Candela erhält 30 Millionen EuroHoffnung für E-Boot-Branche nach X-Shore-Aus

Jan-Ole Puls

 · 20.03.2026

Die Candela P-12.
Foto: Candela
Der schwedische Elektroboot-Hersteller Candela hat in einer Finanzierungsrunde 30 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld fließt in den Bau einer zweiten Produktionsstätte in Polen. Mit über 65 Bestellungen für die Hydrofoil-Fähre P-12 zeigt sich die Nachfrage nach elektrischen Wasserfahrzeugen stabil – ein positives Signal für die Branche, nachdem X Shore Anfang 2026 liquidiert wurde.

Candela hat eine Finanzierungsrunde über 30 Millionen Euro abgeschlossen. An der Runde beteiligten sich die Bestandsinvestoren EQT Ventures, SEB Private Equity, KanDela AB und Ocean Zero LLC. Neu dabei ist die International Finance Corporation (IFC), die private Tochtergesellschaft der Weltbankgruppe, die acht Millionen Euro beisteuerte. Damit hat das schwedische Unternehmen seit seiner Gründung insgesamt 129 Millionen Euro eingesammelt. Das Kapital soll vor allem den Bau einer zweiten Produktionsstätte finanzieren und die Serienproduktion der elektrischen Fähre P-12 ausweiten.

Zweites Werk entsteht in Danzig

Die neue Fabrik entsteht im polnischen Danzig und soll 2027 in Betrieb gehen. Das Werk wird auf einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern entstehen. Ein bestehendes Lagergebäude wird dafür umgebaut. Die Anlage soll eine Jahreskapazität von 70 Booten erreichen. Zusammen mit dem bestehenden Werk in Stockholm kann Candela dann 100 Einheiten pro Jahr produzieren. Die Fabrik in Schweden beschäftigt derzeit etwa 70 Mitarbeiter und fertigt bereits die P-12-Fähren. Von Danzig aus will Candela vor allem Märkte in Schwellenländern beliefern, wo die Nachfrage nach elektrischen Fähren wächst.

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Hydrofoil-Technik senkt Energieverbrauch

Das Modell P-12 nutzt Hydrofoil-Technologie. Dabei heben computergesteuerte Tragflügel den Rumpf etwa einen Meter über die Wasseroberfläche. Das Boot gleitet dann auf den Tragflügeln und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 25 Knoten, was etwa 46 Kilometer pro Stunde entspricht. Durch diese Bauweise soll der Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent gegenüber herkömmlichen Fähren sinken, so der Hersteller. Das Boot erzeugt dabei kaum Heckwellen. Die elektrischen C-POD-Motoren arbeiten geräuschlos und ohne Abgase.

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Über 65 Bestellungen liegen vor

Candela hat nach eigenen Angaben mehr als 65 Bestellungen für die P-12 vorliegen. Der Auftragswert liegt bei etwa 185 Millionen Euro. Die ersten Auslieferungen beginnen im März 2026. Zu den Kunden zählt die indische Stadt Mumbai, die elf Einheiten bestellt hat. Die Boote sollen dort die Fahrzeit vom Flughafen Navi Mumbai ins Stadtzentrum von zwei Stunden auf 35 Minuten verkürzen. Weitere Bestellungen kommen von den Malediven und Thailand, die jeweils zehn Boote ordern. In Skandinavien fahren bereits P-12-Fähren im öffentlichen Nahverkehr von Stockholm, Göteborg, Oslo und Trondheim.

Plattform-Ansatz senkt Kosten

Candela setzt auf eine Plattform-Strategie mit standardisierten Komponenten. Die Boote bestehen aus Kohlefaser und werden in Serienfertigung hergestellt. Dieser Ansatz soll die Produktionskosten senken und kürzere Lieferzeiten ermöglichen. Gustav Hasselskog, Gründer und Geschäftsführer von Candela, erklärt: Die Abkehr von der Kleinserienproduktion ermögliche es, technisch anspruchsvolle Kohlefaser-Schiffe zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Die Betriebskosten lägen deutlich unter denen von Diesel-Fähren, da Treibstoffkosten entfallen und der Wartungsaufwand geringer ausfalle.

Positive Signale für Elektroboot-Branche

Die Finanzierung erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem die Elektroboot-Branche gemischte Signale sendet. Ende Januar 2026 wurde der schwedische Konkurrent X Shore liquidiert. Das 2016 gegründete Unternehmen hatte ebenfalls Elektroboote entwickelt, fand aber trotz internationaler Bekanntheit keinen Käufer. Im Januar 2026 erwarb der norwegische Investor Staale Reiersen die Produktionsgesellschaft von X Shore und etwa 20 Boote über eine Auktion. Seine Absicht sei es, wieder ein Geschäft rund um Elektroantriebe aufzubauen, ohne dass ein genauer Zeitplan bekannt wurde.

Die Entwicklung zeigt, dass der Markt für elektrische Wasserfahrzeuge noch in der Konsolidierung steckt. Während X Shore an hohen Fixkosten und fehlender Skalierung scheiterte, scheint Candela mit seinem Fokus auf öffentliche Verkehrsmittel und größere Stückzahlen einen tragfähigeren Ansatz gefunden zu haben. Die Beteiligung der IFC unterstreicht das Potenzial für Schwellenländer, wo elektrische Fähren eine Alternative zu überlasteten Straßennetzen bieten können.


Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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