FlüssiggasNeue Einspritzverfahren

Unbekannt

 · 01.11.2011

Flüssiggas: neue EinspritzverfahrenFoto: Mizu

Die Umrüstung von Booten auf umweltfreundliches und kostengünstiges Flüssiggas wird noch effektiver – Dank neuer Einspritzverfahren für die Motoren.

  Die Umrüstung auf Flüssiggas, wie hier an einem 100-PS-Außenborder von Yamaha, sollten nur Fachbetriebe übernehmen.Foto: Mizu
Die Umrüstung auf Flüssiggas, wie hier an einem 100-PS-Außenborder von Yamaha, sollten nur Fachbetriebe übernehmen.

Vor etwa drei Jahren haben wir uns intensiv mit dem Thema Bootsmotoren, die auf Flüssiggasbetrieb umgerüstet wurden, beschäftigt. In BOOTE 8/08 beschrieben wir den Umbau von zwei 300-PS-MerCruiser-V-Achtern in einer Sea Ray 330 DA. Diese Motoren waren mit Vergasern ausgerüstet und hatten eine Flüssiggasanlage mit Verdampfern (wandelt das Flüssiggas [LPG] in den gasförmigen Zustand) und Mischer, der auf dem Vergaser sitzt und je nach Schalterstellung nur Luft für den Vergaserbetrieb oder ein Gemisch aus Gas und Luft im Gasbetrieb durchlässt.

Nun hat diese Art von Anlage bei Motoren mit Einkreiskühlung einen Schwachpunkt: Damit der Verdampfer gut arbeitet, benötigt er das warme Kühlwasser des Motors. Da er bei Einkreiskühlungen mit einer Temperatur von etwa 65 °C arbeitet, läuft die Verdampferanlage recht „kühl“, und es besteht in den oberen Drehzahlen das Manko, dass der Verdampfer vereist und dem Mischer nicht mehr genügend Gas zuführt.

Außerdem verschleißen die Verdampfer-Bauteile übermäßig. Soll ein Motor mit Vergasern auf Flüssiggas umrüstet werden, müsste er mit einer Zweikreiskühlung, die mit höheren Kühlwassertemperaturen im inneren Kreis arbeitet, ausgerüstet sein. Nachteil: Die meisten Benziner sind mit Einkreiskühlung ausgestattet und müssen erst umgebaut werden, was Extra-Kosten verursacht.

Für Eigner mit neuen Benzinern und Einspritzanlage (Multipoint), bietet sich eine modernere Möglichkeit. Anstatt des Verdampfers und Mischers werden spezielle Gasdüsen neben den Benzin-Einspritzventilen eingesetzt. Bis zu diesen Düsen wird das Flüssiggas nicht gasförmig transportiert, sondern unter einem Druck von etwa 5 bar noch in flüssiger Form.

Erst am Düsenausgang wechselt es seinen Zustand in gasförmig. Dabei entsteht Kälte, die sich positiv auf das Gas-Luft-Gemisch auswirkt und zusammen mit der elektronischen Steuerung für eine op-timale Verbrennung sorgt. Selbstverständlich haben auch diese Anlagen viele Schutzmechanismen, die ein hohes Maß an Sicherheit garantieren.

Da LPG nicht die Additive besitzt wie Benzin, muss, besonders bei hohen Drehzahlen, für einen ventilschonenden Betrieb ein Zusatz verwendet werden. Dies erledigt der Umrüster „fahrmitgas.de“ mit einem Produkt namens P1000, das mit in den Einlasstrakt injiziert wird. Mizu, ein weiterer Umrüster, arbeitet dagegen mit einem Benzinanteil im LPG-Luftgemisch. Das heißt, es wird nicht nur Gas für die Verbrennung genutzt, sondern auch ein Anteil Benzin, das die ventilschonenden Additive von Haus aus besitzt.

Für welche Motoren bekommt man nun diese Umbausätze? Prinzipiell lassen sich alle modernen Einspritz-Benziner damit ausrüsten, egal welcher Hersteller. Die Firma Mizu, die besonders in der Bodenseeregion aufgrund der Abgasvorschriften (die man mit den Gasanlagen ohne große Hürden erfüllt) agiert, hat sogar schon 100-PS-Außenborder umgerüstet.

Kleine Motoren würde jedoch wegen der Umbaukosten nur wenig Sinn haben. Die Preise für solch eine Anlage liegen samt speziellem LPG-Tank zwischen etwa 3000 und 6000 Euro. Kosten, die man erstmal wieder einfahren muss. Zwar kostet der Liter Flüssiggas weniger als die Hälfte von Benzin, doch benötigt der Motor häufig etwas mehr LPG als Benzin, und die Betriebsstunden eines normalen Motorbootfahrers liegen um 25 h, sodass sich die Umrüstung erst nach Jahren rechnet.

Vielfahrer haben dagegen recht schnell ihre „Bestätigung“ für die Umbauaktion. Im Übrigen muss auch nicht immer nur die Einsparung zählen, sondern auch der Umweltgedanke, denn Motoren, die mit Flüssiggas laufen, stoßen weniger Schadstoffe aus.

Häufig hört man den Einwand, dass es kein gutes Tankstellennetz gibt. Das Netz ist nicht „berauschend“, doch sind auch hier Fortschritte zu erkennen, und es werden immer neue Tanken eröffnet, wie beispielsweise die neue LPG-Tankstelle in Gaienhofen am Bodensee.

Weitere Informationen: fahr mitgas.de, Rudolf-Diesel-Str. 1, 63322 Rödemark und Mizu, Weidgang 3–5, 78247 Hilzigen.

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