Watchit Eye löst dieses Problem, indem es mehrere Datenquellen zusammenführt: Ein integrierter Radarsensor überwacht den Bereich voraus, während parallel AIS-Daten und elektronische Seekarten analysiert werden. Die KI-gestützte Auswertung soll nur dann Alarm schlagen, wenn wirklich ein Unfallrisiko besteht. Das System richtet sich an Motorbootfahrer, die eine verlässliche Kollisionswarnung benötigen.
Der Radarsensor ist etwa zwei Handflächen groß und wird im Rigg montiert. Anders als klassische Rundumradar-Anlagen konzentriert sich das System auf den Vorausbereich – dort, wo Kollisionen am wahrscheinlichsten sind. Die kompakte Bauweise erleichtert die Installation auf kleineren Yachten.
Die künstliche Intelligenz wertet die Radardaten in Kombination mit Position, Kurs und Geschwindigkeit des eigenen Schiffs aus. Zusätzlich fließen AIS-Daten anderer Schiffe und Informationen aus der elektronischen Seekarte ein. Das System erkennt damit nicht nur bewegliche Ziele wie andere Boote, sondern auch stationäre Hindernisse wie Tonnen, Felsen oder Hafenmolen. Die KI berechnet kontinuierlich Kollisionsrisiken und berücksichtigt dabei Kurse, Geschwindigkeiten und Ausweichmanöver.
Das Display zeigt eine radarbildähnliche Ansicht des Vorausbereichs. Erkannte Objekte werden dargestellt und farblich nach Gefährdungsgrad markiert. Grün signalisiert keine Gefahr, Gelb erhöhte Aufmerksamkeit, Rot akute Kollisionsgefahr. Die Darstellung aktualisiert sich in Echtzeit und passt sich an Kurs- und Geschwindigkeitsänderungen an.
Bei drohender Kollision erfolgt eine mehrstufige Warnung: Zunächst optisch über das Display, bei zunehmender Gefahr zusätzlich akustisch und schließlich per Sprachausgabe. Die Sprachwarnung gibt konkrete Anweisungen zur Ausweichrichtung. Das System soll dabei zwischen verschiedenen Gefahrentypen unterscheiden – etwa ob ein anderes Schiff von Steuerbord oder Backbord kreuzt, ob ein stationäres Hindernis voraus liegt oder ob Gefahr durch Auflaufen auf Untiefen besteht.
Watchit Eye arbeitet eigenständig, kann aber auch in bestehende Navigationssysteme integriert werden. Die Verbindung erfolgt über NMEA 2000 oder Ethernet. Das System empfängt GPS-Position, Kurs und Geschwindigkeit vom Bordnetz und speist Warnmeldungen zurück. Damit können Alarme auch auf Kartenplottern oder anderen Displays angezeigt werden.
Die Installation erfordert den Einbau des Radarsensors, die Montage des Displays und den Anschluss an das Bordnetz. Das System arbeitet im Dauerbetrieb und überwacht kontinuierlich den Vorausbereich – auch nachts oder bei eingeschränkter Sicht.
Watchit arbeitet derzeit an der finalen Markteinführung des Eye-Systems. Das Unternehmen aus Israel hat das Produkt auf mehreren Bootsmessen vorgestellt und testet es in verschiedenen Revieren. Der geplante Preis soll bei rund 12.000 Euro liegen.
Schon am Markt etabliert ist das Kollisionsvermeidungssystem von Sea.AI (ehemals Oscar). Allerdings kommen dort Kameras zum Einsatz. Die Sensoren und Software von Sea.AI sind mit der Technik für autonomes Fahren im Automobilbereich verwandt. Das Kamerasystem wird im Masttopp montiert, die eigentliche Leistung findet aber bei der Echtzeitauswertung der Bilddaten statt. Hier soll das System Schiffe ohne AIS, Personen im Wasser, aber besonders Treibgut, sogenannte Ufos (Unknown Floating Objects), erkennen und gezielt davor warnen. Erst nur für Regattayachten erhältlich, ist das System mittlerweile auch in erschwinglicheren Versionen für Fahrtensegler zu haben.