TechnikZubehörtest: Luftpumpen

Michael Rinck

 · 9/1/2021

Zubehörtest: LuftpumpenFoto: YACHT/J. Kubica

Drucksachen: Elektrische Luftpumpen sollen uns das Leben leichter und Dingi oder SUP binnen Minuten einsatzbereit machen. Welche bieten die beste Kombination aus Volumen und Druck? Neun Modelle im Test

Einer der schönsten Abschlüsse eines Törntages ist wohl, wenn der Anker in einer geschützten Bucht fällt. Wer jetzt jedoch mit dem Hund Gassi gehen muss oder zum morgendlichen Brötchenholen an Land will, benötigt das Dingi, in den meisten Fällen also das Schlauchboot. Und das bedeutet nicht selten: aufpumpen. Zwar ist das kleine Beiboot auch mit einer Handpumpe schnell prall gefüllt, spätestens beim Hochdruckboden oder beim SUP wünscht man sich jedoch maschinelle Unterstützung. Eine praktische Hilfe sind dann Elektropumpen, um die es in diesem Test geht.

Systembedingt gibt es dabei ein Problem: Viel Volumen bei hohem Druck kann meistens nicht eine Pumpe allein leisten. Ein Gebläse kann viel Luft pro Minute befördern, schafft aber nicht den nötigen Druck. Bei einem Kompressor mit einer Kolbenpumpe ist es genau umgekehrt. Er kann zwar beispielsweise das SUP mit dem nötigen Druck füllen, das dauert dann aber meist recht lange. Viele Hersteller kombinieren deswegen beides und bauen sowohl Gebläse als auch Kompressor ein. Wenn dann der Druck für Ersteres zu hoch wird, schaltet die Regelung einfach auf den Kompressor um. Im Idealfall muss also nur der Schlauch angeschlossen, der gewünschte Druck eingestellt und dann auf Start gedrückt werden. Alles andere erledigt danach die Pumpe. Bei der Auswahl der Testgeräte war deswegen das Angebot der einschlägigen Ausrüster die erste Wahl. Hier finden sich viele Pumpen von der italienischen Firma Sco­prega. Sie unterscheiden sich in der Leistung und dem Anwendungsgebiet. Auch die Handpumpe zum Vergleichen kommt von diesem Unternehmen und liegt vielen SUPs und Schlauchbooten als Erstausstattung bei. Neben den Bootsausrüstern kamen auch Pumpen von Sportartikelhändler Decathlon, Elektronikhändler Pearl, Bauhaus und Kaufland ins Testfeld.

Die Auswahl ist dabei nicht einfach, denn der Markt bietet noch weit mehr Produkte. Die sind für das Aufpumpen von Luftmatratzen bis Fahrrad- und Autoreifen konzipiert, taugen aber für die eingangs formulierten Anforderungen bei Dingi und SUP nicht unbedingt. Daher sind die Pumpen von Einhell und Trotec auch ohne Bewertung geblieben. Der Test und ein Blick in die Bedienungs­anleitung offenbaren, dass sie nicht für den Einsatz an Bord gedacht sind. Eine weitere Pumpe hat es ebenfalls nicht ins Testfeld geschafft: Das Modell Turbo Max von Scoprega ist sehr groß und für die feste Montage in der Backskiste vorgesehen. Sie kann das Dingi in Rekordzeit füllen, erreicht aber maximal einen Druck von 250 Millibar – genug für die Schläuche des Dingis, aber zu wenig für den Hochdruckboden. Dabei zieht sie obendrein unglaubliche 61 Ampere Strom aus dem Akku. Dieses Powergebläse ist eher zum Befüllen von großen Hüpfburgen geeignet, nicht für den Einsatz an Bord. Vom Test ganz ein­facher Gebläse, die teilweise für unter 30 Euro erhältlich sind, wurde abgesehen. Diese Modelle haben kein Messgerät für den Druck, und sie schaffen nicht die nötigen 0,8 Bar für einen Hochdruckboden. Damit sind sie ungeeignet, um das Beiboot klarzumachen.

Vier Modelle – die von Einhell, Ryobi, Fun Sports und Trotec – sind mit einem Akku ausgestattet; alle anderen beziehen ihre Energie über einen 12-Volt-Anschluss. Dabei ist es wichtig zu wissen, wie viel Strom die Pumpe braucht. Alles unter 10 Ampere kann sicher über einen Zigarettenanzünder betrieben werden. Für mehr Strom sind aber meistens die Kabelquerschnitte nicht ausgelegt. Und selbst wenn doch: Die Kontaktflächen im Zigarettenanzünder sind recht klein und bilden einen hohen Widerstand, mit dem Ergebnis, dass der Stecker bei höheren Strömen sehr heiß wird. Diese treten zwar nur auf, wenn der Kompressor übernimmt; bei SUPs kann diese Phase aber viele Minuten andauern. Dann ist es ratsam, Pumpen, die deutlich mehr als 10 Ampere aufnehmen, direkt an die Batterie anzuschließen. Deswegen geht dieser Aspekt in die Bewertung auch mit 20 Punkten ein. Bei Pumpen mit Akku muss sich über die Stromaufnahme beim Aufblasen keine Sorgen gemacht werden. Dafür gibt es Extra­punkte für die Akku-Modelle.


Scoprega Turbo Max: Das Modell füllt große Volumen in Rekordzeit, das Schlauchboot in 
44 Se­kunden. Allerdings reicht der Druck nicht für den Boden.Foto: YACHT/J. Kubica
Scoprega Turbo Max: Das Modell füllt große Volumen in Rekordzeit, das Schlauchboot in 44 Se­kunden. Allerdings reicht der Druck nicht für den Boden.

