WerkstattDie optimale Reinigung der Persenning

Hauke Schmidt

 · 30.06.2026

Sichtkontrolle: Stockflecken entstehen 
meist auf der Innenseite der Sprayhood.
Foto: Andreas Lindlahr
​Im ersten Arbeitsgang werden oberflächliche Verschmutzungen entfernt. Wunder darf man in diesem Stadium jedoch nicht erwarten.

Themen in diesem Artikel

Stockflecken und Algen lassen sich auf Sprayhood und Persenning an Bord kaum vermeiden. Wie man den Wetterschutz wieder sauber und wasserdicht bekommt und die Zeit bis zum Neubefall verlängert.

​Grüne Nähte, schwarze Pünktchen und Flecken auf der Innenseite – was auf den ersten Blick wie ein kosmetisches Problem aussieht, entwickelt sich schnell zur ernsthaften Bedrohung für Sprayhood und Persenning. Unsere erst vier Jahre alte Sprayhood zeigt bereits deutliche Algenspuren und Stockflecken. Die Flybridge-Persenning hat es noch härter getroffen: Das Material ist nicht nur grün verfärbt, sondern auch wasserdurchlässig geworden. Das Tuch saugt sich bei Regen voll und trocknet nur langsam – ein Teufelskreis, der Schimmelwachstum und Algenbefall beschleunigt.

Das Problem ist hausgemacht, erklärt Gerhard Macht von der Firma MTS Schimmelschutzservice: „Die verschärften Biozid-Richtlinien verhindern eine wirksame Ausrüstung der Stoffe.“ Moderne Persenningmateria­lien kommen praktisch ungeschützt vom Hersteller – manchmal bereits mit ersten Spak-Ansätzen. Hinzu kommen die Bedingungen an Bord: Schimmelpilze fühlen sich ab 60 Prozent Luftfeuchte wohl, ein Wert, der im Frühjahr und Spätsommer regelmäßig erreicht wird. Die starken Temperaturschwankungen sorgen für reichlich Kondenswasser auf den Oberflächen.

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Was Sie bei der Reinigung der Persenning bedenken sollten

Grüne Seife und kräftiges Schrubben helfen wenig. Der Griff zu verdünntem Hygienereiniger liegt nahe – schließlich beseitigt das enthaltene Natriumhypo­chlorit organische Verschmutzungen zuverlässig. Doch die Chlorverbindung hat eine heimtückische Nebenwirkung: Sie greift die Baumwollummantelung der Nähte an. Diese Naturfasern sorgen normalerweise für wasserdichte Nähte, weil sie bei Nässe aufquellen. Die aggressive Chemikalie verkürzt ihre Lebensdauer jedoch massiv, daher sollte man besser zu Zelt- oder Persenning­reiniger greifen. Die Profi-Reinigung ist komfortabel und nicht teuer, aber nichts für Kurz­entschlossene.

Segel- und Persenningmacher arbeiten mit spezialisierten Großreinigungen zusammen, die nach Gewicht abrechnen. Für unsere etwa 3,5 Kilogramm schwere Sprayhood würden beim niederländischen Anbieter Zonklaar rund 270 Euro anfallen, die Baumpersenning kostet weitere 210 Euro. Der Zeitfaktor wiegt schwerer: Bis zu vier Wochen kann der Wetterschutz unterwegs sein – mitten in der Saison nicht ideal.

Die Alternative heißt Selbermachen. Der Markt bietet diverse Persenningreiniger, etwa von Spezialfirmen wie Ultramar aus Holland oder vom deutschen MTS Schimmelschutzservice. Hizu kommen Haushaltsreiniger und Produkte anderer Anbieter. In unserem Test haben wir die Ultramar-Produkte sowie die von MTS an unseren Persenningen ausprobiert. Ergänzend dazu haben wir eine Auswahl anderer Reiniger an einer verspaken Kuchenbude getestet. Die Utramar-Reiniger lieferten gute Ergebnisse, erforderten allerdings deutlichen Arbeitseinsatz. Wesentlich effizienter arbeitete Tentoclean vom Schimmelschutzservice: Die Stockflecken an unserer Flybridge-Persenning verschwanden in kürzester Zeit praktisch vollständig. Der Haken: Das chlorhaltige Mittel entwickelt einen intensiven Geruch und sollte nur im Freien verwendet werden.


Die Vorreinigung

Schritt 1: Ein Rahmen aus vier 2,50 Meter langen und 10 Zentimeter hohen Brettern sowie ­eine Gewebeplane dienen als Behelfsbecken.
Foto: Hauke Schmidt

Die Im­prä­gni­erung

Nach der Reinigung folgt die Im­prä­gni­erung. Viele sehen sie nur als Mittel für Wasserdichtigkeit. Tatsächlich ist die schnelle Trocknung des Materials entscheidender: Ein gut imprägniertes Tuch nimmt kein Wasser auf und kann nach Regen zügig abtrocknen.

Imprägnierungen halten nicht ewig. Mechanische Belastung durch Falten, Hagel und Starkregen setzt dem Schutz zu. Alle zwei bis drei Jahre muss nachgelegt werden. Für unsere bereits strapazierte Persenning wählten wir Easy-Top vom Schimmelschutzservice. Das ließ das Wasser auch noch am Sai­son­ende abperlen.

Entscheidend für den Erfolg ist die exakte Einhaltung der Herstellerangaben – sowohl bei der Stockfleckenentfernung als auch bei der Imprägnierung. Besonders kritisch ist die Frage, ob der Untergrund für den jeweiligen Arbeitsschritt trocken oder feucht sein darf. Bei falscher Handhabung verliert der Reiniger deutlich an Wirksamkeit. Bei Imprägnierungen kann es noch gravierender sein: Produkte auf Wasserbasis funktionieren auch auf feuchtem Untergrund, andere bilden dagegen hässliche Flecken, die sich kaum entfernen lassen.


​Wetterschutz effektiv erneuern

​Die Imprägnierung macht das Tuch wieder wasserdicht – es trocknet schneller, das schützt vor Algenwachstum.

Die Imprägnierung kann auf­gesprüht, -gepinselt oder -gerollt werden. Am besten auf der Innenseite beginnen.
Foto: Hauke Schmidt

​Stockflecken bekämpfen

​Um tief im Gewebe sitzende Verschmutzungen zu entfernen, muss der Reiniger eventuell mehrfach angewendet werden.

Schritt 1: Der Power Cleaner enthält Chlor und sollte gleichmäßig auf die trockenen Tücher gesprüht werden.
Foto: Hauke Schmidt

Fazit der Persenning-Reinigung

Das Ganze dauert zwar keine vier Wochen wie bei der Profi-Reinigung, der Zeitaufwand ist aber nicht zu unterschätzen. Allein durch die nötigen Trockenzeiten zwischen Vorreinigung, Algenbekämpfung und Im­prä­gnie­rung ist man gut zwei Tage beschäftigt. Die nötigen Putzmittel für Spray­hood und Persenning kosten etwa 100 Euro, also rund ein Fünftel der Profi-­Reinigung. Wenn man penibel arbeitet, sehen die Persenninge nach der Wäsche wieder aus wie neu. Hier finden Sie die Persenning-Reiniger im BOOTE-Test.


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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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