Technik

Marktübersicht: Bordgrills

Aaron Schreiber

 · 11.07.2022

Marktübersicht: BordgrillsFoto: Torsten Moench

Heiße Eisen für warme Tage: Das Grillen an Bord findet immer mehr Freunde. Doch ist jeder Grill auch fürs Boot geeignet? Wir zeigen, welche Typen es gibt, und erklären die unterschiedlichen Systeme

Kohle oder Gas? Die oftmals end­losen Diskussionen unter Hobby-Grillern liefern häufig genug Zündmaterial für hitzige Debatten. Wirft man jetzt noch moderne Elektrogrills mit in den verbalen Boxring, wird es bis ins nächste Jahrhundert keine einstimmige Entscheidung geben. Doch welches System das bessere ist, wird vermutlich auf ewig auch eine Frage des persönlichen Geschmacks bleiben. Wenngleich der Geschmack des Fleischs mit Kohle ein ganz anderer ist, so ist der Aufwand bei der Nutzung im Verhältnis zu einem Elektro- oder Gasgrill durchaus deutlich höher. Beim Gebrauch an Bord spielen aber auch viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle, die im normalen Alltag eher nebensächlich sind. Wie auch an Land sind Garzeit, Haptik und der Reinigungsaufwand Aspekte, die jeder vor dem Kauf eines neuen Grills getestet haben sollte. An Bord sind zudem Packmaß und Tempe­raturentwicklung durchaus entscheidend. Wir haben die drei großen Systeme auf dem Boot getestet und sieben Bordgrills genauer unter die Lupe genommen. Was Optik und Aufbau betrifft, könnten die Kontrahenten wohl kaum unterschiedlicher geraten sein. Sie sind rund, eckig, breit, schmal; klein und kompakt, schwer und sperrig.

Auf kleineren Booten fällt die Wahl wohl als Erstes auf den mit einer Gaskartusche betriebenen Skotti, den Gewinner beim Packmaß. Durch die Steckbauart der einzelnen Elemente lässt sich der Grill kompakt und flach lagern, ohne viel Stauraum einzunehmen. Eine angegebene Aufbauzeit von unter einer Minute erfordert definitiv Übung und bezieht sich vermutlich nur auf den Grill selbst und nicht auf den ebenfalls optional käuflich zu erwerbenden steckbaren Deckel. Die auf den ersten Blick kleine Grillfläche macht der Skotti durch ordentlich Power wieder wett. Würstchen und Fleisch waren nach kürzester Zeit servierfertig. Aufgrund der Hitzeentwicklung würden wir jedoch von einer Nutzung an Bord abraten. Da sämtliche Bauteile des Skotti die hohen Temperaturen über das Edelstahlgestell ab­geben, kann es zudem sein, dass die Füße Brandflecken oder gar Löcher im GFK oder Gelcoat der Boote hinterlassen. Außerdem läuft Fett aus den zusammengesteckten Elementen, das heiß auf das Boot tropfen und für hässliche Flecke sorgen kann. Für die Eignung „Grillen an Bord“ scheidet er also unserer Meinung nach aus. Gegen eine Nutzung am Strand oder auf dem Grillplatz spricht jedoch nichts.

Batterien und ein USB-Kabel für einen Grill? Was auf den ersten Blick komisch klingen mag, ist ein simples, aber gut durchdachtes und hilfreiches System. Die Kohlegrills im Test von Lotus und Enders verfügen beide über einen integrierten Lüfter, der sich per Regler steuern lässt. Die Grillkohle glüht so extrem schnell durch, wenn der Ventilator nach dem Anzünden auf voller Stufe läuft. Beide Grills bieten neben dem Batteriefach einen USB Anschluss, an den sich eine Powerbank für noch längere Grillzeiten anschließen lässt. Die Batterien waren beim Lotus im Lieferumfang enthalten, beim Enders fehlten sie in der Verpackung.

Der Enders eignet sich hervorragend als Tischgrill an Bord. Die seitlichen Griffmulden ermöglichen es, ihn jederzeit an einer anderen Stelle zu positionieren. Das Am­bientelicht am Unterboden des Grills ist eine nette optische Spielerei. Ob man es am Ende wirklich braucht, sei aber dahingestellt.

In der Praxis brauchte der Enders am längsten, um auf Temperaturen zu kommen, da das Anzündgel mehrfach entzündet werden musste, bis es schlussendlich brannte. Der Lotus war jedoch auch nicht viel schneller. Die Gussplatte des En­ders war im Vergleich der Kohlegrills dem Rost des Lotus jedoch deutlich vorzuziehen. Auch hatten wir das Gefühl, dass der Lotus-Grill ein etwas größeres Kohlefach vertragen könnte, da die Hitze sich nicht über die gesamte Grillfläche ausbreiten konnte. Nur wenn der Lüfter auf voller Stufe lief, wurde ausreichend Hitze erzeugt, um Fleisch zu garen. Hier könnte eventuell der optional erhältliche Deckel Abhilfe schaffen.