Auch wenn der Pumpvorgang meist nicht mehr als 15 Minuten dauert und somit der Stromverbrauch begrenzt ist, kann es bei kleinen Verbraucherbatterien sinnvoll sein, die Maschine nach dem Ankermanöver nicht direkt auszuschalten, sondern noch laufen zu lassen.

Neben diesem Sicherheitsaspekt steht natürlich die Schnelligkeit, in der Dingi und SUP einsatzbereit sind, an erster Stelle bei der Bewertung. Für die schnellsten Modelle gibt es 50 Punkte. Beim Dingi darf für die sehr gute Bewertung der reine Pumpvorgang höchstens sechs Minuten dauern, beim SUP nicht länger als neun. Das Dingi hatte mehrere Luftkammern, die Zeit zum Umstöpseln des Schlauchs ist in der Rechnung nicht berücksichtigt. Am allerschnellsten war dabei das Sevylor-Modell von AWN, dicht gefolgt von der AGT von Pearl, dem Scoprega-Fa­brikat GE BTB von SVB sowie der Spinera Fun Sports vom Lieferanten Lindemann. Letztere ist der Testsieger. An der Spitze liegen die guten Modelle aber dicht beieinander.

Es lohnt, auf der Tabelle den Blick nach rechts zur Handpumpe zu richten: Keine elektrische Pumpe kann diese in der Zeit­wertung unterbieten. Fairerweise muss dazu angemerkt werden, dass mit der Handpumpe wirklich zügig gepumpt wurde.

Entsprechend erschöpft ist man danach, besonders beim SUP. Der hohe Druck, wenn man sich einem Bar (entspricht grob 15 psi) nähert, verlangt viel Kraft. Deswegen gewinnen die Elektro­pumpen das Rennen gegen die Uhr nicht, beim Komfort aber allemal. Dabei bietet die Handpumpe einen weiteren Vorteil: die geringere Lautstärke. Besonders wenn die Elek­tropumpen in den Kompressor-Modus schalten, werden sie zum Teil sehr laut. Unrühmlicher Spitzenreiter ist hierbei die GE BP von Scoprega mit 115 Dezibel. Zum Vergleich: Sie rangiert damit auf einem Level mit einer Kettensäge und Rockkonzerten. Bei dem speziellen Modell kam dabei noch ein unangenehmes Kreischen hinzu, das erst abnahm, als der Druck stärker wurde, also kurz vor Schluss. Bei dieser Lautstärke ist ein Gehörschutz dringend zu empfehlen. In jedem Fall stört es die Ruhe der Ankerbucht erheblich, weswegen es dafür auch einen Punkt­abzug in der Bewertung gibt.

Neben den wichtigen Kriterien wie Zeit und Stromaufnahme sind auch kleine Details relevant. So bieten die Pumpen von Scoprega durchweg hochwertige Schläuche. Die Elektropumpe von Itiwit etwa kippte ständig um, weil der Schlauch recht unflexibel und nicht besonders lang ist. Besonders komfortabel sind die Ausführungen beim Testsieger und dem Preis-Leistungs-Tipp von Fun Sports und Pearl. Bei beiden Modellen ist das Gewinde zum Befestigen an der Pumpe drehbar am Schlauch angebracht, so muss nicht der ganze Schlauch gedreht werden. Hier fiel wieder das Modell von Itiwit negativ auf. Der Bajonettverschluss für die HR-Ventile an Dingi und SUP war ebenfalls am Schlauch gesichert, allerdings gegenläufig. Diese Verbindung ging ungewollt auf, sobald der Schlauch am Dingi angeschlossen wurde. Die Pumpe funktionierte alles in allem nicht schlecht, dieses kleine Detail störte jedoch. Ebenfalls in die Kategorie „nice to have“ fällt eine Ist-Druckanzeige. Diese zeigt während des Pumpvorgangs den bereits erreichten Druck an. So lässt sich einfach abschätzen, wie lange es wohl noch dauert. Dieses Feature boten alle Modelle abgesehen von der GE BP von Sco­prega. Das etwas größere Schwestermodell GE BTB von SVB macht es besonders elegant: Am äußeren Drehring wird analog der Soll-Druck voreingestellt, und im Betrieb kann der Ist-Druck auf dem Zeigerinstrument abgelesen werden. Das Erkennen von Undichtigkeiten ist ein weiterer Vorteil des Manometers mit Ist-Druckanzeige: Stagniert der Druck, erkennt man das Problem früher und kann sich auf Fehlersuche begeben. Fast alle Testmodelle schalteten bei Erreichen des Soll-Drucks ab. Nur der Akkukompressor One+ von Ryobi leistete dies nicht, obwohl die Funktion laut Bedienungs­anleitung vorhanden sein sollte. An Bord ist die Pumpe nicht für die großen Volumen von Dingi und SUP geeignet. So konnte sie das Dingi füllen, wenn auch langsam; beim SUP brachen wir den Test nach knapp 25 Minuten ab. Der Druck stieg nicht weiter, der Adapter schloss nicht ganz dicht.

Preislich ist das Testfeld recht heterogen, der Testsieger ist mit Abstand am teuersten. Überraschenderweise ist die Handpumpe nicht das günstigste Produkt. Dafür bietet sie ein kostenloses Aufwärmtraining, bevor es aufs SUP oder Schlauchboot geht.

Noch mehr Informationen? Den Luftpumpentest finden Sie mit weiteren Bildern, detaillierten Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 07/2022 – seit dem 15. Juni 2022 am Kiosk oder online direkt im Delius-Klasing-Shop.