Feadship hat sich die exklusiven Rechte an der MXBuster-Technologie für Yachten über 30 Meter gesichert. Das System des niederländischen Entwicklers AtomicOne greift an der Motoransaugung ein und soll die Verbrennung selbst verbessern. Abgase werden also nicht erst hinterher gereinigt.
Herkömmliche Abgasreinigungen behandeln die Abgase nach der Verbrennung. MXBuster setzt früher an. Aus gereinigtem Wasser wird Wasserstoff erzeugt, der zusammen mit aufbereitetem Wasserdampf in die Ansaugluft des Motors gelangt. Nach Angaben der Entwickler sinken dadurch die Emissionen, außerdem lagert sich weniger Ruß ab und der Motor verbraucht weniger Kraftstoff. Feadship und AtomicOne haben ihre Zusammenarbeit im Oktober 2024 bekannt gegeben. Zu diesem Zeitpunkt lief das System bereits mehr als ein Jahr auf einer Feadship.
Lloyd’s Register und SGS haben MXBuster an mittelschnell laufenden Schiffsmotoren und an Generatoren von Superyachten getestet und zertifiziert. Die Stickoxide (NOx) gingen dabei um bis zu 55 Prozent zurück. Nachgewiesen wurden außerdem niedrigere Abgastemperaturen und weniger Feinstaub. An modernen Dieselmotoren an Land sparte das System bis zu 14 Prozent Kraftstoff. Der Verbrauch von AdBlue, das SCR-Systeme (Selective Catalytic Reduction) zur Abgasreinigung brauchen, sank um 25 bis 35 Prozent. Lloyd’s Register hat die Installation freigegeben. Die zertifizierte Motorenkonfiguration bleibt davon unberührt.
MXBuster wird als eigene Einheit eingebaut, am Motor selbst ändert sich nichts. Interessant ist das vor allem für bestehende Yachten mit Tier-II-Motoren. Sie auf den Tier-III-Standard mit klassischer SCR-Technik zu bringen, ist oft schwierig, weil diese Anlagen im Maschinenraum viel Platz brauchen. MXBuster kommt mit kleinen Anpassungen aus. Das System läuft mit normalem Diesel und mit HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), einem synthetischen Kraftstoff aus erneuerbaren Quellen.
Die erste MXBuster-Anlage auf einer Feadship läuft seit mehr als einem Jahr. In dieser Zeit sind die Rußablagerungen komplett verschwunden und die Emissionen gesunken. Erste Messungen an Bord deuten außerdem auf weniger Verbrauch hin, genaue Zahlen sind aber noch nicht veröffentlicht. Mattes Kruize, bei Feadship Direktor für New Business und Supply Chain und Mitglied im Lenkungsausschuss für Kooperation und Innovation (K&I), sieht das System sowohl für Bestandsyachten als auch für Neubauten als relevant an. Viele Yachten mit Tier-II-Motoren bräuchten mit den üblichen Lösungen deutlich mehr Platz und größere Umbauten. MXBuster sei hier eine weitere Möglichkeit. Es könne auch beeinflussen, wie künftige Feadships ihre Maschinenräume anlegen.
Laut Hersteller könnte die kompakte Installation große Abgasreinigungsanlagen verkleinern oder ganz überflüssig machen. Der Maschinenraum ließe sich dann freier planen, auch einstöckige Lösungen blieben möglich. Feadship, AtomicOne, die Technische Universität Eindhoven und weitere maritime Partner arbeiten zudem am Programm Machine Room of the Future. Dort soll die Verbrennungsoptimierung mit einer kompakten Abgasreinigung verbunden werden. Das Ziel sind weniger Emissionen, ohne dass dafür so viel Platz, Gewicht und technischer Aufwand wie bei herkömmlichen Systemen nötig ist.

Redakteur Test & Technik
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