Mit 200 Gramm ist die X5 kein Leichtgewicht unter den Actioncams, bleibt aber kompakt genug für den Einsatz an der Reling, auf der Flybridge oder unter Wasser beim Tauchen in der Ankerbucht. Das 2,5-Zoll-Display ist hell und übersichtlich, die Bedienung über Wischgesten schnell verstanden. Mit nassen Fingern funktioniert der Touchscreen naturgemäß weniger zuverlässig. Dann helfen Sprach- und Gestensteuerung, QuickCapture oder die Funktion „Twist to Shoot“, bei der eine Drehbewegung des Selfie Sticks die Aufnahme startet.
Die beiden 1/1,28-Zoll-Sensoren zeichnen 360-Grad-Videos mit bis zu 8K und 30 Bildern pro Sekunde auf. 5,7K sind mit 60, 4K sogar mit 120 Bildern pro Sekunde möglich. Im Einzelobjektiv-Modus arbeitet die X5 wie eine klassische Weitwinkelkamera und liefert maximal 4K/60. Fotos entstehen mit bis zu 72 Megapixeln.
Die hohe 360-Grad-Auflösung darf allerdings nicht mit einem fertigen 8K-Film verwechselt werden. Sie verteilt sich auf die gesamte Kugel. Wird daraus ein normaler 16:9-Ausschnitt gewählt, bleibt entsprechend weniger übrig. Dennoch bietet das Material genügend Reserven für saubere 4K-Sequenzen und moderate Ausschnittsvergrößerungen. Reling, Beschläge und die Konturen des Bootes werden bei gutem Licht klar dargestellt. Spritzwasser auf einer der stark gewölbten Linsen fällt dagegen sofort auf und kann ganze Sequenzen beeinträchtigen. Ein weiches, griffbereites Tuch gehört deshalb zur Bordausrüstung.
Besonders überzeugend ist die Freiheit in der Nachbearbeitung. Eine einzige Aufnahme kann zunächst den Skipper, dann die Gäste im Cockpit und schließlich das aufschäumende Kielwasser zeigen. FlowState-Stabilisierung und 360-Grad-Horizontausgleich halten das Bild selbst bei schneller Gleitfahrt und in kabbeliger See erstaunlich ruhig. Das Ergebnis wirkt weniger wie eine fest am Boot montierte Kamera, sondern eher wie die Fahrt einer kleinen schwebenden Kameradrohne.
Active HDR hilft bei den für Motorboote typischen Kontrasten zwischen hellem Deck, dunklem Cockpit und glitzernder Wasseroberfläche. Bei wenig Licht greift der PureVideo-Modus ein. Er liefert in der Blauen Stunde, unter dem Hardtop oder im dämmrigen Salon sichtbar ruhigere Bilder, kann fehlendes Licht aber nicht vollständig ersetzen.
Praktisch ist InstaFrame: Die Kamera speichert gleichzeitig ein automatisch gerahmtes Flachvideo und das vollständige 360-Grad-Material. Für schnelle Social-Media-Clips steht damit sofort ein verwendbares Ergebnis bereit, während die aufwendigere Version später geschnitten werden kann.
Die X5 ist nach IPX8 bis 15 Meter wasserdicht und kann Regen, Spritzwasser und einen Tauchgang verkraften – vorausgesetzt, Akku- und USB-Abdeckung sind sauber und vollständig verriegelt. Nach Kontakt mit Salzwasser empfiehlt der Hersteller allerdings gründliches Spülen mit Süßwasser. Erst nach vollständigem Trocknen sollten die Klappen geöffnet werden. Aufsteckbare Linsenschützer sind für nasse Einsätze nicht geeignet, weil Feuchtigkeit darunter gelangen und Beschlag verursachen kann.
Ein wichtiger Fortschritt sind die austauschbaren Objektive. Die exponierten Halbkugeln bleiben der empfindlichste Teil jeder 360-Grad-Kamera. An Bord genügt bereits der Kontakt mit einer Klampe, einem Relingsbeschlag oder einer rauen Oberfläche. Bei der X5 muss ein verkratztes Objektiv nicht zwangsläufig einen Werkstattaufenthalt bedeuten. Der Wechsel sollte allerdings in einer trockenen, staubfreien Umgebung erfolgen – das Cockpit ist dafür eher nicht geeignet.
