Verlässliche Wetterdaten bilden das Fundament für die Sicherheit auf dem Wasser und eine entspannte Routenplanung. Abseits der großen Allrounder bieten spezialisierte Apps hochauflösende Modelle für lokale Reviere direkt auf dem Tablet. Unübersichtliche Abo-Modelle und verschachtelte Funktionen erschweren jedoch häufig die Suche nach dem passenden System.
Lange Zeit war professionelle Software nur in Form kostspieliger Laptop-Versionen wie Adrena oder Expedition verfügbar. Deren Preise starteten bei etwa 500 Euro und konnten für Profi-Versionen mehrere Tausend Euro erreichen. Heutzutage ergibt sich ein anderes Bild: Es gibt inzwischen eine Vielzahl leistungsfähiger mobiler Lösungen für Tablets und Smartphones.
Da ein lückenloser Praxistest aller verfügbaren Apps kaum umsetzbar ist, haben wir uns auf die Analyse der Kernfunktionen sowie die Auswertung von App-Store-Bewertungen konzentriert. Dieser Überblick soll Ihnen dabei helfen, die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme besser einzuschätzen, um die passende Wahl für Ihre Anforderungen und Ihr Budget zu treffen. Die folgende Zusammenstellung stellt die wichtigsten Apps für die Saison 2026 vor.
Die App des dänischen Wetterdienstes bietet hochauflösende Wind-, Böen-, Wasserstands-, Seegangs- und Strömungsvorhersagen in einer Kartendarstellung. Allerdings beträgt der Prognosezeitraum nur drei Tage. Das gilt auch für die ortsbezogenen Meteogramme, in denen sich Wind, Temperatur, Bewölkung und Niederschlag ablesen lassen. Regenradar und Niederschlagsprognose sind getrennte Grafiken, man kann also nicht einfach aus dem Verlauf in die Zukunft schauen.
Die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist das offizielle Werkzeug für amtliche Wetterwarnungen in allen deutschen Gewässern. Neben den Küstenwarnungen für Nord- und Ostsee bietet die App spezielle Binnenseewarnungen für große Reviere wie den Bodensee oder die bayerischen Seen. Für Wassersportler auf Flüssen und Kanälen ist sie besonders durch die ortsgenauen Warnungen bis auf Gemeindeebene nützlich, die per Push-Nachricht vor Gewittern, Sturm oder Starkregen informieren. In der Anwendung lassen sich zudem Zugbahnen von Gewitterzellen, Blitzaktivitäten und hochauflösende Niederschlagsradare in Echtzeit verfolgen, um die Lage vor Ort sicher einzuschätzen.
Regen-Alarm dient als spezialisiertes Überwachungstool, das den unmittelbaren Standort des Bootes per Regenradar im Blick behält. Während klassische Wetter-Apps wie die des DWD oft großflächige Warnungen ausgeben, liegt der Mehrwert hier in der individuellen Umkreis-Warnung: Der Skipper definiert einen Radius (z. B. 10 km), und die App schlägt sofort Alarm, sobald eine Niederschlagszelle diesen Bereich erreicht. Da das System auf Echtzeit-Radardaten statt auf berechneten Vorhersagemodellen basiert, eignet es sich ideal als „Wache“ im Hintergrund. So wird man beim Ankern oder im Hafen rechtzeitig per Push-Nachricht vor herannahenden Schauern oder Gewitterzellen gewarnt, ohne ständig selbst das Wetterbild kontrollieren zu müssen. Die App ist in der Grundversion kostenfrei und werbefinanziert. Funktionserweiterungen für Werbefreiheit, Mehrfach-Alarme oder zusätzliche Einstellungen lassen sich entweder einzeln oder als vergünstigtes Gesamtpaket dauerhaft freischalten.
Die App liefert eine kurzfristige Regenprognose für einen Zeitraum von 60 Minuten. Ein zentrales Merkmal sind die minutengenauen Vorhersagen zum Einsetzen von Niederschlägen am aktuellen Standort. Das integrierte HD-Regenradar ermöglicht eine detaillierte Verfolgung von Schauern und Gewittern auf Kartenbasis. Die Datenabdeckung umfasst primär Deutschland sowie angrenzende Regionen Zentraleuropas.
