Stockflecken und Algen lassen sich auf Sprayhood und Persenning an Bord kaum vermeiden. Wie man den Wetterschutz wieder sauber und wasserdicht bekommt und die Zeit bis zum Neubefall verlängert.
Grüne Nähte, schwarze Pünktchen und Flecken auf der Innenseite – was auf den ersten Blick wie ein kosmetisches Problem aussieht, entwickelt sich schnell zur ernsthaften Bedrohung für Sprayhood und Persenning. Unsere erst vier Jahre alte Sprayhood zeigt bereits deutliche Algenspuren und Stockflecken. Die Flybridge-Persenning hat es noch härter getroffen: Das Material ist nicht nur grün verfärbt, sondern auch wasserdurchlässig geworden. Das Tuch saugt sich bei Regen voll und trocknet nur langsam – ein Teufelskreis, der Schimmelwachstum und Algenbefall beschleunigt.
Das Problem ist hausgemacht, erklärt Gerhard Macht von der Firma MTS Schimmelschutzservice: „Die verschärften Biozid-Richtlinien verhindern eine wirksame Ausrüstung der Stoffe.“ Moderne Persenningmaterialien kommen praktisch ungeschützt vom Hersteller – manchmal bereits mit ersten Spak-Ansätzen. Hinzu kommen die Bedingungen an Bord: Schimmelpilze fühlen sich ab 60 Prozent Luftfeuchte wohl, ein Wert, der im Frühjahr und Spätsommer regelmäßig erreicht wird. Die starken Temperaturschwankungen sorgen für reichlich Kondenswasser auf den Oberflächen.
Grüne Seife und kräftiges Schrubben helfen wenig. Der Griff zu verdünntem Hygienereiniger liegt nahe – schließlich beseitigt das enthaltene Natriumhypochlorit organische Verschmutzungen zuverlässig. Doch die Chlorverbindung hat eine heimtückische Nebenwirkung: Sie greift die Baumwollummantelung der Nähte an. Diese Naturfasern sorgen normalerweise für wasserdichte Nähte, weil sie bei Nässe aufquellen. Die aggressive Chemikalie verkürzt ihre Lebensdauer jedoch massiv, daher sollte man besser zu Zelt- oder Persenningreiniger greifen. Die Profi-Reinigung ist komfortabel und nicht teuer, aber nichts für Kurzentschlossene.
Segel- und Persenningmacher arbeiten mit spezialisierten Großreinigungen zusammen, die nach Gewicht abrechnen. Für unsere etwa 3,5 Kilogramm schwere Sprayhood würden beim niederländischen Anbieter Zonklaar rund 270 Euro anfallen, die Baumpersenning kostet weitere 210 Euro. Der Zeitfaktor wiegt schwerer: Bis zu vier Wochen kann der Wetterschutz unterwegs sein – mitten in der Saison nicht ideal.
Die Alternative heißt Selbermachen. Der Markt bietet diverse Persenningreiniger, etwa von Spezialfirmen wie Ultramar aus Holland oder vom deutschen MTS Schimmelschutzservice. Hizu kommen Haushaltsreiniger und Produkte anderer Anbieter. In unserem Test haben wir die Ultramar-Produkte sowie die von MTS an unseren Persenningen ausprobiert. Ergänzend dazu haben wir eine Auswahl anderer Reiniger an einer verspaken Kuchenbude getestet. Die Utramar-Reiniger lieferten gute Ergebnisse, erforderten allerdings deutlichen Arbeitseinsatz. Wesentlich effizienter arbeitete Tentoclean vom Schimmelschutzservice: Die Stockflecken an unserer Flybridge-Persenning verschwanden in kürzester Zeit praktisch vollständig. Der Haken: Das chlorhaltige Mittel entwickelt einen intensiven Geruch und sollte nur im Freien verwendet werden.
Nach der Reinigung folgt die Imprägnierung. Viele sehen sie nur als Mittel für Wasserdichtigkeit. Tatsächlich ist die schnelle Trocknung des Materials entscheidender: Ein gut imprägniertes Tuch nimmt kein Wasser auf und kann nach Regen zügig abtrocknen.
Imprägnierungen halten nicht ewig. Mechanische Belastung durch Falten, Hagel und Starkregen setzt dem Schutz zu. Alle zwei bis drei Jahre muss nachgelegt werden. Für unsere bereits strapazierte Persenning wählten wir Easy-Top vom Schimmelschutzservice. Das ließ das Wasser auch noch am Saisonende abperlen.
Entscheidend für den Erfolg ist die exakte Einhaltung der Herstellerangaben – sowohl bei der Stockfleckenentfernung als auch bei der Imprägnierung. Besonders kritisch ist die Frage, ob der Untergrund für den jeweiligen Arbeitsschritt trocken oder feucht sein darf. Bei falscher Handhabung verliert der Reiniger deutlich an Wirksamkeit. Bei Imprägnierungen kann es noch gravierender sein: Produkte auf Wasserbasis funktionieren auch auf feuchtem Untergrund, andere bilden dagegen hässliche Flecken, die sich kaum entfernen lassen.
Die Imprägnierung macht das Tuch wieder wasserdicht – es trocknet schneller, das schützt vor Algenwachstum.
Um tief im Gewebe sitzende Verschmutzungen zu entfernen, muss der Reiniger eventuell mehrfach angewendet werden.
Das Ganze dauert zwar keine vier Wochen wie bei der Profi-Reinigung, der Zeitaufwand ist aber nicht zu unterschätzen. Allein durch die nötigen Trockenzeiten zwischen Vorreinigung, Algenbekämpfung und Imprägnierung ist man gut zwei Tage beschäftigt. Die nötigen Putzmittel für Sprayhood und Persenning kosten etwa 100 Euro, also rund ein Fünftel der Profi-Reinigung. Wenn man penibel arbeitet, sehen die Persenninge nach der Wäsche wieder aus wie neu. Hier finden Sie die Persenning-Reiniger im BOOTE-Test.

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