Michael Good
· 25.03.2026
Vier Tage lang hat die neue Messe Nice Boating Tomorrow im Hafen von Nizza gezeigt, wohin sich die Freizeitschifffahrt bewegt: weg von reinem Produktglanz, hin zu Themen wie Dekarbonisierung, alternativen Antrieben, nachhaltiger Infrastruktur und neuen Nutzungskonzepten. Der Ansatz ist richtig gewählt. Denn die Branche steht unter Druck: Emissionen senken, Materialien überdenken, Häfen modernisieren, neue Zielgruppen erreichen. All das verlangt nach Formaten, die mehr leisten als klassische Bootsmesse-Routine. Genau hier setzt die neue Messe Nice Boating Tomorrow an – als Plattform für Austausch, Technologie und strategische Debatten rund um einen „grüneren“ Wassersport.
Nach Veranstalterangaben präsentierten sich 81 Aussteller, rund 40 Prozent davon aus dem Ausland. Im Wasser lagen etwa 30 Boote, viele davon für Testfahrten bereit. Parallel dazu brachte das zweitägige Forum insgesamt 48 internationale Redner und 189 Teilnehmer zusammen. Für eine Erstauflage ist das ordentlich – vor allem, weil das Format klar stärker auf Fachpublikum als auf den klassischen Endverbraucher zielt. Und genau darin liegt offenbar auch die Stärke der Messe. Die Rückmeldungen der Aussteller fallen laut Veranstalter positiv aus. Geschätzt werde vor allem, dass nachhaltige Produkte und Ideen nicht als Nebenschauplatz innerhalb einer großen Konsum- und Chartermesse auftreten, sondern bei dieser speziellen Messe vielmehr im Fokus des Interesses stehen.
Gleichzeitig zeigt die Premiere aber auch die Grenzen eines solchen Spezialformats. Der ganz große Publikumsandrang ist offenbar ausgeblieben. Konkrete Besucherzahlen nennt der Veranstalter nicht, verweist aber selbst auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und einen ungünstigen Termin. Das deutet darauf hin, dass Nice Boating Tomorrow zwar als Branchentreff funktioniert hat, als publikumsstarke Messe aber erst noch Profil gewinnen muss. Das ist typisch für ein neues Format mit klarem thematischem Zuschnitt. Denn Nachhaltigkeit im Wassersport ist zwar in aller Munde, im Markt aber noch längst kein Selbstläufer. Zwischen Vision und breiter Umsetzung klafft weiterhin eine Lücke. Eine Messe wie diese kann helfen, sie zu schließen.
Für den Standort Nizza spricht ebenfalls viel. Die Stadt bringt internationale Sichtbarkeit, maritimes Umfeld und politischen Rückenwind mit. Wenn es den Organisatoren gelingt, das Profil weiter zu schärfen und neben dem Fachpublikum auch mehr Bootsfahrer und Wassersportinteressierte anzusprechen, wird sich Nice Boating Tomorrow als feste Adresse im Messekalender etablieren können. Die erste Ausgabe war aus Sicht der Veranstalter und der Aussteller jedenfalls ein ermutigender Auftakt.

Redakteur Test & Technik