Die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Wasser geht Richtung Elektro-Mobilität. In Stockholm, auf der ostfriesischen Insel Norderney und in Barcelona revolutionieren innovative E-Fähren den Personentransport. Sie verbinden Umweltfreundlichkeit mit Effizienz und setzen neue Maßstäbe für urbane Mobilität. Die Vorteile dieser Technologie reichen von drastisch reduzierten CO2-Emissionen über geringere Betriebskosten bis hin zu einer gesteigerten Attraktivität für Passagiere. Ein genauerer Blick auf die drei Projekte zeigt, wie elektrische Fähren den Nahverkehr auf dem Wasser nachhaltig verändern.
In Stockholm hat die weltweit erste elektrische Tragflügelfähre Candela P-12 Nova den regulären Linienbetrieb aufgenommen. Das innovative Schiff kombiniert elektrischen Antrieb mit Hydrofoil-Technologie, wodurch es buchstäblich über die Wasseroberfläche gleitet. Nach einer kurzen Winterpause ist die Nova ab dem 15. April wieder im Einsatz. Sie erwies sich bei ihren ersten Fahrten Ende 2024 als voller Erfolg – sowohl bei den Passagieren als auch für die Umwelt. Die Statistiken der Region Stockholm sprechen eine deutliche Sprache: Im Vergleich zu konventionellen Dieselfähren auf derselben Strecke stößt die Nova 95 Prozent weniger CO2 aus und verbraucht pro Passagierkilometer 84 Prozent weniger Energie.
Gleichzeitig erfreut sich das Schiff großer Beliebtheit bei den Fahrgästen. Die meisten Abfahrten sind ausgebucht, oft bilden sich lange Warteschlangen. Ein Hauptgrund für die Attraktivität ist die deutlich verkürzte Reisezeit: Die Strecke zwischen Tappström (Ekerö Zentrum) und dem Stockholmer Rathaus bewältigt die Nova in nur 30 Minuten – halb so lang wie mit Auto oder Bus. Andere Boote auf der Linie benötigen 45 bis 55 Minuten.
Auch an der deutschen Nordseeküste hält die Elektromobilität auf dem Wasser Einzug. Seit dem 4. April verkehrt der erste E-Katamaran unter deutscher Flagge regelmäßig zwischen Norddeich und der Insel Norderney. Die Reederei Frisia testet das Schiff bereits seit Anfang Februar mit Probefahrten und verspricht eine umweltfreundliche, schnelle und sichere Verbindung.
Kapitän Stephan Ulrichs lobt die Fahreigenschaften des E-Katamarans, die er mit denen eines Elektroautos vergleicht. Das Schiff reagiere sofort auf Gaseinsatz, ähnlich einem E-Sportwagen. Diese Agilität ermögliche es dem Kapitän, in engen Fahrrinnen schnell zu reagieren. Der E-Katamaran befördert bis zu 150 Fahrgäste in nur 30 Minuten zur ostfriesischen Insel – eine Halbierung der Fahrtzeit im Vergleich zu den großen Passagierfähren.
In Barcelona hat die neueste vollelektrische Pendlerfähre des Hafens, die Ecocat Tres, ihren Dienst aufgenommen. Der 15 Meter lange Aluminium-Katamaran ist Teil des umweltfreundlichen Bootsservice Bus Nàutic, der die Häfen Drassanes und Llevant verbindet. In den ersten drei Monaten seit Betriebsbeginn hat der Dienst bereits mehr als 125.000 saubere, leise und nachhaltige Fahrten durchgeführt.
Die Ecocat Tres bietet Platz für 84 Passagiere und verfügt über ein zusätzliches Dachdeck mit weiteren Sitzplätzen. Das Schiff ist täglich mindestens zwölf Stunden im Einsatz und verkehrt alle 15 bis 30 Minuten zwischen den beiden Anlegestellen. Jede Überfahrt dauert rund zehn Minuten. Bei einer Betriebsgeschwindigkeit von fünf Knoten kann die Fähre bis zu 21 Stunden mit einer einzigen Batterieladung fahren.
Die drei Beispiele zeigen, wie technologische Innovationen den Fährbetrieb revolutionieren. In Stockholm setzt die Candela P-12 Nova auf Hydrofoil-Technologie, die es dem Schiff ermöglicht, bei hohen Geschwindigkeiten über das Wasser zu gleiten. Mit einer Marschgeschwindigkeit von 25 Knoten ist sie das schnellste elektrische Schiff der Welt und übertrifft sogar Stockholms schnellste dieselbetriebene Schärgardenfähren.
Der E-Katamaran für Norderney bezieht seinen Strom aus Solarzellen, die auf den Dächern der Carports im Hafen von Norddeich installiert sind. Diese Energie wird nicht nur für das Laden des Schiffes genutzt, sondern auch für Elektroautos und die Gebäude der Reederei Frisia. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist.
n Barcelona setzt die Ecocat Tres auf ein von Azimut Marine geliefertes Antriebs- und Energiesystem. Es umfasst zwei elektrische ARIES 50 kW Innenbordantriebe, 36 Batterien mit einer Gesamtkapazität von 216 kWh, Schnellladegeräte und integrierte Solarzellen, die bis zu 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Katamarans abdecken.
Die Einführung elektrischer Fähren hat weitreichende positive Auswirkungen auf Umwelt und Stadtentwicklung. In Stockholm zeigen die Daten, dass die Nova nicht nur bestehende Passagiere anzieht, sondern auch neue Nutzer für den Wassertransport gewinnt. Die Zahl der Reisenden auf der Linie 89 ist um 30 Prozent gestiegen. Gustav Hasselskog, CEO und Gründer von Candela, sieht darin einen wichtigen Schritt: „Eines unserer Ziele ist es zu zeigen, dass wir mit schnellem, bequemem Wasserverkehr Autopendler dazu bringen können, auf öffentliche Verkehrsmittel auf dem Wasser umzusteigen."
In Barcelona spart die Ecocat Tres voraussichtlich 90 Tonnen CO2 pro Jahr ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu den Umweltzielen der Stadt. José Antonio Carbonell, Präsident des Hafens von Barcelona, betont: „Die Einführung des neuen elektrischen Wassertaxis stellt einen bedeutenden Schritt in unserem Engagement für Nachhaltigkeit dar. Diese 100 Prozent elektrische, emissionsfreie Passagierfähre hilft uns dabei, die Mobilität im Hafen neu zu gestalten und die Dekarbonisierung unserer Betriebsabläufe zu beschleunigen."
Mit der fortschreitenden Entwicklung der Technologie und der zunehmenden Nachfrage nach nachhaltigen Transportlösungen dürften elektrische Fähren in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der urbanen Mobilität spielen.

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