Edelstahl, so weit das Auge reicht. Beim Material sind sich die Hersteller einigFoto: Aaron Schreiber
Edelstahl, so weit das Auge reicht. Beim Material sind sich die Hersteller einig

Frei nach der amerikanischen Grillkultur war der große Monterey Infrarot der Firma Magma aus den USA das Schlachtschiff des Tests. Mit zwei Grillebenen, einem Schaufenster und einer Temperaturanzeige hatte der Grill einiges mehr zu bieten als seine Edelstahl-Gegenspieler. Sein Preis ist jedoch wie ein gutes Stück Fleisch: ordentlich gesalzen. Mit über 1.000 Euro kommt der Grill für den Freizeitkapitän mit Affinität zum Grillen vermutlich nicht infrage. Auch die Bauform passt eher für größere Boote und Yachten mit einigen Gästen an Bord. Beide Magma-Grills verfügen jeweils über eine Tropfschale, die das hinuntertropfende Fett auffangen soll. Verbesserungswürdig beim Monterey ist aus unserer Sicht das Ventil, an das die große 10-kg-Gasflasche angeschlossen wird. Hier empfanden wir das Spiel am Verschluss als etwas zu wackelig. Der Regler des Trailmate ist ebenfalls etwas verbesserungsfähig. Als einziger extra für die Nutzung auf Booten konzipierter Grill im Test bietet der Magma Trailmate, genau wie der extra große Monterey, neben den klappbaren Beinen, diverse Halterungen für Reling und Tisch sowie eine Vielzahl weiterer Befestigungsmöglichkeiten an Deck.

Der Cobb-Grill kam bei den Test-Essern im Gesamtpaket jedoch am besten an. Nicht zu groß für die Nutzung an Bord, mit Deckel für kontrollierte Hitzeentwicklung, dank gusseiserner Platte einfach sauber zu halten, auch während der Nutzung anfassbar und zu guter Letzt selbstzündend. Zusätzlich bietet der Cobb, dank des optionalen Zubehörs, eine Vielzahl an weiteren Nutzungsmöglichkeiten wie zum Beispiel als Back­ofen.

Nach dem Grillen ist vor dem Grillen. Die Reinigung kann oft sehr zeit­intensiv sein, wenn angebrannte Reste nicht sofort entfernt werden. Besonders auf kleinen Booten fehlt hierzu immer wieder die Kapazität der Frischwassertanks oder das Waschbecken. Im Test überzeugt haben in der Kategorie Reinigung der Cobb-Grill und der Enders. Grund hierfür ist unter anderem die Gusseisenplatte, welche sie von den anderen Modellen mit Grillrost absetzt. Eine Auffangschale lässt sich am Boden mit Wasser füllen, um herabtropfendes Fett nicht direkt anbrennen zu lassen. Der Magma-Grill ist in puncto Reinigung etwas umständlicher. Durch die vielen Ecken und Kanten muss die Säuberung deutlich intensiver und aufwendiger vorgenommen werden als bei den anderen Grills. Dies gilt sowohl für den kleinen als auch für den großen. Beim Monterey muss für den peniblen Saubermann zusätzlich noch eine zweite Lage an feinen Grillrosten gereinigt werden.

Letzter im Bunde ist jedoch der Skotti. Durch seine enorme Hitzeentwicklung und die nicht vorhandene Tropfschale ent­standen an einigen Blechteilen angebrannte Stellen, die sich mit einem normalen Schwamm nicht beseitigen ließen.

Fazit: Auch wenn das Ringen der Kohle- und Gasgriller vermutlich noch über tausend Jahre weitergehen wird, sind wir Fans von Gasgrills an Bord. Auch mit Kokosnuss-Kohlenbriketts, die für ihren fast nicht existenten Funkenflug bekannt sind, ist das Risiko von Brandflecken deutlich höher als bei einem Gasgrill. Noch ein Wort zum Elektrogrill Lono von WMF: In der Anwendung ist er ähnlich unkompliziert wie ein Gasgrill. Das Grillergebnis ist gut, und die einzeln regelbaren und abnehmbaren Platten erhöhen den Komfort beim Grillen und bei der Reinigung enorm. Nachteil: Es muss stets eine 230-V-Steckdose in der Nähe sein. Unsere Empfehlung daher: Gasgrills sind ideal für den Bordgebrauch.

Die Marktübersicht über Bordgrills finden Sie komplett mit allen Test-Ergebnissen in BOOTE-Ausgabe 08/2022 – ab dem 13. Juli 2022 am Kiosk oder online direkt im Delius-Klasing-Shop.

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