Die App „RegenRadar“ von WetterOnline bietet ein Regenradar für Deutschland, Österreich und die Schweiz für 90 Minuten in der Vergangenheit oder für die Zukunft an. Mit dem Radar lassen sich Wolken, Regen, Hagel und Schnee live verfolgen, aber auch Blitze bei Gewittern sofort erkennen. Die App ermöglicht es, den Niederschlag in einem hochauflösenden Film zu verfolgen. Für Motorbootfahrer im Binnenbereich ist das RegenRadar das wichtigste Werkzeug, um trockene Zeitfenster für die Fahrt abzupassen oder rechtzeitig die Persenning zu schließen, bevor der Starkregen einsetzt.
Das Programm von Wetterwelt arbeitet mit den firmeneigenen Grib-Daten und bietet zwei unterschiedlich auflösende Modelle mit Vorhersagezeiträumen von 48 und 120 Stunden. Es werden Wind, Böen, Bewölkung und Seegang vorhergesagt. Außerdem kann eine Route angelegt werden, wobei die App eine Streckenwettervorhersage erstellt. Die Berechnung erfolgt mit konstanter Bootsgeschwindigkeit.
Die App des schwedischen Wetterdienstes basiert auf den gleichen Modellen wie die Apps von DMI und Yr und liefert vor allem für Nordeuropa sehr genaue Vorhersagen. In der Kartendarstellung ist die Auflösung des Windfeldes deutlich gröber als beim DMI, außerdem gibt es weder Böen- noch Strömungsprognosen. Dafür sind Regenradar und Vorhersage in einer Animation kombiniert, und die Meteogramme bieten einen Prognosezeitraum von zehn Tagen.
Für den schnellen Abgleich der Bedingungen im Cockpit bleibt Windfinder ein verlässliches Werkzeug. Die Stärke der App liegt in den präzisen Echtzeitdaten, die über ein engmaschiges Netz globaler Messstationen generiert werden. Während der „Superforecast“ eine stündlicher Vorhersage bietet, ist die Anwendung für die großräumige Wetterplanung auf See nur bedingt geeignet, da ihr Fokus auf einzelnen Orten liegt. Kritisiert wird vor allem die präsente Werbung in der kostenlosen Variante sowie die unübersichtliche Differenzierung zwischen den Versionen „Plus“, „Free“ und der veralteten „Pro“. Das werbefreie Plus-Abo ist für 12,99 € im Jahr erhältlich.
Windy.com hat sich durch die anschauliche grafische Aufbereitung von Wetterdaten als Standard auf vielen Booten etabliert. Besonders die flüssigen Partikel-Animationen ermöglichen es dem Skipper, Wind- und Wellenbewegungen intuitiv zu erfassen. Ein wesentlicher Vorteil für die Törnplanung liegt im Modell-Vergleich: Über die „Compare“-Funktion lassen sich Vorhersagen von ECMWF, GFS, ICON und AROME direkt gegenüberstellen. Aktuelle Erweiterungen erlauben außerdem die Routenplanung entlang eines manuell gezeichneten Kurses. In den Nutzerkommentaren stößt meist die restriktive Preispolitik auf Kritik, da die Gratis-Version lediglich Drei-Stunden-Intervalle bietet und die präzisere Einstunden-Vorhersage zahlenden Premium-Kunden vorbehalten bleibt. Das Abonnement schlägt jährlich mit etwa 26€ zu Buche.
Beim norwegischen Wetterdienst gibt es nur ortsbezogene Tabellen und Meteogramme. Animationen des Wind- oder Strömungsfelds sucht man vergebens. Dafür beträgt der Prognosezeitraum zehn Tage. Böen werden allerdings nur in den ersten drei Tagen vorhergesagt. Über die Umkreissuche zeigt die App nahe gelegene Wetterstationen und, soweit vorhanden, Webcams an, sodass man sich einen Eindruck von der aktuellen Situation vor Ort verschaffen kann.

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