Was fliegt da, eine foilende Seifenkiste? Sie kommt näher. Nein, das Design ist zu ausgefeilt. Carbon-Strukturen sind zu erkennen. Pegasus, so der Name des Ein-Personen-Foilers, bedient sich der Aerodynamik von Formel-1-Autos der 1950er Jahre. Erinnert an Fahrzeuge, wie sie Juan Manuel Fangio fuhr. Der Bug zeigt eine frappierende Ähnlichkeit zum Lotus 49. Das 4,88 Meter lange Flugboot aus Finnland prägen abgerundete, effiziente Konturen von Flugzeugen. Hinzu komme die kühne Ästhetik moderner Luxuswagen, so Designer und Konstrukteur Eric Smits.
Der argentinische Gründer von Foil.One bringt beste Voraussetzungen mit. Er ist gelernter Bootsbauer, studierte an der Uni in Southampton Schiffbau und lernte das Komposit-Handwerk bei den Mastbauern von Southern Spars in Neuseeland. Technisch ließ sich Smits vom japanischen Hydrofoil-Pionier Kotaro Horiuchi inspirieren: Zwei Foils stehen in Reihe, gesteuert wird ähnlich wie auf einem Fahrrad. Pegasus vertraut auf eine saubere Energielösung und verursacht weder Heckwelle noch Lärmbelästigung.
Der in Finnland lebende Smits konstruiert und baut seit 2010 foilende Boote, darunter auch Motten. Sein Elektro-Foiler sollte so einfach wie möglich zu bedienen sein. Nicht von ungefähr lehnte er die Regulierung der Flughöhe an die der kleinen Flugjollen an. Ein am vorderen Mast angebrachter Stab tastet die Wellen ab und gibt über eine Mechanik die Bewegung der Klappen vor, die in der Abrisskante des Hydrofoils sitzen. Jegliches Schwingen des Stabs hat eine Verstellung des Anstellwinkels zur Folge. Der Verzicht auf Sensoren und Servos spart Energie und vereinfacht Wartung sowie Reparatur. Zusätzlich kann, je nach Wellengang, über einen Knauf die generelle Flughöhe eingestellt werden.
Die Lenkung funktioniert ähnlich simpel. Seitliche Hebel – dem Retrocharme verpflichtet mit braunem Lederband umwickelt – sind über Dyneema-Züge mit einem Quadranten, natürlich aus Carbon gefertigt, verbunden und rotieren den kompletten vorderen Mast. Die mechanische Steuereinheit ist von oben leicht zugänglich vor dem transparenten Süllbord untergebracht. Ungewöhnlich für motorisierte Foiler ist die Krängung in Turns, die bei engen Drehradien bis zu 45 Grad betragen kann.
Am Ende des achterlichen Masts ist die Einheit aus Propeller und zehn Kilowatt starkem E-Motor befestigt. Damit löst sich Pegasus ab zehn Knoten von der Wasseroberfläche, erreicht schnell 22 Knoten und läuft in der Spitze 30 Knoten. Reguliert wird der Schub über ein Pedal. Zwei Torqeedo-Batterien mit je 5 kWh Kapazität, eine vorn und eine hinten, sollen 50 Seemeilen lange Touren zulassen, was bei Cruising Speed ungefähr zwei Stunden Fahrspaß entspricht. Mit Torqeedo-Ladegerät gelingen Vollladungen in weniger als zwei Stunden pro Akku.
Die Lagerung an Bord von Mutterschiffen erleichtert das Aufholen der Masten, wodurch sich die Flügel an das Unterwasserschiff schmiegen und der Tiefgang von maximal ein Meter auf 30 Zentimeter schrumpft. Vollends analog kommt Pegasus logischerweise nicht daher. Ein Displays von B&G liefert Leistungsdaten und dient als Navigationssystem. Sollte es zum Systemausfall kommen oder eine automatische Abschaltung nötig sein, ist im kunstvollen Carbonrumpfkörper ein Paddel und ein Rettungsring enthalten. Pegasus wird in eigener Fertigung in Finnland hergestellt und kostet 139 900 Euro, exklusive Akkus und Ladegerät. Mit beiden Batterien wiegt das extravagante Fluggerät nur 200 Kilogramm.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV