Auf den ersten Blick wirken sie etwas gestutzt, die Flügel der Edorado 8S. Auf den zweiten Blick lässt sich selbstbewusst zur Schau gefahrenes Understatement ablesen. Die maximale Flughöhe von etwa 90 Zentimetern ist konstruktionsbedingt und hängt mit dem vollständig einziehbaren Foilsystem zusammen. Im eingefahrenen Zustand reduziert sich der Tiefgang von 125 auf nur 45 Zentimeter, was den einfachen Transport auf einem Trailer erlauben soll. Zudem würde das den 8 Meter langen und 2,55 Meter breiten E-Boliden auch für flache Gewässer qualifizieren und problemlose Hafenmanöver ermöglichen.
Zum anderen betont Ivo van Hultens Design die Linien der 8S und nicht die Foils. Optisch kaschiert er die Masten regelrecht mit der markanten Stufe im Unterwasserschiff (dahinter verschwindet der Frontflügel) und der recht geraden Bordwand mit einer nahezu horizontal verlaufenden Abrisskante. Rumpf, Deck und Aufbau wirken wie aus einem Guss; achtern wölben sich dicke Backen nach innen – darin verschwinden die Masten der Foils mitsamt der darauf sitzenden Motoren – und formen eine gut geschützte Liegefläche. Mit der Windschutzscheibe huldigt Van Hulten Sportwagen. Der niederländische Designer gestaltete unter anderem das Interieur des 911 (8. Generation) und leitet derzeit Porsches Abteilung für User Experience (UX).
Mit einem Prototypen der 8S sammelte ein Team um den Gründer und CEO Godert van Hardenbroek über 500 Betriebsstunden, wobei am Konzept bereits seit 2015 gearbeitet wurde. Kapital sammelte Van Hardenbroek beim niederländischen Start-Up-Battle „Get in the Ring“ ein. Man ließ sich bewusst Zeit mit Entwicklung und Markteinführung, galt es doch ein neues System zu erproben, bei dem der vordere Mast nach achtern wegschwenkt – und das nicht nur beim Anlegen oder in seichten Buchten. Auch bei der Kollision mit einem Objekt soll das Einzelfoil im Bug nachgeben und der 8S statt eines rabiaten Touchdowns eine möglichst sanfte Landung bescheren. Das patentierte Sicherheitssystem nennen die Niederländer CISS.
Das T-Foil vorn reguliert die Flughöhe, die etwa zwei Meter breite Tragfläche hinten lässt sich auch im Anstellwinkel verstellen und arbeitet gegen Rollbewegungen an. An den Rändern des U-Foils hängen Pods, die auch die Lenkung übernehmen. Die Propellergondeln drehen sich unten um 360 Grad und erhalten von oben jeweils bis zu 55 Kilowatt von Torqeedos E-Motoren. Im Schwebemodus soll das zu maximal 40 Knoten führen.
Ab 17 Knoten Fahrt hebt die Carbon-Konstruktion ab, wobei die Batterien einen großen Anteil am Startgewicht von 2,3 Tonnen (leer) haben. Das Deep Blue System von Torqeedo besteht aus zwei Akkus (BMW i3) mit insgesamt 80 Kilowattstunden Kapazität, die derzeit mit 3,7 Kilowatt geladen werden können. Eine Schnelllade-Option ist in Planung. Der Aktionsradius der 8S beträgt laut Edorado etwa 40 Seemeilen bei 25 Knoten. Weitere Verbraucher sind das Kühlfach im Übergang von der Liegewiese zum Cockpit sowie der elektrisch aus der Vorpiek fahrende Ankerarm und die Badeplattform.
Das Unternehmen aus dem niederländischen Dordrecht stellt interessierten Kunden die 8S für Probefahrten bereit. Künftig könnte das „Hydrofoil Electric System“ auch andere Boote oder Tender für Superyachten zum Fliegen bringen. Edorado vermarktet die Foil-Technologie der 8S und prüft im Zuge einer Integrationsuntersuchung die Machbarkeit. In der zweiten Phase werden die notwendigen Schritte zur Integration bestimmt.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV