Großeinsatz auf der EmsFalsche Entsorgung eines Seenotsenders löst Signal aus

Lars Bolle

 · 04.06.2024

Großeinsatz auf der Ems: Falsche Entsorgung eines Seenotsenders löst Signal ausFoto: Hersteller
Der AIS-Seenotsender Easy Rescue
Wie können Seenotsender ordnungsgemäß entsorgt und versehentlich ausgelöste Alarme schnell zurückgenommen werden? Ein Großeinsatz auf der Ems aufgrund eines Fehlalarmes wirft Fragen auf

Ein größerer Einsatz von Feuerwehr und Polizei wurde am vergangenen Freitag in Walchum in der Nähe des Sportboothafens ausgelöst. Der Schleusenwärter erhielt 14 Uhr in Herbrum einen Bericht von einem Binnenschiffer auf der Ems über empfangene AIS-Signale (Automatic Identification System) eines Seenotsenders, die vom Bereich des Sportboothafens in Walchum ausgingen. Daraufhin wurde von der informierten Rettungsleitstelle angenommen, dass sich eine Person im Wasser befindet, und sie entsandte sofort eine große Anzahl an Einsatzkräften.

Bei ihrer Ankunft konnten die Einsatzkräfte jedoch keine Anzeichen einer Person im Wasser oder der Signalquelle finden. Trotz intensiver Suche im Sportboothafen mit Booten und Drohnen konnte nichts gefunden werden. Daher wurde die Suche auf die Ems bei Walchum erweitert.

Während der Suche meldete sich eine Person bei der örtlichen Polizeidienststelle und berichtete, dass sie am Vortag einen vermeintlich defekten Seenotsender in einem Mülleimer auf dem Marina-Parkgelände entsorgt hatte. Die Einsatzkräfte fanden dort den Seenotsender und stellten fest, dass er noch funktionierte und die Quelle des Signals war.

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Wie entstand der Fehlalarm?

Bei dem Sender handelte es sich um den AIS-Seenotsender Easyrescue-A040-BW-COM von Weatherdock, ein handelsübliches Gerät, das auch als Ergänzung an der Rettungsweste befestigt werden kann. Das war hier nach Polizeiangaben auch der Fall. Wodurch der Alarm aktiviert wurde, ist unklar. Der Sender wurde bereits am Vortag in der Tonne deponiert. Entweder war er durch das Lösen von der Rettungsweste aktiviert worden und der Alarm war nur lange niemandem aufgefallen. Oder aber in der Tonne hatte sich wegen Regens so viel Wasser gesammelt, dass das Gerät deswegen auslöste.

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Insgesamt waren 16 Fahrzeuge, 47 Einsatzkräfte und mehrere Taucher der umliegenden Feuerwehren vor Ort. Zudem wurden zwei Drohnen und vier Boote eingesetzt. Zwei Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug waren ebenfalls vor Ort, ebenso wie die Wasserschutzpolizei und Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Ems-Nordsee.

Dem Alarm-Verursacher entstehen jedoch keine Kosten für den Großeinsatz, da es sich laut Polizei um einen Nothilfeeinsatz handelte und dem Verursacher nicht mit Vorsatz gehandelt habe.

Was tun bei Fehlaktivierung?

Bei einem reinen AIS-Alarm reicht es aus, den Sender zu deaktivieren. Die nötigen Schritte befinden sich oft auf dem Gerät selbst. Die Alarmmeldung verschwindet dann nach etwa fünf bis sechs Minuten von den Plottern. Diese Alarmmeldung löst zwar noch nicht automatisch die Rettungskette aus, dennoch sollte die Seenotleitstelle Bremen per Funk oder Handy angerufen und über den Fehlalarm informiert werden, falls, wie in diesem Fall, bereits eine Rettungsaktion angelaufen ist.

Verfügt das Gerät zusätzlich über DSC (Digital Selective Call), den digitalen Funkruf, so löst dieser automatisch die Rettungskette aus, entweder, wenn der Alarm von einer Küstenfunkstelle selbst gehört oder von anderen Yachten per Weiterleitung zu dieser gesendet wird. Die Seenotleitstelle in Bremen wird daraufhin dem Alarm nachgehen und im Zweifel Rettungsmaßnahmen auslösen.

Auch in diesem Fall sollte der Alarm deaktiviert werden sowie ein Anruf bei der Seenotleitstelle erfolgen. Zusätzlich sollte per UKW-Sprechfunk auf Kanal 16 der Alarm zurückgenommen werden, um alle Yachten zu informieren, die sich eventuell schon auf Rettungskurs befinden. Dies nach folgendem Schema:

  • An alle Funkstellen / All stations (3 x gesprochen)
  • Hier ist / This is
  • MMSI-Nummer plus Schiffsname/Rufzeichen (1 x gesprochen)
  • Position / in position
  • Ich ziehe meinen Seenotalarm vom ... (Datum/Uhrzeit in UTC) zurück / I cancel my distress alert of date (Datum/Uhrzeit in UTC)
  • Kapitän
  • Datum/Uhrzeit in UTC

Dasselbe sollte erfolgen, wenn am festverbauten UKW-Funkgerät versehentlich die Distress-Taste zu lange gedrückt wurde und so ein Alarm hinaus ging. Am besten den einmaligen, vollständigen Versand der Nachricht abwarten, damit sie bei anderen nicht bruchstückhaft ankommt, dann den Alarm per CLR-Taste oder Ausschalten des Gerätes deaktivieren und andere Funkteilnehmer sowie die Seenotleitstelle Bremen wie oben beschrieben informieren.

Wie werden alte Seenotsender sicher entsorgt?

Am besten, sie werden zum Händler gebracht. Ist das nicht möglich, Akku entfernen und diesen sowie das Gerät an geeigneten Sammelstellen abgeben.


Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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