Normalerweise arbeitet ein Batterie-zu-Batterie-Lader nur in eine Richtung: Während der Motor läuft, versorgt die Lichtmaschine die Starterbatterie. Der B2B-Lader nimmt diese Energie auf und lädt damit die Verbraucherbatterie nach. Wie dieses Prinzip beim Victron Orion XS 12/12-70 mit bis zu 70 Ampere Ladestrom funktioniert, hat BOOTE bereits vorgestellt.
Mit Firmware 1.15 kann der Orion XS nun im Ausnahmefall die Richtung wechseln: Reicht die Spannung der Starterbatterie nicht mehr aus, um den Motor durchzudrehen, lädt das Gerät sie kurzzeitig aus der Verbraucherbatterie nach. Victron nennt die Funktion „Emergency reverse charge“. Sie steht für den Orion XS 12/12-50, den Orion XS 12/12-70 und den universell einsetzbaren Orion XS 1400 zur Verfügung.
Die Notstartfunktion wird in der VictronConnect-App aktiviert. Dazu tippt der Nutzer im Statusbildschirm auf das Symbol für die Starterbatterie. Der Orion XS lädt dann für 15 Minuten rückwärts, also von der Verbraucherbatterie zur Starterbatterie.
Danach folgt eine fünfminütige Pause. In dieser Zeit ist der Lader abgeschaltet, damit sich die Spannung der Starterbatterie stabilisieren kann. Victron empfiehlt, den Motor zu starten, sobald die App „Battery ready“ anzeigt. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass ein Startversuch gelingt: Die Funktion überträgt nur begrenzt Energie und ersetzt keine defekte oder gealterte Starterbatterie.
Der Rückladestrom entspricht maximal der Hälfte des Nennladestroms des jeweiligen Orion XS. Ist in der Konfiguration ein niedrigeres Stromlimit hinterlegt, gilt dieser niedrigere Wert. Beim 50-Ampere-Modell sind damit höchstens 25 Ampere möglich, beim 70-Ampere-Modell höchstens 35 Ampere.
Damit die Verbraucherbatterie nicht selbst zu tief entladen wird, reduziert der Orion XS den Rückladestrom, wenn ihre Spannung zu stark absinkt. Die Starterbatterie wird maximal auf 14,4 Volt geladen. Beim Orion XS 1400 mit 24-Volt-Starterbatterie liegt die Grenze bei 28,8 Volt. Während der Rückwärtsladung sollten möglichst wenige Verbraucher aus der Servicebatterie versorgt werden.
Die Rückwärtsladung steht nicht während des normalen Ladevorgangs zur Verfügung. Der Orion XS muss sich im Ladegerät-Modus befinden, seine Vorwärtsladung aber bereits beendet haben. Das ist etwa der Fall, wenn die Eingangsspannung zu gering ist oder die Motorlauferkennung feststellt, dass der Motor nicht läuft.
Auch ein per Remote-on/off abgeschaltetes Gerät kann die Notstartfunktion nutzen. Bei mehreren parallel betriebenen Orion-XS-Ladern ist jedoch Vorsicht nötig: Victron empfiehlt, entweder alle Geräte gemeinsam auf Rückwärtsladung zu schalten oder die übrigen Lader auszuschalten. Andernfalls können die Geräte gegeneinander arbeiten, sodass Energie in der Anlage zirkuliert, statt die Starterbatterie wirksam zu stützen.
Für Motorboot-Eigner ist die Funktion vor allem in einer Ankerbucht oder nach längerer Liegezeit interessant. Sie kann helfen, wenn die Starterbatterie durch einen angeschlossenen Verbraucher, eine unbemerkte Entladung oder eine längere Standzeit zu schwach geworden ist.
Die Notstartfunktion ersetzt aber keine Ursachenforschung. Springt der Motor nur nach Rückwärtsladung wieder an, sollten Eigner die Starterbatterie, die Lichtmaschine, Trennrelais und mögliche Dauerverbraucher prüfen. Gerade bei umfangreichen Bordnetzen lohnt es sich, die Ladewege und die Gleichstromverteilung systematisch zu kontrollieren.
Voraussetzung sind die Orion-XS-Firmware 1.15 und mindestens Version 6.43 der VictronConnect-App. Das Firmware-Update lässt sich über VictronConnect oder aus der Ferne über das VRM-Portal installieren. Beim Orion XS 1400 muss vor der ersten Nutzung festgelegt werden, ob eine 12- oder 24-Volt-Starterbatterie angeschlossen ist. Diese Einstellung muss unbedingt zur tatsächlichen Nennspannung der Starterbatterie passen.
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Haben Sie an Bord bereits eine Möglichkeit vorgesehen, die Starterbatterie aus der Verbraucherbatterie zu stützen, wenn der Motor nicht mehr anspringt?

Redakteur Test & Technik
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