Auto zum BootWie gut ist der Isuzu D-MAX als Zugfahrzeug?

Erich Bogadtke

 · 01.01.2023

D-Max 2020: Restart mit völlig neuem Design und radikal modifizierter Ausstattung
Foto: Julian Fietze
Der Isuzu D-MAX in der V-Cross Ausführung als Zugfahrzeug

Transporter, Geländewagen, Zugmaschine oder Statussymbol: Pick-ups wie der D-Max können alles sein. Isuzu zeigt, wie man’s macht

Mit zwanzig Sack Zement und Maurerbütt auf der Pritsche Richtung Baustelle oder frisch gewaschen auf dem Weg zum Klavierkonzert – wer mit einem Pick-up unterwegs ist, macht in jedem Fall eine gute Figur.

Dass es die Multitalente bei uns bis heute nicht in die Bestsellerlisten geschafft haben, ist augenscheinlich eine Mentalitätsfrage. Die deutschen Hersteller haben auf die Zurückhaltung ihrer Kunden reagiert. So hat Mercedes die Produktion der X-Klasse schon vor zwei Jahren eingestellt. Volkswagen gönnt seinem Amarok ebenfalls eine schöpferische Pause, die jedoch spätestens mit der Premiere des neuen Modells vorbei sein wird. Bis dahin wird der Markt, in dem Isuzu mit dem modifizierten D-MAX weiterhin eine wichtige Rolle spielen will, von den „Platzhirschen“ aus den USA (Dodge, Ford) und dem eigenen Land (Mitsubishi, Nissan und Toyota) dominiert.

Isuzu hat sich mit der reinen Herstellung von Nutzfahrzeugen einen Namen gemacht

Was Isuzu nicht kann – oder will –, ist Pkw bauen. Das japanische Traditionsunternehmen hat sich als Hersteller von Nutzfahrzeugen seit über hundert Jahren weltweit einen Namen gemacht. Nichtsdestotrotz sucht man nach Partnern. Und wird fündig. Anno 2002 wird der etwas in die Jahre gekommene Isuzu-Pick-up in Zusammenarbeit mit General Motors in Thailand komplett runderneuert und bekommt den Namen D-MAX. Und jetzt? Alter Name, neues Auto: 2020 feiert der D-MAX mit einem völlig neuen Design und einer radikal modifizierten Ausstattung einen Neustart.

Der beim D-MAX-Debüt präsentierte Werbespruch „Gemacht für Menschen, die die Dinge in die Hand nehmen“ ist exakt fünfzig Jahre alt, aber immer noch aktuell. Der D-Max wird heute in drei verschiedenen Versionen als Single-, Space- oder Double Cab angeboten. Wer wie Handwerker die Dinge gern in die Hand nehmen will oder muss, wird zweifelsohne die zweisitzige Single-Cab-Version mit der größten Ladefläche favorisieren, die eingangs erwähnten „Musikfreunde“ eher die von uns gefahrene fünfsitzige Doppelkabine in der V-Cross Ausführung. Kennzeichen der Space-Cab-Version sind die wenig komfortablen Notsitze hinter der Bei/Fahrersitzen.

Hubraum ist respektabel, für den Trailerbetrieb aber nicht gerade üppig

Der Vierzylinder-Dieselmotor ist sprichwörtlich einer für alle. Ausgestattet mit Common-Rail-Einspritzung, Turbolader und Ladeluftkühlung, entwickelt der 1,9-Liter-Motor im Drehzahlbereich zwischen 2000 und 2500/min ein Drehmoment von 360 Nm. Um es vorwegzunehmen: Wer die erlaubte Zuladung (knapp 1000 kg) und die maximale Anhängelast von 3,5 t nutzen will, wünscht sich mehr. Gleiches gilt für die Leistung, die mit 163 PS für einen Motor mit knapp zwei Liter Hubraum durchaus respektabel, aber für den Trailerbetrieb nicht gerade üppig ist. In der Praxis sind seine limitierten Kraftreserven beim Überholen und beim Beschleunigen am Berg nicht zu übersehen.

Echte Überzeugungsarbeit leistet der D-MAX, der wahlweise mit einem manuellen Sechsganggetriebe oder einer Sechsgangautomatik ausgestattet wird, in Sachen Antrieb. Elektrisch zuschaltbarer Allradantrieb, Differenzialsperre, Untersetzungsgetriebe und Berganfahrassistent zeigen sich nicht nur abseits asphaltierter Pisten und in der steilen Slipanlage von ihrer besten Seite.

