bietet verifizierte Beschreibungen von Experten vor Ort, sowie exklusive Hydrographica-Spezialkarten im Maßstab 1:10.000, die selbst kleinste Details im Schärengarten verzeichnen. Ein besonderes Merkmal ist die Foto-Navigation mittels hochauflösender Helikopter-Aufnahmen, in denen Ankerlinien und Gefahrenstellen präzise markiert sind. Technisch wird die App oft als unhandlich beschrieben. Ein globaler Offline-Modus fehlt, sodass Häfen einzeln gespeichert werden müssen, was bei fehlender Netzabdeckung zu Ladefehlern führen kann. Zudem beanspruchen die Bildmengen ein hohes Datenvolumen und die regelmäßige Online-Verifizierung kann in Funklöchern den Zugriff blockieren. Das Jahres-Abo kostet etwa 59€, während ein Monats-Zugang für rund 10€ verfügbar ist.
MarineTraffic ist weit mehr als eine globale Karte zur Schiffsbeobachtung. Die OnCourse-App ermöglicht es, die eigene Position aktiv zu melden, wobei diese Daten rein internetbasiert und somit für herkömmliche UKW-AIS-Empfänger unsichtbar bleiben. Während die Basisfunktionen kostenlos sind, schaltet erst das Starter-Abo (119,99 € pro Jahr) erweiterte Funktionen wie eine aktive Kollisionsvermeidung (CPA/TCPA) mit Alarmfunktion sowie Routenplanung frei. Ergänzt wird dies durch einen Augmented Reality (AR) Modus, der Schiffsinformationen direkt in das Live-Kamerabild des Horizonts einblendet.
mySea ist ein digitales Buchungssystem und ein Revierführer, der seinen Schwerpunkt fast ausschließlich im Mittelmeerraum (insbesondere Kroatien, Griechenland und Türkei) hat. Die App ermöglicht es, Liegeplätze in Marinas, an Bojenfeldern oder Restaurantstegen vorab zu reservieren. Für Motorbootfahrer bietet das System den Vorteil einer erhöhten Planungssicherheit im Urlaub, da Liegeplätze mit passender Infrastruktur direkt über die Plattform gesichert werden können. Kritisch anzumerken ist jedoch die geografische Spezialisierung: Für Skipper auf deutschen Gewässern ist die App – von vereinzelten Partnern wie der Marina Ultramarin am Bodensee abgesehen – mangels Datenbasis weitgehend bedeutungslos. Zudem hängen die Aktualität der Revier-Tipps und die Verfügbarkeit von Liegeplätzen stark von der Beteiligung der Partnermarinas und der Community ab.
Navily hat sich als Community-Tool für die Törnplanung in europäischen Gewässern etabliert. Mit über 300.000 Nutzerkommentaren zu Ankerbuchten und Häfen bietet die App eine Informationsdichte, die über klassische Handbücher hinausgeht. Ein technisches Kernmerkmal ist der „Schutz-Score“, ein Algorithmus, der basierend auf Geografie sowie Wind- und Schwellprognosen die Sicherheit eines Liegeplatzes kalkuliert. In über 700 Partner-Marinas lassen sich Liegeplätze zudem direkt über die Plattform reservieren. Die kostenfreie Basisversion setzt eine permanente Internetverbindung voraus. Für den Offline-Modus und eine 72-Stunden-Vorhersage ist das Premium-Abonnement für 29,99€ pro Jahr erforderlich. Da die App keine präzisen Tiefenlinien liefert, ist die Nutzung einer amtlichen Seekarte zwingend notwendig.
Pompomela ist eine spezialisierte App, die das Hafenmanagement am Bodensee digitalisiert hat und über ein Ampelsystem in Echtzeit anzeigt, in welchem Hafen gerade noch ein Gastliegeplatz für die jeweilige Bootsgröße frei ist. Für alle Bootsführer am „Schwäbischen Meer“ ist die App ein echter Gewinn, um sich die oft frustrierende Suche nach Liegeplätzen in der Hochsaison zu ersparen. Allerdings ist der Nutzwert geografisch streng begrenzt, da die App außerhalb des Bodensees völlig funktionslos bleibt. Nutzer sollten zudem den Batteriestand im Auge behalten, da die Anwendung im Betrieb sehr energiehungrig ist und im Hintergrund beträchtliche Datenmengen für Kartenaktualisierungen verbraucht.
Savvy Navvy überzeugt durch eine einfache Benutzeroberfläche und einen speziellen Motorboot-Modus. Dieser plant direkte Routen ohne Kreuzschläge und berücksichtigt dabei Wassertiefen sowie Hindernisse. Besonders wertvoll für die Liegeplatz- und Ankerplatzsuche ist die Verknüpfung von Hafeninfos mit Wetter- und Gezeitendaten: So lässt sich sofort beurteilen, ob eine Bucht bei der aktuellen Vorhersage wirklich geschützt ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die Kraftstoff-Kalkulation, die den Verbrauch schätzt, sowie die präzise Ankunftszeit (ETA) inklusive Strömungen. Nutzer sollten die Route jedoch manuell prüfen, da der Algorithmus teils nah an Untiefen führt. Zu beachten sind außerdem der hohe Energiebedarf und Zusatzkosten für Karten in dänischen Gewässern.