Der 2400-mAh-Akku hält laut Hersteller im Ausdauermodus bei 5,7K/24 bis zu 185 Minuten. In der Praxis hängt die Laufzeit stark von Auflösung, Displaynutzung, Temperatur und Funkverbindung ab. Per USB-C und geeignetem Netzteil ist eine Ladung auf 80 Prozent in etwa 20 Minuten erreicht. Für einen ganzen Tag auf dem Wasser bleiben ein Wechselakku und – noch wichtiger – eine zweite Speicherkarte dennoch sinnvoll.
Der 114 Zentimeter lange “unsichtbare” Selfie Stick ist der wichtigste Begleiter. Im 360-Grad-Bild wird er automatisch herausgerechnet. Aus dem Cockpit gehalten entstehen dadurch ungewöhnliche Außenperspektiven, vom Heck aus beinahe drohnenähnliche Aufnahmen. Voll ausgezogen entwickelt der leichte Stick bei Fahrtwind und Bootsbewegung allerdings einen deutlichen Hebel.
Insta360 selbst empfiehlt ihn nicht für schnelle oder besonders harte Actioneinsätze. Auf einem Motorboot sollte er daher stets mit einer Sicherungsleine versehen, bei höherem Tempo nur teilweise ausgezogen und keinesfalls ungesichert während schneller Gleitfahrt verwendet werden.
Unspektakulär, aber unverzichtbar ist die X5 Lens Cap. Die weiche Kappe schützt beide gewölbten Linsen beim Verstauen und passt auch über montierte Standard- oder Premium-Linsenschützer. Wer die Kamera zwischen zwei Aufnahmen auf der Cockpitbank, dem Steuerstand oder dem Kartentisch ablegt, sollte die Kappe konsequent verwenden.
Der Die elektrische Saugnapf-Halterung eröffnet spannende feste Kamerapositionen. Eine elektrische Pumpe erzeugt den Unterdruck, ein Sensor überwacht die Haftung automatisch; der Hersteller nennt bis zu 120 Stunden Laufzeit. Auf sauberem, glattem Gelcoat oder einer ebenen Scheibe lässt sich die Kamera mit dem doppelten Kugelkopf präzise ausrichten.
Auf Antirutschbelägen, gekrümmten Flächen und nassem, salzverkrustetem Untergrund hat ein Saugnapf dagegen nichts verloren. Bei hohen Geschwindigkeiten wirken zusätzlich Fahrtwind, Vibrationen und harte Schläge auf die Halterung. Da sie primär für Fahrzeuge konzipiert ist, bleibt an Bord eine zusätzliche Sicherungsleine Pflicht. Vor jeder Fahrt sollte außerdem kontrolliert werden, ob der Unterdruck stabil ist und alle Gelenke fest angezogen sind.
Für Aufnahmen vom Beiboot, beim Baden, Wassersport oder während eines Ankermanövers ist der Floating Hand Grip die passende Lösung. Der rutschfeste Griff liegt sicherer in der nassen Hand und hält die montierte X5 an der Oberfläche, sollte sie über Bord gehen. Die Handgelenkschlaufe ersetzt er dennoch nicht. (store.insta360.com)
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Die Insta360 X5 ist keine Kamera für Puristen, die ihr Material ohne Nachbearbeitung direkt verwenden möchten. 360-Grad-Videos benötigen Speicherplatz, Rechenleistung und etwas Zeit beim Schnitt. Wer sich darauf einlässt, erhält jedoch eine der vielseitigsten Bordkameras überhaupt. Sie verpasst kaum ein Manöver, stabilisiert überzeugend und ermöglicht Perspektiven, für die sonst mehrere Kameras nötig wären. Dazu ist die Bildqualität herausragend. Der Preis liegt bei 589,99 Euro, womit die X5 am oberen Ende der Highend-Actioncams angesiedelt ist. Selfie Stick, Linsenkappe und Floating Grip gehören zur sinnvollen Grundausstattung. Der elektrische Saugnapf ist ein spannender Spezialist – auf See aber nur mit sauber gewähltem Untergrund und doppelter Sicherung.
Welche Actioncam nutzt ihr auf eurem Motorboot – und wie sichert ihr die Kamera bei schneller Fahrt gegen Verlust?

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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