Wer beim D-Max in der ersten Reihe, heißt auf dem elektrisch verstellbaren Fahrersitz sitzt, genießt den Komfort den ergonomische Formen, Lordosestützen, echtes Leder, Sitzheizung und gut platzierte Bedienelemente wie das höhen- und weitenverstellbare Lenkrad.

Dafür, dass der Fahrer an seinem Arbeitsplatz nicht ins Schwitzen kommt, sorgen Klimaautomatik und Sicherheitsassistenten. Das kleine Abc der fleißigen Helfer: Antiblockiersystem (ABS), Anhängerstabilisierung, Aufmerksamkeitsassistent, Einparkhilfe, Geschwindigkeitskontrolle, Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Tempomat, Tote-Winkel-Überwachung, Traktionskontrolle und Verkehrszeichenerkennung. Komplettiert wird die Liste der nützlichen Helfer von der Rückfahrkamera, die dem Fahrer beim Ankuppeln und Rangieren mit dem Trailer auf einem neun Zoll großen Touchscreen in bester Bildqualität zeigt, wo es langgeht. Zum Spaßverderber wird hier allein der große Wendekreis. Wer wissen will, wie er am besten und schnellsten von A nach B kommt, kann sein Smartphone mit dem Bildschirm verbinden. Ein eigenes, integriertes Navigationssystem besitzt der neue Isuzu D-Max nicht, wohl aber eine lautstarke Freisprechanlage.

Messergebnisse:

Mindestens genauso laut sprechen die Ergebnisse, die wir auf unseren Ausflügen auf der Straße (Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn) sammeln, für sich. Lässt man es ruhig (Richtgeschwindigkeit) angehen, überzeugt Isuzus Turbodiesel mit moderaten Verbrauchswerten. Das heißt, im Solobetrieb mit exakt 7,7 l/100 km. Auch die gemessenen Schallpegel zeigen, dass er sich dabei im Wohlfühlmodus bewegt. Aufdringlich wird das Motorgeräusch erst im oberen Drehzahlbereich. Mit dem rund zwei Tonnen schweren Trailer und Boot am Haken wird der 163 PS starke Vierzylindermotor nicht viel lauter, aber deutlich durstiger. Er muss sich anstrengen – was sich spätestens beim simulierten Überholvorgang zeigt – und verbraucht bei dem „Kraftakt“ auf der mehr als 200 km langen Probefahrt rund um Hamburg exakt 11,0 l/100 km.

Fazit

Das neu gestaltete Design wirkt gewollt betont maskulin. Abgesehen von dem von vielen Pick-up-Fans gewünschten Cowboy-Feeling punktet die neue D-MAX-Generation mit günstigen Preisen, kompletter Ausstattung, sparsamen Verbrauchswerten, solider Technik, beeindruckenden Offroad-Eigenschaften, Vielseitigkeit, hoher Zuladung und Anhängelast. Baumaterial, Bootequipment und Gepäck sind auf der mit einem rutschfesten Kunststoff ausgekleideten Pritsche unter dem abschließbaren Rollo gut aufgehoben. Ist die Ladung höher als 49 cm, muss die Abdeckung offen bleiben. Heißt, Langfinger haben’s leicht, und das mitunter nicht wirklich wetterfeste Transportgut steht nicht nur sprichwörtlich im Regen.

Technische Daten

Isuzu D-MAX V-Cross

  • Preis: ab 50.150 €

Motor

  • Bauart: Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel mit Ladeluftkühlung
  • Hubraum: 1898 ccm
  • Leistung: 120 kW (163 PS) bei 3600/min
  • Drehmoment: max. 360 Nm
  • Kraftstoff: Diesel
  • Abgasnorm: Euro 6d

Getriebe

  • Bauart: 6-Gang-Automatik
  • Antrieb: zuschaltbarer Allradantrieb mit Unter­setzungsgetriebe und Differenzialsperre

Abmessungen

  • Länge x Breite x Höhe: 5265 x 1870 x 1790 mm
  • Radstand: 3125 mm
  • Bereifung: 265/60 R18

Ladefläche

  • Länge x Breite: 1570 x 1120 mm

Gewichte

  • Leergewicht: 2105 kg
  • zul. Gesamtgewicht: 3100 kg
  • zul. Zuggesamtgewicht: 6000 kg

Anhängelasten

  • ungebremst: 750 kg
  • gebremst: 3500 kg
  • Stützlast: 245 kg
  • Dachlast: 100 kg

Trailer

  • Hersteller: VANCLAES
  • zul. Gesamtgewicht: 3000 kg
  • Testgewicht: 2000 kg

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