Ist die Leine nach einer Verwicklung erst einmal aus der Schraube entfernt, ist das Problem oft nicht erledigt. Der eigentliche Schaden kann tiefer im Antriebsstrang sitzen und zeigt sich manchmal erst später bei Vibrationen, Undichtigkeiten oder Leistungsverlust.
Zum Zustand und Wirkungsgrad der Schraube lesen Sie Antifouling: Propeller-Bewuchsschutz sorgt für Effizienz, für allgemeine Tipps zum Troubleshooting an Bord: Diese 8 Tricks helfen bei jeder Bootspanne.
Text: Nico Krauss; Aktualisierung durch Antonia von Lamezan, 05.08.2026
Ob im Wasser hängende Schoten oder Festmacher, nicht sichtbare treibende Fischernetze, losgerissene Reusen, herrenlose Tampen oder Plastikmüll, es gibt einige Gefahren für den rotierenden Antrieb unter Wasser. Und egal was die Maschine in den ungewollten Stopp gewürgt hat, es besteht dringender Handlungsbedarf: „Das Beste ist nach so einem Vorfall mit Fremdkörpern, der zum Motorstopp führt, den nächsten Kran und eine Werkstatt anzulaufen“, sagt Manuel Keinberger. Der Geschäftsführer bei Kiesow Schiffsmotoreninstandsetzung in Kappeln erklärt weiter: „Die möglichen Auswirkungen einer Leine im Propeller auf die betroffenen Materialien sind nicht ohne Weiteres ersichtlich und können bei Weiterbetrieb zu Folgeschäden führen und ein Sicherheitsrisiko bedeuten.“ Ein Verdacht, dass der Experte mit solchen Aussagen das Geschäft ankurbeln möchte, ist allerdings abwegig, die Auftragsbücher sind voll, und Neukunden haben kaum eine Chance, betreut zu werden.
Was Keinberger und seine Zunft nach einer ungewollten Tampenverwicklung am Propeller dringend empfehlen, ist eine fachgerechte Demontage und Zerlegung des Propellers, je nach Bautyp als Drehflügel-Falt- oder Festpropeller kann es hier zu unterschiedlichen äußeren und „inneren Verletzungen“ von Mechanik, Zahnrädern und Bolzen kommen, und eine weitere Nutzung des Propellers kann weitere Schäden verursachen, bis hin zu einem endgültigen Verlust der Antriebskraft, mit dem damit verbundenen Risiko einer Havarie.
Neben dem Propeller sollte auch die Welle ausgebaut und penibel auf Deformation geprüft werden. Denn im eingebauten Zustand ist das nicht möglich. Selbst wenn die Welle in Gänze sichtbar ist, würden Schäden nur bei großer Deformation sichtbar sein, eine kleine Verformung ist nur mit Messgeräten zu verifizieren. Keinbergers Mitarbeiter spannen hierzu die betroffene Welle in eine Drehbank ein und messen millimetergenau, ob es Schwankungen gibt. „Selbst kleine Verformungen führen zu Unwucht am Antriebsstrang, was sich negativ auf die Kupplung und das Getriebe auswirken kann“, so Keinberger.
Zudem leidet die gesamte Peripherie, wie Wellenendlager, Propellerwellenabdichtung und andere Dichtungen, was mittelfristig die nächsten Schäden verursacht und im schlimmsten Fall Wassereinbruch bedeuten kann.
Auf den ersten Blick scheint es nur selten vorzukommen, dass sich Bootspropeller im Würgegriff eines Tampens befinden. Zumindest macht diese Schadensart für den Versicherungsvermittler Pantaenius nur einen kleinen Anteil am jährlichen Schadenaufkommen aus. „Wenn es eine Motoryacht jedoch erwischt, kann es gravierend aussehen. Je nach Bauart kann auch das Getriebe betroffen sein“, erklärt Holger Flindt, der bei Pantaenius die internationale Schadensabteilung leitet. Wenn beispielsweise ein Jetantrieb, Z-Antrieb oder das IPS-System von Volvo durch Treibgut oder Grundberührung beschädigt wird, geht das ans Eingemachte, die Kosten für eine Reparatur können leicht fünfstellig werden.
Gerade weil kleine Verformungen oder beschädigte Dichtungen an Bord meist nicht zuverlässig zu erkennen sind, ist die fachliche Prüfung nach einem solchen Vorfall mehr als reine Vorsicht.
Die Serie zeigt, was im akuten Notfall zu tun ist, welche Folgeschäden drohen, wie sich Probleme vermeiden lassen und welche Ausrüstung an Bord sinnvoll ist.

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